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Selenskyj: Ende des Kriegs nur auf dem "Schlachtfeld" möglich

07. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, sieht ein Ende des Krieges nur auf dem "Schlachtfeld" für möglich. Derzeit mangle es aber noch an Waffen, um einen ukrainischen Sieg zu erzielen.

Russland verstärkt seine Angriffe auf den Donbass weiterhin. Zusätzlich zur russischen Artillerie seien Kampfflugzeuge und Hubschrauber im Einsatz, teilte der ukrainische Generalstab am Dienstag mit. Das ukrainische Militär selbst flog nach eigenen Angaben im Süden des Landes mehrere Luftangriffe auf russische Stellungen.

Sjewjerodonezk ist zum Hauptziel der russischen Offensive im Donbass geworden, der die Provinzen Luhansk und Donezk umfasst. "In der Stadt gehen die heftigen Straßenkämpfe weiter", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner nächtlichen Videoansprache. "Sie sind uns zahlenmäßig überlegen, sie sind mächtiger." Aber die ukrainischen Streitkräfte hätten "jede Chance", sich zu wehren, fügte er hinzu.

Ende des Kriegs nur auf dem "Schlachtfeld"

Ein Ende des Krieges hält Selenskyj weiter nur auf dem "Schlachtfeld" für möglich, wie er in einem am Dienstag veröffentlichten Gespräch mit der "Financial Times" erklärte. Um anzugreifen, mangle es der Ukraine aber weiter an Technik. Ohne zusätzliche Ausrüstung sei es für Kiew schwer, die Verluste wären groß. "Es kann keinerlei Gespräche ohne die Ukraine, hinter unserem Rücken geben," so der ukrainische Präsident. Die Ukraine werde auch nicht mangels Geld, Treibstoffs oder aufgrund der zerstörten Infrastruktur gesprächsbereiter werden. "Wir haben bereits zu viele Menschen verloren, um einfach so unsere Territorium abzugeben", betonte er.

Russische Angriffe in der Umgebung von Sjewjerodonezk - im Raum Bachmut - seien abgewehrt worden, teilte der Generalstab mit. Weiter westlich rückten die russischen Truppen Richtung Slowjansk vor, ein weiteres strategisches Ziel im Donbass-Gebiet. In dem Ballungsraum ist das Hauptquartier der ukrainischen Streitkräfte stationiert.

Zur Lage in der umkämpften Großstadt Sjewjerodonezk sagte Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu, dass dort alle Wohngebiete unter russischer Kontrolle seien. Nun gehe es um die Einnahme der Industriezone in der Stadt sowie der umliegenden Ortschaften, meinte der Minister. Insgesamt seien inzwischen 97 Prozent des Gebiets Luhansk unter russischer Kontrolle, sagte Schoigu.

Luhansk und Donezk als Kernziele

Als Kernziele des Krieges waren immer wieder die komplette Einnahme des Gebiets Luhansk und des Gebiets Donezk genannt worden. In Donezk seien die Städte Swjatohirsk und Lyman sowie weitere 15 Ortschaften eingenommen worden, sagte Schoigu. Zugleich berichtete er, dass Russland derzeit 6.489 ukrainische Soldaten in Gefangenschaft hält, nachdem sich in den vergangenen Tagen 126 Angehörige der ukrainischen Streitkräfte ergeben hätten.

Die Luftwaffe der Ukraine ist unterdessen im Süden aktiv. "Ukrainische Hubschrauber haben Schläge gegen Ansammlungen feindlicher Truppen im Gebiet Cherson geführt - und Flugzeuge gegen Munitionsdepots im Gebiet Mykolajiw", teilte der Generalstab mit. Die Ukraine hat ihre Luftwaffe im Krieg wegen der russischen Luftüberlegenheit bisher nur wenig eingesetzt. Im Osten ist die Lage weiter schwierig.

Russlands Fortschritte stocken

Heftige ukrainische Gegenwehr gibt es offenbar auch auf der südlichen Popasna-Achse. Dort sind laut britischem Verteidigungsministerium die Fortschritte des russischen Militärs in der vergangenen Woche ins Stocken geraten. Berichte über schweren Beschuss in der Nähe der Stadt Isium in der Region Charkiw legten nahe, dass das russische Militär erneut versuche, zur nördlichen Achse durchzudringen. "Russland wird mit ziemlicher Sicherheit einen Durchbruch auf mindestens einer dieser Achsen erzielen müssen, um taktische Gewinne in Erfolge auf operativer Ebene und Fortschritte in Richtung seines politischen Ziels umzusetzen, die gesamte Oblast Donezk zu kontrollieren", sagte das Ministerium. Die Regionen Donezk und Luhansk, in der die Stadt Popasna liegt, bilden zusammen den Donbass.

Quelle: Redaktion / msp