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"Sonst tötet er euch": Selenskyj ruft zum Sturz von Putin auf

In seiner abendlichen Ansprache rief der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj russische Regierungsmitglieder dazu auf, Putin zu stürzen. Ansonsten würden sie angesichts der Niederlagen der russischen Armee vom Kreml-Chef zu Sündenböcken gemacht und getötet werden, warnte er. Putins Popularität ist unterdessen im Sinkflug.

"In dieser Woche sind weitere ukrainische Flaggen im Donbass gehisst worden. Es werden noch mehr in der kommenden Woche sein", sagte Selenskyj. Das sei der erste Warnschuss, der auf allen Ebenen der russischen Regierung gehört werden sollte, so der ukrainische Präsident.

"Werden nacheinander getötet"

"Bis Sie das Problem mit demjenigen gelöst haben, der das alles begonnen hat, diesen sinnlosen Krieg, werden sie alle nacheinander getötet und zu Sündenböcken gemacht werden, weil sie nicht zugeben wollen, dass dieser Krieg für Russland ein historischer Fehler ist", erklärte Selenskyj in dem am späten Samstagabend veröffentlichten Video.

Hohe Verluste auf Seite der Russen

Nach Einschätzung des britischen Geheimdienstes haben die russischen Streitkräfte beim Rückzug aus der strategisch wichtigen ostukrainischen Stadt Lyman hohe Verluste erlitten. Der Rückzug habe in russischen Regierungskreisen eine Welle an öffentlicher Kritik an der Militärführung ausgelöst, hieß es von den Briten. Weitere Niederlagen in den Regionen der annektierten Gebiete dürften dies weiter verstärken und den Druck auf hochrangige Kommandeure erhöhen.

Abzug bewusste Entscheidung Putins

Die Militärexperten des renommierten Institute for the Study of War sehen in dem Rückzug russischer Truppen aus der strategisch wichtigen Stadt Lyman in der Ostukraine "mit ziemlicher Sicherheit" eine bewusste Entscheidung von Russlands Präsident Wladimir Putin. Nicht die Militärkommandos hätten entschieden, dass die Frontlinien nahe der Städte Kupjansk oder Lyman nicht verstärkt werden, sondern der Präsident selbst, hieß es in einer ersten Analyse.

Es deute darauf hin, dass sich Putin vielmehr um die Sicherung strategischer Gebiete in den Regionen Cherson und Saporischschja kümmern wolle.

Popularität Putins schwindet

Die Popularität von Kremlchef Wladimir Putin in Russland schwindet zusehends. Grund dafür ist laut der britischen Investigativ-Journalistin Catherine Belton die Teilmobilisierung, die der russische Präsident "eigentlich nicht wollte". Seien am Anfang des Ukraine-Krieges vor allem ethnische Minderheiten des Riesenreiches im Einsatz gewesen, so würden jetzt auch junge Russen rekrutiert, erklärte die Autorin und Russland-Expertin im APA-Interview.

Bis zu 40.000 gefallene Russen

Lediglich ältere Russen seien mehrheitlich bereit, in den Krieg zu ziehen, meinte die Autorin des Bestsellers "Putins Netz". Diese seien aber oft schlecht trainiert und auch nicht derart motiviert wie ihre Gegner, die Ukrainer, die für die Freiheit ihres Landes kämpften. Da nun das eigene Leben vieler Russen bedroht sei, wachse der Widerstand zusehends.

Die Menschen hätten jetzt die Entscheidung, entweder gegen den Krieg aufzustehen, zu protestieren und dafür möglicherweise ins Gefängnis zu wandern, oder in die Ukraine geschickt zu werden und dort eventuell zu fallen. Notwendig sei die unbeliebte Teilmobilisierung geworden, weil auf russischer Seite immer mehr Verluste zu beklagen seien. Belton sprach von mittlerweile bis zu 40.000 gefallenen Russen - sie bezog sich dabei auf Angaben des britischen Außenministeriums.

ribbon Zusammenfassung
  • In seiner abendlichen Ansprache rief der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj russische Regierungsmitglieder dazu auf, Putin zu stürzen.
  • Ansonsten würden sie angesichts der Niederlagen der russischen Armee vom Kreml-Chef nacheinander zu Sündenböcken gemacht und getötet werden, warnte er.
  • Putins Popularität ist unterdessen im Sinkflug.