APA - Austria Presse Agentur

Meinungsforscher distanzieren sich von Beinschab

14. Okt 2021 · Lesedauer 4 min

Der Verband der Markt- und Meinungsforschungsinstitute Österreichs (VdMI) hat sich von der in die Inseraten-Korruptionsaffäre rund um die ÖVP und Alt-Kanzler Sebastian Kurz verwickelte Meinungsforscherin Sabine Beinschab distanziert.

Weder die Meinungsforscherin Sabine Beinschab noch deren Kollegin und Ex-ÖVP-Ministerin Sophie Karmasin, gegen die ebenfalls ermittelt wird, seien je VdMI-Mitglieder gewesen, so Vorsitzende Edith Jaksch. Beinschab wollte vor Jahren Mitglied werden, sei aber abgelehnt worden.

"Die jetzt vorliegende Causa ist schockierend und erfordert eine Klarstellung unserer Branche. Weder die festgenommene Sabine Beinschab noch die als Beschuldigte geführte Sophie Karmasin waren je Mitglied beim VdMI, weder mit der BB Research Affairs GmbH noch der KARMASIN RESEARCH & IDENTITY GMBH", betonte Jaksch in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA.

"Mitglieder unseres Verbandes unterwerfen sich den gültigen Normen und ethischen Standards von ESOMAR (European Society for Opinion and Market Research, Anm.)" - die Einhaltung dieser Normen stelle die Arbeit nach seriösen Qualitätsstandards und ethischen Branchenstandards sicher. Die Kriterien für Wahlumfragen, insbesondere der "Sonntagsfrage" würden u.a. eine Mindestgröße von 800 Befragten vorsehen, auch seien reine Online-Umfragen für eine Hochschätzung "nicht geeignet".

Beinschab, die Beschuldigte in der ÖVP-Inseratenaffäre ist, war am Dienstag festgenommen worden. Sie soll im Vorfeld der Hausdurchsuchungen vergangene Woche versucht haben, Beweismittel zu vernichten. Es wird aber keine Untersuchungshaft gegen Beinschab verhängt werden, war am Donnerstag bekannt geworden.

Jaksch fordert Umdenken

Der "mutmaßliche Kriminalfall" sei "schockierend" und von der Branche zu trennen, betonte Jaksch. Der Fall untergrabe aber "in keiner Weise die Qualität und Seriosität unserer Branche". "Unsere Qualitätskriterien sind streng, klar und verbindlich." Wer sich diesen Kriterien nicht in all seinen Marktforschungsprojekten unterwirft, könne kein Mitglied im VdMI werden.

Gefordert sieht Jaksch auch die Medien: "Jetzt sind alle Redaktionen aufgefordert, gerade bei politischen Umfragen und speziell der sogenannten Sonntagsfrage auf die Einhaltung unserer Qualitätskriterien zu achten. Dazu muss aber ein Umdenken stattfinden, also weg von der schnellen Headline dank billiger Online-Umfrage und hin zu einer qualitätsvollen, seriösen Zusammenarbeit mit einem Mitglied des VdMI." Die Branche habe kein Qualitätsproblem - "die Qualität muss vom Auftraggeber aber gewollt und finanziert werden", so Jaksch.

Gallup distanziert sich ebenfalls

Das Gallup-Institut erklärte unterdessen auf seiner Homepage "aus gegebenem Anlass", dass Sophie Karmasins langjährige Mitarbeiterin Beinschab "wenige Monate nach dem Eigentümerwechsel des Instituts" am 11. April 2015 "fristlos entlassen" wurde. Gallup-Geschäftsführer Michael Nitsche, der das Institut von Karmasin übernommen hat, sagte dazu gegenüber der "Kronen Zeitung": "Das hat nichts mit den aktuellen Ereignissen zu tun. Es gab andere gute Gründe. Aus arbeitsrechtlichen Gründen kann ich nicht ins Detail gehen."

Auch betonte Gallup in seiner Stellungnahme, dass Karmasin bereits mit Antritt ihres Ministeramtes im Jahr 2013 die Geschäftsführungstätigkeit bei Gallup zurückgelegt habe. "Ihre Anteile am Österreichische Gallup Institut wurden mit 30.6.2014 an eine Gesellschaft des Gallup International Vorstandes Michael Nitsche verkauft. Die Compliance Regeln von Gallup International erfordern von den Gallup Instituten bei politischen Meinungsumfragen eine strikte Neutralität und Äquidistanz zu allen politischen Parteien. Um die volle Unabhängigkeit von jeglichem politischen Einfluss sicherzustellen wurde daher jegliche Zusammenarbeit mit Dr. Sophie Karmasin bereits mit 1.1.2014 eingestellt." Auch seien die Durchführung von Meinungsumfragen für den Auftraggeber Mediengruppe Österreich "im Zuge der Einführung neuer Qualitätsstandards im Jahr 2016 eingestellt" worden.

Presserat: Gekaufter Journalismus ist "absolutes Tabu"

Der Presserat sah sich - auch aufgrund steigender Beschwerden an das Gremium - ebenfalls zu einer Stellungnahme veranlasst. "Nach der ständigen Entscheidungspraxis des Presserats verstoßen Einflussnahmen von außen auf die Berichterstattung gegen das journalistische Ethos", stellte das Gremium in einer Aussendung fest. "Beeinflusste Berichterstattung steht auch in diametralem Widerspruch zur Pressefreiheit, einem demokratischen Grundpfeiler unseres Landes", hieß es weiter. Gekaufter Journalismus sei daher "ein absolutes Tabu". Für die Glaubwürdigkeit der Medien sei entscheidend, dass die Chefredaktionen jeglichen Versuch der Beeinflussung von außen vehement abwehren.

Die politischen Ereignisse der letzten Tage nahm der Presserat auch zum Anlass, eine Neuregelung der österreichischen Presseförderung und Inseratenpolitik anzuregen, wie es in der Stellungnahme hieß. Die Senate verwiesen dabei auf den Standpunkt zahlreicher Expertinnen und Experten, wonach die Mitgliedschaft beim Presserat eine Grundbedingung für Presseförderung und die Vergabe von öffentlichen Inseraten sein sollte.

Der ÖVP-Ethikrat ist laut "Tiroler Tageszeitung" (Freitag-Ausgabe) am Donnerstag zusammengetreten. Am Freitag werde es eine weitere Information geben, sagte Vorsitzende Waldtraud Klasnic auf die Frage, ob der Ethikrat in Sachen Korruptionsermittlungen und Chats aktiv wird.

Quelle: Agenturen / apb