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Russische Vorwürfe nach Graffiti am Schwarzenbergplatz

27. Mai 2022 · Lesedauer 2 min

Der russische Botschafter Dmitri Ljubinski hat Österreich eine Politik der Beschwichtigung in Bezug auf ukrainische Nationalisten vorgeworfen. Grund: Unbekannte hatten mutmaßlich am Morgen des 25. Mai ein ehemaliges Emblem des Asow-Regiments sowie "A$OV" auf jene Mauer am Schwarzenbergplatz gemalt, die im März mit den ukrainischen Nationalfarben überpinselt worden war.

"Es wird aktuell versucht, mit dem Eigentümer oder einem Vertreter Kontakt aufzunehmen, um eine mögliche Sachbeschädigung abzuklären, und der Sachverhalt gleichzeitig zur weiteren strafrechtlichen Beurteilung an die Staatsanwaltschaft Wien übermittelt", erklärte der APA am Freitag ein Sprecher der Wiener Polizei. Der Tatzeitraum dürfte in den Morgenstunden des 25. Mai gewesen sein, erläuterte er. Von einer Wahrnehmung der Tat selbst sei nichts bekannt.

"Aktion von Radikalen"

"Wir haben die österreichische Regierung wiederholt darauf hingewiesen, wohin diese schweigende Beschwichtigung in Bezug auf ukrainische Nationalisten und ihrer Helfershelfer führt", kommentierte Russlands Botschafter Dmitri Ljubinski noch am Mittwoch den Vorfall. Diese "weitere Aktion von Radikalen" am Schwarzenbergplatz sei dafür eine erneute Bestätigung.

Obwohl sich die Mauer hinter dem Denkmal in Privateigentum befinde, werde man weiter darauf bestehen, dass sie in eine "würdige Erscheinungsform" gebracht werde, ergänzte Ljubinski. Offen blieb dabei, ob er sich auf das ehemalige Asow-Emblem, einer auch im Dritten Reich verwendeten Wolfsangel, bezog oder die Bemalung in den ukrainischen Nationalfarben meinte, die als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine von der Familie Schwarzenberg veranlasst worden war.

"Missverständliche Unterstützungsaktionen sollten unterlassen werden"

"Asow verwendet sein altes Logo nicht mehr und die prekäre Lage der in russischer Gefangenschaft befindlichen Asowzer verpflichtet dazu, derartige zweideutige und missverständliche Unterstützungsaktionen zu unterlassen", kommentiert auf APA-Anfrage die rechte Kiewer Intellektuelle Olena Semenjaka, die in der Vergangenheit mit dem Regime Asow kooperierte und nun als Assistentin eines ukrainischen Parlamentariers arbeitet.

Was die Russen mit Mariupol angestellt haben, beraube zudem den russischen Botschafter automatisch des Rechts, dazu etwas zu sagen, betonte Semenjaka. Sie verwies dabei auf die maßgebliche Rolle, die Asow knapp drei Monate lang bei der ukrainischen Verteidigung von Mariupol sowie des Asow-Stahlwerks gespielt hatten.

Ungewöhnliche Schreibweise sorgt für Verwirrung

Fragen, ob tatsächlich Anhänger von Asow hinter dem Graffiti am Schwarzenbergplatz stehen, wirft zudem die ungewöhnliche Schreibweise von "A$OV" auf: Durch das Dollarzeichen wirkt dies eher wie Kritik an einer westlichen Finanzierung der ukrainischen Einheit und weniger wie die Bekundung von Unterstützung.

Quelle: Agenturen / ddj