Hacker zum Corona-Datenchaos: Tappen bei Tausenden Fällen im Dunklen

24. Jan. 2022 · Lesedauer 4 min

Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) zweifelt im Newsroom LIVE an der Genauigkeit der momentan veröffentlichten Neuinfektions-Zahlen und erklärt, warum das Ausbleiben der Werte "unerträglich" sei. Die kommenden drei Wochen seien bei der Omikron-Welle die kritische Phase.

"Die nächsten drei Wochen sind die wirklich kritische Phase. Es wird eng werden", ist sich der Gesundheitsstadtrat im PULS 24 Interview mit Sabine Loho sicher. Große Ausfälle in Firmen sehe man schon, die Krankenstände seien nicht so viele, wie man befürchtet hätte, aber "wir sind noch nicht am Höhepunkt", gibt Hacker zu bedenken.

Corona: Österreich versinkt im Zahlen-Chaos

Er kritisierte in einem Brief an Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) das "erhebliche Sicherheitsrisiko" durch das Daten-Chaos. Corona-Neuinfektionsfälle wurden vergangene Woche mehrere Tage lang nicht übermittelt. Man sei deshalb weit entfernt von "eh alles in Ordnung", so Hacker.

Mückstein antwortete am Montagabend dem "lieben Peter" und "geschätzten Stadtrat", dass die Probleme mit der schieren Menge an Fällen zusammenhingen. Die verantwortlichen Bereiche in seinem Ressort arbeiteten seit Tagen mit Hochdruck daran, auch die akut auftretende Herausforderung so schnell es geht zu bewältigen, ohne dass die Datenqualität Schaden nehme. Ausführlich erklärt der Minister, wie aufwendig die Datengewinnung sei, da man teilweise auch händisch vorgehen müsse, was sehr ressourcenintensiv sei. 

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Bei Tausenden Fällen "im Dunklen"

Hacker betont im PULS 24, dass die Datenprobleme dennoch problematisch seien: In Wien würden sich täglich 250.000 bis 260.000 Einpendler:innen testen. Viele der positiven Test-Ergebnisse würden auf sie entfallen und sie müssten dann von den für sie zuständigen Gesundheitsbehörden informiert werden. Diese Informationen fehlen, wenn die Zahlen des EMS nicht kommen. Bei mehreren Tausend Fällen würde man "im Dunklen tappen". Es sei "unerträglich". Dazu komme, dass man die Covid-Maßnahmen anhand der Zahlen bestimme.

In Wien könne man 80 bis 85 Prozent der positiven Fälle beim Contact Tracing ordnungsgemäß bearbeiten, da die großen Vertragslabore auch ans System der Stadt angeschlossen seien. Allein am Wochenende hätte man 18.000 vollautomatisierte Bescheide verschicken können. Aber für die Menschen, die in eine Apotheke gehen, die mit keinem Vertragslabor zusammenarbeitet, "für die gibt’s die Meldung 'nur' an das EMS." Diese Informationen würde die Gesundheitsbehörde aktuell nicht bekommen.

Contact Tracing: Qualität jetzt schlechter

Hacker spricht sich klar dagegen aus, das Contact Tracing einzustellen. "Wir schaffen es", so der Gesundheitsstadtrat, gibt aber zu, dass bei der schieren Menge der aktuellen Fälle die Telefonate nicht in der gleichen Qualität möglich seien, wie im vergangenen Herbst.

Februar: Zahlen werden genauso schnell fallen, wie steigen

Am Montag wurden wieder aktuelle Zahlen eingemeldet. Hacker zweifelt "am aktuellen Wert" dieser Zahl. Noch steigen die Zahlen, man rechne jedoch damit, dass "nächste, spätestens übernächste Woche" der Gipfel der Omikron-Welle erreicht sei. Bis dahin sei noch zu früh für eine "frohe Botschaft", denn mit einem Anstieg in den Spitälern rechne man in der ersten Februarhälfte. "Wir wissen jetzt schon, dass im Februar der Abfall (der Neuinfektionen, Anm.) wohl in der gleichen Geschwindigkeit stattfinden wird, wie jetzt der Anstieg."

"Zu früh" für Lockerungen

Er verstehe, dass Handelsobmann Rainer Trefelik deshalb fordert, die 2G-Kontrollen abzuschaffen, "aber es ist zu früh". Das gelte auch für die Sperrstunde um 22 Uhr. Erst wenn man die Wucht, mit der die Welle in Spitälern einschlägt, sehen würde, sei es Zeit, über Lockerungen zu sprechen.

Angepasster Impfstoff zur Jahresmitte

Hacker rechnet damit, dass der auf Omikron angepasste Impfstoff "nicht lange vor der Mitte des heurigen Jahres" in Wien erhältlich sein wird. Für die Omikron-Welle werde er also zu spät kommen, es sei aber klar, dass dann die nächste Variante komme. Das sei in der Natur des Virus, sich anzupassen. Man kenne das von der Grippe. Auch da gebe es jedes Jahr einen neuen Impfstoff.

Nur mehr Tests, nicht mehr Fälle bei Kindern

Bei 7- bis 14-Jährigen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz aktuell bei 5.620. Bei der Betrachtung dieser Zahlen müsse "man die Kirche im Dorf lassen". Man habe sich "mit allen Nebenwirkungen" entschieden, alle Schüler PCR- zu testen. Dadurch habe man ein sehr genaues Bild, wie das Infektionsgeschehen aussehe. Die Schulzahlen seien ein guter Indikator für die Frage "was passiert wirklich". Nur weil so viel getestet werde, heiße das nicht, dass die Kinder "mehr Covid-Träger sind als der Rest der Bevölkerung".

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam