Scherba: "Westen muss agieren, als wäre er im Krieg"

27. Juni 2022 · Lesedauer 2 min

Der ehemalige ukrainische Botschafter in Wien, Olexander Scherba, berichtet im Gespräch mit PULS 24 Anchor René Ach über die neuerlichen Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt. Im Westen müsse man sich endlich überlegen, "wie man den Zufluss der Öl- und Gasgelder stoppt".

Die neuerlichen Angriffe auf Kiew seien für den ehemaligen ukrainischen Botschafter in Wien, Olexander Scherba, wenig überraschend. "Ich hatte nie Illusionen, dass Putin die Idee, die ganze Ukraine zu erobern, aufgegeben hat." Die Bombardements seien ein "Zeichen" Russlands an Kiew zu werten, "dass der Krieg noch nicht vorbei ist".

Sie lassen aber auch Scherba nicht unberührt: Er frage sich, "wessen Leben jetzt zerstört und wessen Familie jetzt ohne Haus ist. Wie viele Opfer es noch braucht, um mehr Waffen zu bekommen". Putin habe die Wahl "uns zu zerstören oder sich zurückzuziehen. Er zieht es vor uns zu töten."

"Weg nach vorne" einzige Möglichkeit

Die Stimmung in Kiew sei laut Scherba aber "friedlich, das Gefühl ist leichter als damals", als sei der Krieg bereits vorbei. Doch dem sei defacto nicht so: "Für uns gibt es nur den Weg nach vorne, uns zu verteidigen. Die Territorien aufzugeben würde bedeuten, hunderttausende Leute aufzugeben, einen Genozid, eine Ausrottung unserer Sprache und Kultur." Es werde gekämpft so lange wie nötig.

"Russland schwimmt dank dem Westen im Geld"

Vom G7-Gipfel erwartet sich Scherba, dass "man im Westen endlich begreift, dass das nicht ein Krieg gegen die Ukraine ist. Das ist ein Krieg gegen den Westen. Führende Staaten des Westens müssten so agieren, als wären sie angegriffen." Waffen müssten schneller in die Ukraine geschickt werden.

Außerdem müsse man sich überlegen, wie man den "Zufluss der Öl- und Gasgelder" an Russland stoppt. Denn "Russland schwimmt dank dem Westen im Geld (...) und kann den Krieg ungehindert führen."

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp