Guerrero: "Mythos des manischen Genies" verschärft Situation in Kulturbranche

18. Jan. 2023 · Lesedauer 2 min

In der Kunst- und Kulturbranche gibt es diverse Faktoren, die Machtmissbrauch begünstigen, erklärt Marion Guerrero bei PULS 24.

Der Fall Teichtmeister lässt Diskussionen um Machtmissbrauch im Kunst- und Kulturbereich wieder aufflammen. Marion Guerrero ist die Geschäftsführerin im Bereich Kunst und Kultur bei der Vertrauensstelle gegen Gewalt und Belästigung namens "vera*". Die Stelle gibt es seit Ende 2021 und "war offensichtlich nötig", wie Guerrero im Gespräch mit PULS 24 Anchor Daniel Retschitzegger erklärt. "Wir haben seit Beginn der Stelle circa 40 Fälle bei uns liegen." 

Machtmissbrauch gibt es in vielen unterschiedlichen Branchen. Im Kunst- und Kulturbereich gäbe es jedoch einige Dinge, die die Situation "verschärfen" würden, so die vera*-Geschäftsführerin. Dazu zähle etwa "der Mythos des manischen Genies". Es herrsche der Gedanke vor, "dass sich arrivierte Künstler und Künstlerinnen viel erlauben können" und der "Leidensprozess" wird "als Teil eines Kunstschaffungsprozesses" verstanden. Bei vera* wird versucht, diesen Mythos zu hinterfragen.

Außerdem sei die Kulturszene ein Bereich, in dem es "viel Körperlichkeit" gebe, wo Grenzen vorher abgeklärt werden müssten. Solche Situationen "begünstigen Übergriffe", betont Guerrero. Insbesondere dann, wenn Personen, die in einem unterschiedlichen Machtverhältnis zueinander stehen, zusammenarbeiten würden. 

Prävention und Bewusstseinsänderung

Bei vera* wird viel auf "Prävention" und "Bewusstseinsschaffung" gesetzt. Viele arrivierte Künstler:innen hätten selbst negative Erfahrungen gemacht und geben diese - auch unbewusst -  weiter, so Guerrero. "Diesen Zyklus gilt es zu durchbrechen", betont sie.

Quelle: Redaktion / mbe