Karner: Hohe Verluste bei "fürchterlichem" Straßenkampf in Ostukraine

07. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Um Sjewjerodonezk tobt ein furchtbarer Straßenkampf mit hohen Verlusten, erklärt Militärexperte Gerald Karner die neuesten Entwicklungen im Ukraine-Krieg. Im Donbass scheint die russische Offensive zum Erliegen gekommen zu sein. Gleichzeitig sprechen die Russen von "Säuberungen" in der Klosterstadt Swjatohirsk.

Im heftig umkämpften Sjewjerodonezk, einer Stadt im ukrainischen Luhansk, ändert sich die Lage aktuell stündlich, erklärt Militärexperte Gerald Karner. Russische Streitkräfte hatten bereits zwei Drittel bis drei Viertel erobert, doch die Ukrainer drängen ihre Gegner mittels Straßenkämpfen aktuell zurück.

Die Hälfte der Stadt sei jetzt wieder in ukrainischer Hand, doch die Kämpfe seien heftig, "Straßenzug um Straßenzug, Haus um Haus". Es sei ein "furchtbares Abnutzungsgefecht" mit schweren Verlusten, "vor allem aber offensichtlich auch bei den russischen Streitkräften", so Karner. Nun sei die Frage, wer länger durchhält. 

Russen können Sjewjerodonezk "in nächsten Tagen" erobern

Die russische Offensive im Donbass scheint laut Karners Informationen zum Erliegen, die geplante Einkesselung der ukrainischen Truppen zum Stehen gekommen zu sein. In der zentralen Ukraine im Süden, im Raum Cherson, habe die Ukraine offenbar erfolgreiche Gegenangriffe gestartet.

"Also sehr viel kommt die russische Offensive weder im Süden noch im Osten der Ukraine weiter. Ich gehe aber davon aus, dass letztlich, wenn die Russen wirklich alles daransetzen, die Stadt Sjewjerodonezk zu erobern, das auch in den nächsten Tagen passieren wird, allerdings unter Inkaufnahme erheblicher Verluste", meint Karner.

Gelingt es Russland nicht, die ukrainischen Truppen einzukesseln und die Zange zu schließen, wäre das "eine bezeichnende örtliche Niederlage". 

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Russland gibt "Säuberungen" in Swjatohirsk zu

Erfolge können die Russen auch in der Stadt Swjatohirsk verzeichnen, was sich wegen seines wichtigen russisch-orthodoxen Klosters auch propagandistisch ausschlachten lasse. Russland spricht von "Säuberungen", die dort stattfinden. Der Begriff sei laut Karner "historisch sicherlich sehr belastet". Russland scheue sich nicht zuzugeben, "dass da offensichtlich Deportationen stattfinden bzw. auch staatsrechtliche Verfahren stattfinden."

Die Ukraine könne im Gegenzug Erfolge in der Gegend um Cherson verbuchen. Es gelinge ihnen, die russischen Streitkräfte "unter Druck zu halten und abzunützen, selbst aber möglichst wenig abgenützt zu werden, um möglich wenig Verluste hinzunehmen". 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam