Ronzheimer aus Kiew: Putin versucht alles, "um die Menschen hier zu terrorisieren"

14. März 2022 · Lesedauer 2 min

"Bild"-Journalist Paul Ronzheimer berichtet von Bombenangriffen und zunehmender Brutalität in Kiew. Er berichtet über den verstorbenen US-Journalisten, den er noch kurz vor den tödlichen Schüssen sah und über die Friedensgespräche, bei welchen es sich nur um Scheinverhandlungen handeln könnte.

Kiew wird "langsam zu einer Festung", die Angriffe heftiger, berichtet Paul Ronzheimer, stellvertretender Chefredakteur der "Bild", aus der ukrainischen Hauptstadt. Am Montagmorgen sei nach einem Angriff unter anderem ein Hochhaus in Flammen gestanden, mindestens zwei Menschen seien dabei ums Leben gekommen. Ronzheimer rechnet damit, dass die Angriffe in den kommenden Tagen noch viel heftiger werden.

Tödlich Schüsse auf Journalisten

Über seine eigene Lage denke er nicht viel nach. Als am Sonntag ein Journalist starb, sei er im gleichen Ort gewesen und unter einer Brücke gewesen, während die Schüsse fielen. Der Reporter hatte sich weiter vorgewagt, Stunden später habe Ronzheimer dann die Leiche des Journalisten gesehen, von dem man anfangs noch gehofft habe, dass er überlebt hätte.

Das eingekesselte Mariupol kann wegen des russischen Beschusses weiterhin nicht humanitär versorgt werden. 

Es gehe aber nicht um die Reporter, sondern um den täglichen Terror, der den Ukrainern widerfahre. "Wir sehen, wie Putin alles versucht, um die Menschen hier zu terrorisieren", beschreibt der Journalist. "Wenn wir nicht mehr da wären, würde die Welt nicht wissen, was passiert."

"Ich glaube nicht, dass den Ukrainern bereits die Kraft ausgeht". Sie seien mit westlichen Waffen ausgestattet, bräuchten aber Raketen- und Flugabwehr. Der Widerstand werde aber schwieriger. Russland soll syrische Kämpfer schicken, "die für besondere Brutalität bekannt sind" und auch tschetschenische Truppen seien in der Nähe gewesen.

Friedensgespräche nur Scheinverhandlungen?

Einerseits tue Putin so, als wolle er verhandeln, gleichzeitig werde der Kampf aber blutiger. Putin sei militärisch nicht so schnell vorangekommen wie erwartet, aber er könne nicht einfach umdrehen. Russland versuche also weiter Gebiet zu gewinnen und den Druck zu erhöhen. Pessimisten gehen von Scheinverhandlungen aus und dass Putin plane, bis in den Kiewer Präsidentenpalast vorzustoßen.

Nur wenn sich Putins engster Kreis von ihm lösen würde, nimmt Ronzheimer an, würde der Druck auf den russischen Diktator ausreichend zunehmen. "Die haben wahrscheinlich selbst große Angst, dass das Konsequenzen bringen könnte."

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam