Ludwig nach falschem Klitschko-Anruf: "Keine Geheimnisse besprochen"

25. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

Michael Ludwig ist wie andere europäische Bürgermeister einem falschen Anruf des Kiewer Stadtchefs aufgesessen und hat als einziger nichts bemerkt. Vitali Klitschko forderte daraufhin "dringend" Ermittlungen. Ludwig beruhigt auf PULS 24, dass keine Geheimnisse besprochen wurden, die Stadt Wien kündigt Maßnahmen gegen Cyberkriminalität an.

Bei mehreren europäischen Bürgermeistern läutete diese Woche das Telefon. Dran war, so wurde fälschlicherweise vermutet, Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko. Opfer des vermuteten "Deep Fake"-Anrufs wurden Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), nach Agenturmeldungen auch José Luis Martinez-Almeida aus Madrid und am Mittwoch auch Michael Ludwig (SPÖ) in Wien, wie der stellvertretende "Bild"-Chefredakteur Paul Ronzheimer am Samstag twitterte.  

Ludwig: "Keine Geheimnisse besprochen"

Der Bürgermeister sagte gegenüber PULS 24, das Gespräch sei "auf diplomatischen Kanälen" lang vorbereitet worden. "Auffällig" sei während des Telefonats nichts gewesen und man habe keine Geheimnisse besprochen. Gegen Ende des "längeren Gesprächs", sei Kiewer Bürgermeister ungewöhnlich fordernd geworden. Laut "ORF" hätte er das aber nicht hinterfragt. "Nachdem in dem Gespräch keine verfänglichen Themen behandelt worden sind, ist das im konkreten Anlassfall sicher ärgerlich, aber kein großes Problem", meinte Ludwig.

"Kriminell": Klitschko fordert Ermittlungen

Ronzheimer teilte am frühen Samstagnachmittag eine Videobotschaft Klitschkos: "Bei mehreren Bürgermeistern in Europa hat sich ein falscher Klitschko gemeldet, der absurde Dinge von sich gegeben hat." Das sei kriminell, so der Kiewer Bürgermeister, "es muss dringend ermittelt werden, wer dahintersteckt".

Klitschko: "Brauche nie Übersetzer!"

"Bitte passt künftig auf", rät Klitschko Ludwig und den Bürgermeister-Kollegen. Offizielle Gespräche mit ihm gebe es nur, wenn sie über offizielle Kanäle in Kiew vermittelt wurden. Für alle, die deutsch oder englisch sprechen, hatte Klitschko einen Tipp, um falsche Anrufer zu erkennen: "Ich brauche nie einen Übersetzer!"

Ludwig soll als einziger nicht misstrauisch geworden sein

Madrids Stadtchef wurde misstrauisch und unterbrach ebenso wie Giffey das Gespräch. In Berlin ließ sich die Senatskanzlei noch am Freitag vom ukrainischen Botschafter in Deutschland bestätigen, dass Giffey nicht mit Klitschko verbunden gewesen sei. Ludwig hingegen habe das gesamte Gespräch lang das Fake nicht bemerkt, behauptete Ronzheimer. "Deep Fakes" sind anspruchsvolle technische Manipulationen, die oft nur von Fachleuten aufgedeckt werden können.

Während des Gesprächs soll Ludwig Klitschko zugesichert haben, dass Wien sich "aus der historischen Tradition heraus, in der Pflicht sieht, den Flüchtlingen aus der Ukraine entsprechende Rahmenbedingungen für ihren Aufenthalt in der Stadt zu schaffen". Der Tweet Ludwigs dazu wurde am frühen Samstagnachmittag gelöscht, wie der "Standard" berichtet. 

Wien kündigt Maßnahmen gegen "Cyberkriminalität" an

Laut Stadt Wien geht Ludwig von einem mutmaßlich "schweren Fall von Cyberkriminalität" aus. Die Stadt überprüft den Vorfall und kündigt Maßnahmen an, "um dieser neuen Form der Cyberkriminalität künftig zu begegnen". 

Wiens FPÖ fordert Offenlegung des Gesprächs

Der Spott der Wiener Opposition ließ nicht lange auf sich warten. FPÖ-Landesobmann Dominik Nepp verglich den Anruf sogar mit Straches Gespräch auf Ibiza mit einer falschen Oligarchentochter. Strache meinte nachher, ihn hätten die ungepflegten Zehennägel der Frau stutzig gemacht. Drauf spielte auch Nepp an. "Es ist schon klar, dass man die Zehennägel bei einem Videoanruf nicht kontrollieren kann, aber eine Überprüfung der Identität vor dem Gespräch wäre notwendig gewesen. Andere Bürgermeister, wie aus Madrid oder Berlin, haben diesen Fake im Gegensatz zu Ludwig wenigstens während des Gesprächs bemerkt."

Nepp fordert die Veröffentlichung der Gesprächsaufzeichnung. Die FPÖ, so schreibt sie in einer Aussendung, hat den Verdacht, dass Ludwig vertrauliche Informationen weitergegeben und strategische Interessen Wiens verraten haben könnte. 

Staatsschutz: Vor Deep Fakes wurde gewarnt

"In den letzten Wochen wurde durch aktive Öffentlichkeitsarbeit auf die Möglichkeit von Deep Fakes hingewiesen", erklärte der Leiter der "Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst" (DNS), Omar Haijawi - Pirchner, via Aussendung des Innenministeriums. "Dieses Phänomen ist nicht neu und durch den Ende Mai präsentierten Nationalen Aktionsplan werden gemeinsam mit der Justiz umfangreiche Maßnahmen - vor allem auch zur Sensibilisierung - gesetzt." Seine Behörde stehe im Vorfeld derartiger Gespräche gerne auch politischen Funktionsträgern beratend zur Seite. "Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man sich vor der Videokonferenz an den Staatsschutz wendet und kooperiert. In diesem Fall gab es keine Kontaktaufnahme mit dem Staatsschutz im Vorfeld", so Omar Haijawi - Pirchner.

Quelle: Agenturen / Redaktion / ddj/lam