Polizist und Verdächtiger nach Angriff am US-Kapitol tot

03. Apr 2021 · Lesedauer 3 min

Ein Angreifer am US-Kapitol in Washington hat einen Polizisten getötet und einen weiteren Beamten verletzt. Der Mann rammte mit seinem Auto eine Absperrung vor dem Kapitol. Der Fahrer wurde erschossen, nachdem er mit einem Messer aus dem Wagen stieg.

Drei Monate nach dem tödlichen Sturm auf das Kapitol hat es am Sitz des US-Kongresses erneut einen schweren Zwischenfall gegeben: Zwei Polizisten seien am Freitag in der Nähe des Gebäudes von einem Auto angefahren worden. Einer der Beamten starb dabei. Der Fahrer des Wagens wurde von Polizisten getötet. Ermittler sahen keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. US-Präsident Joe Biden zeigte sich "erschüttert".

PKW rammte Barriere

Der Autofahrer durchbrach den Angaben zufolge eine Sicherheitsabsperrung und rammte in eine Barriere. Die dabei verletzten Beamten wurden ins Krankenhaus gebracht. "Einer unserer Kollegen ist seinen Verletzungen erlegen", sagte die Chefin der Kapitol-Polizei, Yogananda Pittman, bei einer Pressekonferenz.

Fahrer stieg mit Messer aus: Erschossen

Sie bestätigte zudem Medienberichte, dass der Fahrer des Autos getötet wurde. Dieser habe mit seinem Auto erst die beiden Polizisten verletzt und sei dann mit einem Messer bewaffnet ausgestiegen - und von der Polizei erschossen worden.

Über die Identität oder das mögliche Motiv des Täters machte Pittman keine Angaben. Sie sagte lediglich, dass er bisher nicht polizeilich aufgefallen sei. Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Täter um einen 25-jährigen Afroamerikaner aus dem Bundesstaat Indiana.

Täter mit psychischen Problemen

Die jüngsten Beiträge des Mannes in den Onlinenetzwerken deuteten auf psychische und körperliche Probleme hin. Er habe "unvorstellbare Tests" hinter sich und sei nun auf der Suche nach einer "spirituellen Reise", schrieb der nach eigenen Angaben arbeitslose Mann im März. Er sei von der Bundespolizei FBI und dem Geheimdienst CIA schikaniert und in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Die US-Regierung bezeichnete er als den "größten Feind der Schwarzen".

Auf seiner Facebook-Seite äußerte der 25-Jährige auch Sympathien für den Chef der muslimischen Schwarzen-Bewegung Nation of Islam, Louis Farrakhan, dem vorgeworfen wird, antisemitische Ansichten und die Überlegenheit der Schwarzen zu propagieren.

Kein terroristischer Hintergrund vermutet

Nach Angaben des Washingtoner Polizeichefs Robert Contee gingen die Ermittler nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. "Es sieht nicht so aus, als stehe es in Zusammenhang mit Terrorismus, aber wir müssen die Sache natürlich erst noch genau untersuchen."

Präsident Biden "erschüttert"

US-Präsident Joe Biden, der das Osterwochenende auf seinem Landsitz Camp David verbringt, äußerte sich in einer Erklärung "erschüttert" über den Vorfall und ordnete an, die Fahnen an Bundesgebäuden auf Halbmast zu setzen. Die demokratische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, bezeichnete den getöteten Polizisten als "Märtyrer für unsere Demokratie".

Kapitol abgeriegelt

Das Kapitol wurde nach dem Angriff auf die Polizisten umgehend komplett abgeriegelt. Alle Kongressmitglieder und -mitarbeiter, von denen die meisten ebenfalls bereits in den Osterferien waren, erhielten kurz nach 13.00 Uhr Ortszeit (19.00 Uhr MESZ) eine Alarm-Nachricht. Darin wurde erklärt, dass das Gebäude vorerst weder betreten noch verlassen werden könne. Menschen im Gebäude sollten nicht ans Fenster gehen. "Wenn Sie draußen sind, suchen Sie Schutz." Später wurde der Alarm wieder aufgehoben.

Rings um den Sitz des US-Kongresses gelten seit dem Sturm auf das Kapitol am 6. Jänner ohnehin verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Damals griffen radikale Anhänger des früheren US-Präsidenten Donald Trump das Kongressgebäude an. Im Zuge der Ausschreitungen in der US-Hauptstadt kamen insgesamt fünf Menschen zu Tode.

Gegen Trump wurde ein Amtsenthebungsverfahren wegen "Anstiftung zum Aufruhr" eingeleitet, das jedoch im US-Senat scheiterte. Zudem wurden inzwischen bereits mehr als 300 Menschen angeklagt, die an dem Angriff beteiligt gewesen sein sollen.

Quelle: Redaktion / pea