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ÖVP offen für Änderung bei "Mittlerem Management" an Schulen

Heute, 04:14 · Lesedauer 3 min

Die Lehrer fordern beim "Mittleren Management", das ab Herbst die Direktionen entlasten soll, weiter Verbesserungen für kleine Schulen. Das Modell, das NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr nach langen koalitionsinternen Verhandlungen Mitte Februar vorgestellt hat, sieht Zusatzstunden für Managementaufgaben auch an Pflichtschulen vor. An AHS und BMHS soll das System flexibler werden. Nach Gewerkschaftskritik in der Begutachtung zeigt sich die ÖVP offen für Änderungen.

Eigentlich wurde der Gesetzesentwurf des Bildungsressorts schon am Donnerstag von Koalitionsparteien und Grünen im Verfassungsausschuss durchgewunken. ÖVP-Bildungssprecher Nico Marchetti hat bis zur Nationalratssitzung Ende März allerdings noch Adaptierungen in Aussicht gestellt. "Auf Basis der Rückmeldung der Ausschussbegutachtung wird ein Abänderungsantrag verhandelt, der im Plenum eingebracht werden soll", hieß es gegenüber der APA. Mit den Koalitionspartnern von SPÖ und NEOS gibt es dazu noch keine Einigung, im Ministerium kann man sich auf APA-Anfrage lediglich redaktionelle Anpassungen vorstellen.

Die Lehrervertreter in der Fraktion Christlicher Gewerkschafter haben in ihren Stellungnahmen bei der Ausschussbegutachtung hingegen erneut das gesamte Berechnungsmodell für die Zusatzstunden in Frage gestellt, durch die Lehrkräfte die Schulleitung etwa bei Elternarbeit, der Organisation von Schulveranstaltungen oder der Verbesserung der Schulqualität unterstützen und entlasten sollen. Sowohl die Pflichtschullehrer- als auch die AHS-Lehrergewerkschaft verlangen in den der APA vorliegenden Stellungnahmen mehr Ressourcen auch für kleinere Schulen.

Die geplante Verteilungslogik sei "tendenziell und willkürlich", kritisierte der oberste Pflichtschullehrergewerkschafter Paul Kimberger. Im Regierungsprogramm seien mehr Ressourcen für mittelgroße und große Schulen angekündigt worden. Während aus seiner Sicht eine Pflichtschule bereits ab sieben oder acht Klassen als mittelgroß zu zählen wäre, solle es die entsprechenden Mittel aber erst ab 15 Klassen geben. Damit würden über 40 Prozent der Mittel an nur ein Zehntel der Standorte gehen, so Kimberger verärgert.

Pädagogische Unterstützung für Schulleitungen

Außerdem sei die geplante Organisation zu kompliziert, durch die zeitliche Überschneidung des neuen "Mittleren Managements" mit dem gerade erst eingeführten System der "pädagogisch-administrativen Fachkräfte" fehle Planungssicherheit. Kimberger warnt darüber hinaus davor, dass Ressourcen für die "pädagogisch-administrativen Fachkräfte" umgeschichtet werden könnten, um das von Wiederkehr angekündigte neue System zu finanzieren.

Die AHS-Gewerkschaft fordert ebenfalls mehr Administrativkräfte auch für kleine Gymnasien. Bei den Wiener AHS-Direktorinnen und -Direktoren ist man mit den Änderungen, durch die die Gymnasien zusätzliche Ressourcen bekommen und die Administratorenstunden flexibler auf mehrere Personen aufteilen können sollen, zwar grundsätzlich recht zufrieden, so deren Sprecher Bernd Vogel zur APA. Es fehle aber immer noch Unterstützung der Schulleitungen in pädagogischen Fragen.

Es kämen immer mehr Aufgaben für die Schulen dazu, etwa das Kopftuchverbot, Perspektivengespräche oder Suspendierungsbegleitung. Gleichzeitig seien die Schulen mit einer zunehmenden Zahl psychisch kranker Jugendlicher konfrontiert. "Es bräuchte eine zweite Person, die solche schwierige Gespräche führen kann." Auch die Mitarbeiterführung sei ein Thema. Wenn ein Direktor 100 Lehrerinnen und Lehrer führen soll, "geht das qualitativ nicht gut".

Das "Mittlere Management" soll ab Herbst zunächst an Pflichtschulen mit mindestens 15 Klassen eingeführt werden, ab dem Schuljahr 2027/28 auch an den übrigen Schulen. An den AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) sollen vor allem sehr kleine und sehr große Schulen mehr Ressourcen für die Administration bekommen, die Aufgaben sollen dabei auch auf mehrere Lehrkräfte aufgeteilt werden können. Ab 2027 erwartet das Ministerium durch das "Mittlere Management" jährliche Mehrkosten von rund 19,7 Mio. Euro, davon 1,28 Mio. für AHS und BMHS.

Zusammenfassung
  • Die Lehrer fordern beim "Mittleren Management", das ab Herbst die Direktionen entlasten soll, weiter Verbesserungen für kleine Schulen. Das Modell, das NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr nach langen koalitionsinternen Verhandlungen Mitte Februar vorgestellt hat, sieht Zusatzstunden für Managementaufgaben auch an Pflichtschulen vor. An AHS und BMHS soll das System flexibler werden. Nach Gewerkschaftskritik in der Begutachtung zeigt sich die ÖVP offen für Änderungen.