APA - Austria Presse Agentur

ÖVP und FPÖ liefern sich Schlagabtausch zum Thema Asyl

21. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Neues Parlamentsjahr, altes Thema: Bei der "Aktuellen Stunde" des Nationalrats zum Asylwesen dominierte der Streit der ehemaligen Koalitionspartner ÖVP und FPÖ, wer jetzt noch restriktiver in der Flüchtlingspolitik sei.

Den Auftakt machte FP-Klubchef Herbert Kickl, der vom "katastrophalen Versagen" der Regierung in der Corona-Politik flott auf das "Versagen" der Koalition in der Asyl-Politik umschwenkte. Während die Österreicher während der Pandemie eingesperrt worden seien, habe an den Grenzen 365 Tage im Jahr die Devise "reinspaziert" geheißen.

30.000 Illegale würden heuer erwartet. Alles werde immer noch schlimmer, prophezeite Kickl. Sein Klubkollege Hannes Amesbauer sah neue Asylheime "wie Schwammerl aus dem Boden schießen". Kickl meinte, Frauen würden sich jetzt noch mehr vor Belästigungen, Vergewaltigungen und Mord fürchten müssen.

Nehammer wirft Kickl Versagen als Ex-Innenminister vor

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) gab sich empört und unterstellte der FPÖ gleich einmal "Doppelmoral" in Bezug auf einen Medienbericht, wonach sich etliche freiheitliche Spitzenfunktionäre impfen haben lassen. In der Flüchtlingspolitik attestierte er seinem Vorgänger Kickl, als einzige Aktion ein Schild in Traiskirchen umgemalt zu haben.

Allerdings gab sich der Minister in der Sache betont hart und geißelte die EU-Kommission, falsche Signale mit einer Vermischung aus Migration und Asyl auszusenden. Die Flüchtlingspolitik der Union sei gescheitert. Es brauche neue Allianzen für ein Umdenken und nicht wie die FPÖ Drohgebärden, die man gar nicht umsetzen könne.

Krisper: Auch Nehammers Ideen nicht umsetzbar 

Freilich ist NEOS-Mandatarin Stephanie Krisper überzeugt, dass auch Parolen der ÖVP vom Kanzler abwärts nicht umsetzbar seien. Denn Österreich werde Asylwerber aufnehmen müssen, wenn diese von Afghanistan kommend ein entsprechendes Ansuchen stellen. Auch könne man nicht nach Afghanistan abschieben. Das Gegenteil zu behaupten sei Betrug an der Bevölkerung.

Grünen-Mandatar Georg Bürstmayr betonte, Aufgabe der Parlamentarier sei, nicht wie die FPÖ an Emotionen zu drehen, sondern besonnen nach guten Lösungen für die Gesellschaft zu suchen. Wer wie die Freiheitlichen nur den Hammer als Werkzeug kenne, den würde er nicht an ein Auto heranlassen - "und an den Rechtsstaat schon gar nicht".

SPÖ-Sicherheitssprecher Reinhold Einwallner stieß sich ebenfalls daran, dass keine Problembewältigung versucht werde, sondern die Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Dabei sei Asyl keine Sicherheitsfrage, sondern eine Frage der Menschlichkeit und auch der Nächstenliebe. Handlungsbedarf gebe es aber dennoch, etwa in Sachen Integration, beim Abschluss von Rücknahme-Abkommen oder bezüglich rascherer Verfahren.

Quelle: Agenturen