APA - Austria Presse Agentur

Forscher fordern europäische Corona-Strategie für Herbst

11. Aug 2021 · Lesedauer 2 min

Forscher fordern eine europaweit abgestimmte Niedriginzidenzstrategie. Sonst müsse mit mehreren hundert neuen Fällen pro Million Einwohner täglich im Herbst gerechnet werden.

Im Fachmagazin "The Lancet" appellieren nahmhafte Forscher an die EU-Staaten sich im Kampf gegen die Corona-Pandemie miteinander abzustimmen. Die Länder sollten "aufhören, so zu tun, als könnten sie die Pandemie alleine bekämpfen", heißt es in dem Artikel.

Alleingänge der Staaten führe zu einer Art "Ping Pong"-Effekt zwischen den Staaten. "Die Maßnahmen sind dadurch weniger nachhaltig", was insbesondere im Hinblick auf den Herbst zu einem Problem werden könnte, warnt der Epidemiologe Peter Willeit von der Medizinischen Universität Innsbruck, der an der Verfassung des Positionspapiers beteiligt gewesen ist, im PULS 24 Interview.

Der Epidemiologe Peter Willeit von der MedUni Innsbruck tritt im PULS 24 Interview für ein gemeinsames Vorgehen aller EU-Staaten im Kampf gegen das Coronavirus ein.

Die infektiösere Delta-Variante führe dazu, dass "Europa eine kohärente und effektive Strategie" brauche, bevor die Schulen wieder im Vollbetrieb sind und der bei Coronaviren bekannte Effekt der beschleunigten Ausbreitung bei kühleren Temperaturen (Saisonalität) zum Tragen kommt, schreiben die Wissenschafter.

Forderung einer Niedriginzidenzstrategie

Hinter einer möglichen Hochinzidenzstrategie steht die Hoffnung, dass man sich bei weiter weinigen Kontakteinschränkungen und Restriktionen quasi relativ viele Infektionen leisten kann, nachdem eine bestimmte Anzahl an Personen bereits die Erkrankung durchgemacht hat oder schon geimpft ist. Dadurch werden vor allem schwere Verläufe seltener und dem Gesundheitssystem droht trotz mitunter hoher Zahlen nicht so rasch die Überlastung.

Dem gegenüber steht die Niedriginzidenzstrategie, in der Öffnungsschritte an den Impffortschritt angepasst werden, um die Neuinfektionsraten möglichst niedrig zu halten. Durch Testen und das Kontaktnachverfolgungssystem (TTI) würde dann die Situation weitgehend kontrolliert. Bei Impfraten wie momentan blieben die Neuinfektionszahlen so deutlich unter einhundert pro Tag, berechneten die Forscher. Verfolgen nun Länder erstere Strategie, erhöhen sie damit das Risiko auch für Niedriginzidenz-Länder.

Die Vorteile niedriger Zahlen hat die Forschergruppe auch schon in früheren Publikation mehrfach hervorgestrichen: Sie umfassen u.a. eine niedrigere Sterberate und weniger Long-Covid-Fälle, die bessere Vermeidung der Entstehung neuer bedenklicher Varianten, ein funktionierendes TTI-System, weniger Menschen in Quarantäne und Einschränkungen der Wirtschaft dadurch sowie offene Schulen und Kindergärten über die kalte Jahreszeit. Im Gegensatz dazu bergen höhere Inzidenzen immer noch die Gefahr, dass Intensivstationen überlastet und dass Freiheiten erneut reduziert werden, heißt es in dem Papier.

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb