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Meloni bei Trauerfeier für Separatisten Bossi ausgepfiffen

Heute, 12:35 · Lesedauer 3 min

Bei der Trauerzeremonie für den verstorbenen Gründer von der in Italien mitregierenden, rechten Lega-Partei, Umberto Bossi, sind am Sonntag separatistische Slogans ertönt. Viele Lega-Anhänger strömten in die lombardische Ortschaft Pontida, um von dem am Donnerstag im Alter von 84 Jahren verstorbenen Bossi Abschied zu nehmen. Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni, die der Trauerfeier beiwohnte, wurde von Hardlinern der Lega ausgepfiffen.

Anhänger Bossis skandierten: "Sezession, Sezession!" Sie bezogen sich damit auf das ursprüngliche Programm der von Bossi 1984 gegründeten Lega lombarda (Lombardische Liga), die sich die Abspaltung Norditaliens vom Rest des Landes auf die Fahne geschrieben hatte. Die Partei, die längst nur noch Lega heißt, hat sich unter dem aktuellen Vorsitzenden Matteo Salvini zu einer gesamtstaatlichen Bewegung im rechten Spektrum gewandelt. Das separatistische Programm wurde aufgegeben. Viele Anhänger der Lega in Norditalien kritisieren Salvini allerdings wegen seines national ausgerichteten Kurses. Nicht nur Meloni, auch der aktuelle Lega-Chef wurde in Pontida von einigen Aktivisten mit Buhrufen empfangen. Ihm wurde "Verrat" an Bossis ursprünglichen Bestrebungen vorgeworfen.

Mehrere Regierungsmitglieder, darunter Außenminister Antonio Tajani und Finanzminister Giancarlo Giorgetti kamen zur Trauerzeremonie nach Pontida, einer für die Lega symbolträchtigen Ortschaft. Dort findet jährlich im September ein großes Lega-Treffen statt, zu dem Rechtspopulisten aus ganz Europa strömen.

Der für seine provokante Rhetorik und seine Leidenschaft für Zigarren bekannte Bossi war vor allem in den 1990er- und 2000er-Jahren einer der prägenden Politiker Italiens. Unter Bossis Führung wurde die Lega lombarda Anfang der 90er-Jahre zu einer der führenden Parteien in Norditalien. Im Norden des Landes hatte Bossi mit Kritik am italienischen Zentralismus und teils wüsten Tiraden gegen den Süden und gegen die illegale Einwanderung zeitweise großen Erfolg. Ab 1994 war die in Lega Nord umbenannte Partei mehrfach an den Mitte-Rechts-Regierungen unter dem rechtskonservativen Ministerpräsident Berlusconi beteiligt. Bossi bekleidete drei Mal Ministerposten in Regierungen unter Berlusconi.

2012 musste er infolge eines Finanzskandals als Parteichef zurücktreten. Wegen Veruntreuung von Parteimitteln wurde er später zu einer Haftstrafe verurteilt. In den vergangenen Jahren trat Bossi trotz seines Senatorenpostens öffentlich nur noch wenig in Erscheinung.

Sein Nachfolger an der Lega-Nord-Spitze verordnete der Partei einen Kurswechsel: Salvini tilgte das "Nord" aus dem Namen der Partei und verwandelte die Gruppierung in eine gesamtitalienisch ausgerichtete, rechtsnationale Partei. Heute ist die Lega an der Seite von Melonis rechten Fratelli d'Italia in der Dreier-Koalition mit der rechtskonservativen Forza Italia. In Umfragen liegt die Lega aktuell unter zehn Prozent.

Zusammenfassung
  • Bossi, der die Lega lombarda 1984 gründete und drei Mal Minister unter Berlusconi war, musste 2012 nach einem Finanzskandal zurücktreten und wurde später wegen Veruntreuung verurteilt.