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Nachfolge-Suche nach Rücktritten bei Grazer FPÖ

02. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

Bei der Grazer FPÖ, wo am Wochenende sowohl Noch-Vizebürgermeister Mario Eustacchio als auch Klubobmann Armin Sippel nach Enthüllungen rund um Extra-Gagen zurückgetreten sind, ist nun die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin gestartet worden. Einen klaren Kandidaten oder Kandidatin gibt es nicht. Die Entscheidung soll am kommenden Montag bei einer Parteileitungssitzung fallen. Bis dahin übernimmt Gemeinderätin Astrid Schleicher.

Schleicher dürfte dem Vernehmen nach nicht in der Spitzenposition bleiben, auch wenn sie dienstälteste Obmann-Stellvertreterin ist. Sie ist zuletzt mit einem esoterischen Facebook-Posting aufgefallen. Sie hatte einen Aufruf für eine Massenmeditation gegen Corona geteilt. Die Energie von einer Million Menschen sollte für die "endgültige Auslöschung" des Virus sorgen, hieß es da.

FPÖ-Gemeinderätin Claudia Schönbacher war bei der Gemeinderatswahl im September auf dem dritten Listenplatz und müsste damit eigentlich als Nachfolgerin in Frage kommen. Die Friseurin könnte aber auch dem FPÖ-Obmann des Bezirks Gösting, Alexis Pascuttini, den Vortritt lassen. Der 25-Jährige war auf dem achten Listenplatz, zeigte sich aber im Wahlkampf sehr engagiert. Er gehört der Burschenschaft Corps Vandalia an.

Auch Eustacchio und Sippel waren Mitglieder in Burschenschaften und laut den Enthüllungen der "Kleinen Zeitung" sollen sie diesen auch Gelder zugeschanzt haben. Es sollen laut Buchungsvermerken an die Stiria (die Burschenschaft Eustacchios und von Finanzreferent Matthias Eder) und die Marko-Germania (Sippels Verbindung) und Eustacchios Schülerverbindung Allemannia Marburg zu Graz von 2014 bis 2019 mehrfach 5.000 Euro geflossen sein.

Laut Zeitungsbericht habe sich Sippel in Chatnachrichten an seine Bundesbrüder mit seiner Kreativität gerühmt, dank der es ihm gelungen sei, trotz Sparkurses "4.000 Euro Förderung herauszuholen". Ein anderes Mal soll er geschrieben haben: "Als Klubobmann werde ich versuchen, trotz Sparkurs der FPÖ ein ordentliches Sümmchen aufzustellen. Ich rechne mit 3.500 bis 4.000 Euro."

Wer nun die Nachfolge an der Spitze der Grazer FPÖ antritt, wird auch mögliche Auswirkungen auf die Ressortzuteilung im nach Proporz geregelten Stadtsenat haben. Die künftige Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) verhandelt gerade mit Judith Schwentner (Grüne) und Michael Ehmann (SPÖ) eine linke Koalition und sie können als Wahlsieger auch die Ressorts für die Stadträte verteilen. Der FPÖ fällt ein Sitz zu. Zuletzt war Eustacchio unter anderem für Wohnen, Parkraumservice, das Marktamt und die Ordnungswache zuständig.

KPÖ-Stadtrat Robert Krotzer sagte zu den Turbulenzen bei der FPÖ und deren Auswirkungen auf die Koalitionsverhandlungen: "Die FPÖ hat ja bereits am Wahlabend deutlich gemacht, dass sie zu keinerlei Zusammenarbeit bereit ist. Das wird vermutlich auch weiterhin so bleiben." Die Verhandlungen gingen jedenfalls davon unberührt weiter. "Das Gespräch darüber, was die FPÖ in eine positive Entwicklung von Graz beitragen möchte, werden wir mit der der Nachfolgerin oder dem Nachfolger jedenfalls suchen", so Krotzer.

Quelle: Agenturen