Jungwirth: Gewesslers "Herumgeschwurbel" passiert aus Angst

21. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Michael Jungwirth von der "Kleine Zeitung", wirft der Regierung vor, dass sich die Gas-Knappheit schon längst abgezeichnet hat, man aber versucht hätte sich "durchzuwurschteln". Auch Ministerin Gewessler rede keinen Klartext, weil sie sich das nicht traue. Das alles könne uns auf den Kopf fallen, denn niemand wisse, ob der Krieg in der Ukraine nicht vielleicht noch Jahre dauert.

"Der Putin wird eh nicht das Gas abdrehen, der braucht ja das Geld" - das sei die Strategie der österreichischen Regierung in den letzten Wochen und Monaten gewesen, erklärt der stellvertretende Chefredakteur der "Kleine Zeitung" Michael Jungwirth im PULS 24 Interview. Doch nun sei ihm ganz Europa ausgeliefert. "Das Problem ist, dass nur eine einzige Person weiß, wie es weitergeht und das ist der Herr Putin", so Jungwirth. 

Unsere Politiker hätten "falsch gepokert", die "Gefahr immer vom Tisch gewischt". Nun sei man "in der bitteren Realität aufgeprallt". "Man hätte alles früher machen können. Das hat sich abgezeichnet."

Putin wird uns "Angst und Schrecken einjagen"

Dass Putin jetzt Gas als Waffe einsetzt, sei kein Zufall, denn die Entscheidung, ob die Ukraine eine EU-Beitrittsperspektive bekommt, stehe unmittelbar bevor. "Solang der Krieg andauert – und er wird wahrscheinlich lang andauern – wird Putin mit dem Gas spielen und uns Angst und Schrecken einjagen."

Die Folgen: Umweltministerin Leonore Gewessler hätte zum Emir von Katar fliegen müssen, um dort "um Erdgas zu betteln". Das widerspreche allem, was Gewessler gewollt habe, als sie zur Wahl antrat, so Jungwirth. In der Klimapolitik müsse sie "den Rückwärtsgang einlegen", die Rückkehr zur Kohle sei beschlossene Sache und es gebe Überlegungen für Fracking in Österreich und Flusskraftwerke. 

"Herumgeschwurbel" aus Angst

"Es fallen reihenweise die Tabus", deshalb komme von Gewessler auch "dieses Herumgeschwurbel". Sie traue sich nicht, all diese Dinge zu sagen. Aber wenn es im Herbst oder Frühjahr kein Gas gebe, werde es knapp für Gewessler. Und man dürfe nicht vergessen, der Krieg könne im nächsten Jahr weitergehen und dann gebe es vielleicht keine Einspeicher-Möglichkeiten mehr.  

In Österreich sei die ganze Strategie in der Ukraine-Krise, bloß "irgendwie da durchzukommen". "Wir schicken den Ukrainern keine Waffen, um den Putin nicht zu ärgern, den Oligarchen steigen wir nicht auf die Zehen, denn die brauchen wir vielleicht noch (…) und dann rufen wir den Putin noch zweimal an, damit uns zum Unterschied von anderen Ländern nicht das Gas abgedreht wird."

Regierungs-"Durchwurschteln" gefährlich

Dieses "Durchwurschteln" werde "der Regierung noch auf den Kopf fallen". Der Krieg könne noch Jahre dauern, niemand wisse das. Die Ausgaben, die durch die Corona-Kurzarbeit entstanden seien, könnten noch "ganz andere Dimensionen annehmen", wenn die Regierung es nicht schaffe, die Situation zu meistern.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam