Raketen auf Flughafen Kabul - Macron für UNO-Schutzzone

29. Aug 2021 · Lesedauer 4 min

In der Nacht hat es einen Raketenangriff auf den Kabuler Flughafen gegeben. Über mögliche Opfer oder Schäden gab es zunächst keine Informationen. Der Flughafen verfügt über ein Raketenabwehrsystem. Frankreich und Großbritannien plädieren für eine UN-Sicherheitszone.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es einem Medienbericht zufolge einen Raketenangriff gegeben. Am Montagmorgen (Ortszeit) seien aus dem Norden der Stadt mehrere Raketen in Richtung Flughafen abgefeuert worden, schrieb der lokale Fernsehsender ToloNews mit Berufung auf Augenzeugen auf Twitter. Der Fernsehsender CNN berichtete und Berufung auf US-Regierungsmitarbeiter, dass mindestens fünf Raketen in Richtung Flughafen abgefeuert worden seien.

US-Präsident Joe Biden hatte am Sonntag vor möglichen weiteren Anschlagen rund um den Flughafen Kabul gewarnt. Erst am Donnerstag waren bei einem Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Flughafen Kabul mindestens 13 US-Soldaten - und -Soldatinnen sowie zwei Briten ums Leben gekommen. Die Angaben über die afghanischen Todesopfer schwanken, Sender wie CNN sprachen von bis zu 200 Toten.

Zivile Opfer bei Luftangriff?

Das US-Militär untersucht nach dem Luftangriff auf ein Auto der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Kabul zudem Berichte über mögliche zivile Opfer. Der Einsatz habe erfolgreich eine "unmittelbare Bedrohung" für den Flughafen Kabul durch die Terroristen abgewendet, darüber hinaus würden die Ergebnisse des Luftschlags noch geprüft, hieß es am Sonntagabend (Ortszeit) in einer Stellungnahme der US-Kommandozentrale für die Region (Centcom).

In dem zerstörten Fahrzeug habe sich "eine große Menge Sprengstoff" befunden, "die womöglich zu weiteren Opfern führte", hieß es. "Es ist nicht klar, was passiert sein könnte und wir untersuchen das weiterhin. Wir wären sehr traurig über den möglichen Tod Unschuldiger", so die Stellungnahme des Militärs. Der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf Angehörige in Kabul, dass bei dem Luftangriff neun Mitglieder einer Familie getötet worden seien, darunter sechs Kinder.

Der IS hat bereits in der Vergangenheit immer wieder verschiedene Ziele in Kabul mit Raketen angegriffen. Die militärische Evakuierungsmission vom Flughafen Kabul geht indes unter extrem gefährlichen Bedingungen in ihre Endphase. Gleichzeitig laufen internationale Bemühungen weiter, auch nach dem bis Dienstag geplanten vollständigen Abzug der US-Streitkräfte Menschen eine sichere Ausreise aus Afghanistan ermöglichen zu können. In Kabul spitzt sich unterdessen auch der Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu.

Frankreich und Großbritannien für UN-Sicherheitszone

Frankreich und Großbritannien wollen sich am Montag bei den Vereinten Nationen für die Schaffung einer "sicheren Zone" in der afghanischen Hauptstadt Kabul einsetzen, um humanitäre Einsätze fortsetzen zu können. Das kündigte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einem Interview mit der Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" an. Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats - Frankreich, Großbritannien, die USA, Russland und China - beraten am Montag über Afghanistan.

London und Paris arbeiten laut Macron an einem Resolutionsentwurf, der darauf abziele, eine geschützte Zone "unter Kontrolle der UNO in Kabul zu definieren". Dies könne einen UN-Rahmen für Notfälle schaffen, Zuständigkeiten klären und "es der internationalen Gemeinschaft erlauben, Druck auf die Taliban aufrechtzuerhalten", sagte Macron.

Evakuierungsmission neigt sich dem Ende zu

Die internationale Evakuierungsmission, die nach der Machtübernahme der Taliban Mitte August eingeleitet wurde, um Ausländer und gefährdete Afghanen auszufliegen, geht zu Ende. Frankreich beendete seine Evakuierungsflüge am Freitag, Großbritannien am Samstag. Nach Angaben der USA haben mehr als 112.000 Menschen über die von den USA koordinierte Luftbrücke verlassen.

Die Taliban haben am Sonntag die geordnete Ausreise für ausländische Staatsbürger und afghanische Ortskräfte auch nach dem 31. August zugesichert.

Quelle: Agenturen / Redaktion / hos