Hofer: "Könnte bald sein, dass auch den Immunisierten das Geimpfte aufgeht"

11. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Politikberater Thomas Hofer geht im PULS 24 Interview hart mit der Corona-Politik der Bundesregierung und der Länder ins Gericht. Es seien Dinge versprochen worden, die nicht gehalten werden können.

"Es könnte bald so sein, dass auch den Immunisierte das Geimpfte aufgeht", sagt Politikberater Thomas Hofer. Denn ein Lockdown nur für Ungeimpfte sei schwer zu kontrollieren. Wenn auch ein Lockdown für Geimpfte notwendig wird, könnten auch die Immunisierten auf die Barrikaden gehen. Allgemein sehe man aber, dass sich das Chaos der vergangenen Wochen, "das an Fahrlässigkeit grenzt", fortsetzt.

Schuld an der derzeitigen Entwicklung - die Infektionszahlen steigen, die Spitäler sind ausgelastet - sei das Zögern der Politik, aber auch Kommunikationsfehler. Der ehemalige Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) habe davon gesprochen, dass die Pandemie für Geimpfte vorbei sei und die Pandemie zur Privatsache erklärt. Das sei das Problem der Politik: Es werden Sachen versprochen, die nicht gehalten werden können, so Hofer. Es sei lange klar, dass die Impfung Infektionen und Übertragungen unwahrscheinlicher mache, aber nicht ausschließe.

Unwahrheit "sollte man Politik nicht durchgehen lassen"

Lange absehbar sei auch die derzeitige Entwicklung gewesen: Schon im Juni seien der Bundesregierung Prognosen vorgelegen, die die Intensivauslastung im November vorhergesagt hätten. Dass sich die Bundesregierung jetzt hinstellt und sagt, dass man es nicht ahnen hätte können, sollte man "der Politik nicht durchgehen lassen", sagt der Politikberater. 

Das Corona-Versagen: Politik mit Krise überfordert?

Wenn es tatsächlich zu Triagen kommen sollte, dann werde es "Ramba Zamba" spielen, man werde die Frage stellen müssen, wer dafür verantwortlich sei. Dabei werde es auch um Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) gehen, der eigentlich angekündigt hatte, durchgreifen zu wollen, wenn es notwendig wird.

Positiv anzumerken sei laut Hofer aber, dass nun zumindest Oberösterreich eingelenkt hat, nachdem Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) noch am Mittwoch gesagt hätte, man habe genug Intensivbetten. Ob das rechtszeitig komme, sei eine andere Frage, so Hofer. 

"Eigenartig" sei das Verhalten von Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP), der statt eines Lockdowns auf 2G und Maskenpflicht setzen will. Haslauer hatte am Mittwoch Virologen kritisiert, weil diese Menschen einsperren wollen würden. "Diese Form des Zynismus ist aus meiner Sicht nicht angebracht", sagt Hofer. 

Er könne sich vorstellen, dass Haslauer ein Signal in Richtung Tourismus und Wirtschaft senden will. Doch wenn die Pandemie in die Saison des Wintertourismus verschleppt werde, würde diesen Branchen das auch nichts bringen, so Hofer.

"ÖVP hat keinen zweiten Sebastian Kurz"

Jedenfalls würde die Unzufriedenheit mit der Pandemie-Bewältigung viele Menschen hinterlassen, die nicht mehr wissen, wen sie wählen sollen, prognostiziert Hofer. Das würde ein Spielfeld für neue Parteien öffnen, die alten Parteien bräuchten neue Kandidaten. Zumindest die ÖVP scheint so einen momentan nicht zu haben, sagt der Politikberater - es sei Absicht von Kurz gewesen, keine eigenständigen Persönlichkeiten neben ihm zu haben. "Die ÖVP hat keinen zweiten Sebastian Kurz", so Hofer.

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Quelle: Redaktion / koa