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"Goldraub": Ex-Saliera-Chefermittler vereint Krimi und Farce

21. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Über Nacht kannte ganz Österreich das "Salzfass der Nation": In den Morgenstunden des 11. Mai 2003 wurde die Saliera aus dem Kunsthistorischen Museum gestohlen. Es dauerte fast drei Jahre, bis Chefermittler Ernst Geiger und sein Team den Täter präsentieren und das wertvolle Stück zurückgeben konnten. In seinem zweiten Roman "Goldraub" rollt Geiger den Fall "nach wahren Begebenheiten" auf und erzählt von Intrigen und Fehlverhalten, die der Kriminalarbeit im Weg standen.

Viel wurde über den Diebstahl (der reißerische Titel "Goldraub" ist wohl dem Marketing geschuldet) und die Motive des Täters spekuliert. Als "besoffene G'schicht" bezeichnete der letztendlich über penible Polizeiarbeit überführte Dieb seine Aktion, die er als Sicherheitsexperte dank der damals laschen Sicherheitsvorkehrungen im KHM problemlos durchzog: Über ein Baugerüst stieg er ein, in weniger als einer Minuten war die Saliera in seinem Besitz. Es wurde zwar Alarm ausgelöst, den drehten die Securitys im Museum aber ab - weil es zuletzt viele Fehlanzeigen und deswegen angeblich eine entsprechende Weisung gegeben hatte.

Geiger versetzt sich in den Kopf des Diebes und schildert - wie schon in seinem ersten Buch "Heimweg" - mögliche Gedanken und Beweggründe des Täters. Bei der Klärung des Falls hält sich der ehemalige Spitzenbeamte wohl an die Fakten und schildert u.a. eine wilde Schnitzeljagd den Donaukanal entlang und schließlich auf die Salmannsdorfer Höhe, auf die der Dieb einen Polizisten zu einer vermeintlichen Geldübergabe schickte - war es ein Erpressungsversuch oder wirklich nur ein "Spiel", bei dem es dem Täter um den Nervenkitzel ging?

Viel Kunstgeschichte hat Geiger in seinen Roman einfließen lassen, der Leser wird etwa mit Hieronymus Bosch, aber auch mit Auszügen aus der Autobiografie des italienischen Goldschmieds und Bildhauers Benvenuto Cellini konfrontiert, der die Saliera schuf. Beschreibungen des einzigartigen Goldkunstwerks füllen Absätze. Was "Goldraub" allerdings wirklich spannend macht, sind die "Hintergrundgeräusche", die Geiger genüsslich aufbereitet.

"Ähnlichkeiten mit realen Personen sind vom Autor nicht beabsichtigt und rein zufällig", heißt es im Buch. Rein zufällig erinnert also eine beschriebene peinliche Pressekonferenz des Museumsdirektors (Blum genannt) an jenen realen Medientermin des damaligen KHM-Chefs, der Journalisten beschimpfte und Sicherheitslücken klein redete. Später entlockt ein Betrüger Blum 20.000 Euro beim Versuch, die Saliera wiederzubeschaffen. Und nicht nur die Versicherung pfuscht Geiger bei den Ermittlungen dazwischen, auch aus der Polizei selbst gibt es Querschüsse.

Durch Umbesetzungen und eine viel kritisierte Polizeireform unter Innenminister Ernst Strasser wurde ein Mann, im Buch mit Namen Robert Dachs, an oberste Stelle befördert, dem es - so sagt man - hauptsächlich um Macht ging. "Seitdem Dachs Landespolizeikommandant ist, macht er uns das Leben schwer und behindert die eigenen Ermittlungen", heißt es im Roman. Geiger rollt diese Behinderungen auf und hält fest, dass Dachs "die Polizei langsam in seine persönliche Theaterbühne verwandelte". Es ist amüsant, wie Geiger die handelnden Personen beschreibt, es muss dem hochverdienten Ermittler eine Genugtuung gewesen sein, dieses Buch zu verfassen.

"Goldraub" schildert ein groteskes Stück österreichischer Kriminalgeschichte. Geiger erzählt gut, versucht in die Tiefe zu gehen und vermischt Fiktion mit Realität. Für die einen mag die Geschichte ein unterhaltsamer Wien-Krimi sein, für Insider eine Abrechnung mit einer für die heimische Polizei nicht nur rühmlichen Zeit, was Posten und Postenschacher betrifft. Die Seitenhiebe auf Personen, die "rein zufällig" an reale erinnern, sind der wahre Goldschatz in dieser Farce um die Saliera.

(S E R V I C E - Ernst Geiger: "Goldraub", Verlag edition a, Taschenbuch, 432 Seiten, 22 Euro)

Quelle: Agenturen