Hacker kritisiert Reich: Spitäler "nicht ihre Kompetenz, nicht ihr Können"

26. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) übt im PULS 24 Interview scharfe Kritik an Chief Medical Officer und GECKO-Co-Leiterin Katharina Reich. Er sei "ein bisserl erstaunt" über ihre Entwicklung.

"Ich bin ein bisserl erstaunt über die Entwicklung der Frau Reich", sagt Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) im PULS 24 Interview. Am Dienstag präsentierte Katharina Reich gemeinsam mit Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) und Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) das Aus der Quarantäne für Infizierte. 

Man müsse einen "Step down" vom Krisen- zum Akzeptanz-Modus machen, sagte Reich bei der Pressekonferenz. Die weitreichenden Maßnahmen-Lockerungen argumentierte sie unter anderem damit, dass nur 50 Prozent der Hospitalisierten mit Corona tatsächlich wegen Covid im Krankenhaus seien. 

Reich habe "alles vergessen"

Für diese Argumentation hat Hacker kein Verständnis: "Sie will uns jetzt erklären, wie Spital funktioniert", zeigt sich Hacker erstaunt. "Sie ist ja nicht Chief Medical als Spitalschefin", kritisiert der Sozialdemokrat: "In Wirklichkeit lachen da meine ganzen Verantwortlichen in den Spitälern". 

Reich, die selber ärztliche Direktorin eines Ordensspitals in Wien und später stellvertretende ärztliche Direktorin an der Klinik Hietzing war, habe laut Hacker "alles vergessen, was sie dort gemacht und verantwortet hat". Man könne Pflegebedürftige, wenn sie infiziert seien, nicht vom Spital nach Hause oder ins Pflegeheim schicken, kritisiert Hacker. Das Spitalswesen sei nicht Reichs "Kompetenz, nicht ihr Können". 

Grundsätzlich hält Hacker das Vorgehen der Regierung für eine "wirklich falsche Strategie". Im Mai habe die Regierung die Maskenpflicht "viel zu früh" aufgehoben - deshalb seien die Zahlen nun so hoch. "Wir steigen ständig und sagen, es ist uns wurscht", so der SPÖ-Politiker. Selbst die Experten des Bundes würden ohne Maßnahmen im Herbst mit 60.000 bis 80.000 Neuinfektionen rechnen, so Hacker. Die WHO würde schärfere Maßnahmen empfehlen.

Hacker warnt vor Déjà-vu im Herbst

Im Herbst werde man ein Déjà-vu haben - sogar Lockdowns seien wieder möglich, warnt Hacker. Die Lernkurve der Regierung sei aber "im Endeffekt null". Die Regierung verbreite nun eine "interessante Propaganda", in der "Frau Chief Medical Officerin mittendrin" sei. Hacker kritisiert die Eigenverantwortung, auf die der Bund nun setzen will und spricht davon, dass die Bevölkerung mit der Pandemie alleingelassen werden würde. Er höre aber gar nicht mehr wirklich zu.

Dass auch in Großbritannien oder Spanien die Quarantäne-Pflichten aufgehoben wurden und die Zahlen kaum anstiegen, ist für Hacker kein Argument. Man müsse die Zahlen hinterfragen. Außerdem sei er "nicht bereit zu diskutieren", wie vorbildlich die Gesundheitssysteme von Großbritannien oder Spanien seien. Deutschland sei eher eine Benchmark und dort habe der Gesundheitsminister ein Quarantäne-Ende als "wissenschaftswidrige Idee" bezeichnet - und das sieht auch Hacker so.

Quelle: Redaktion / koa