Benedikts Begräbnis: Franziskus und die Welt nahmen Abschied

05. Jan. 2023 · Lesedauer 4 min

Offizielle Delegationen aus Italien und Deutschland sowie Adelige und hohe Geistliche aus der ganzen Welt kamen zur Verabschiedung vom verstorbenen emeritierten Papst.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist am Donnerstag in Rom mit einer Trauermesse zur letzten Ruhe geleitet worden. Nachdem in den vergangenen Tagen rund 200.000 Menschen zu dem im Petersdom aufgebahrten Leichnam Joseph Ratzingers gepilgert waren, leitete der amtierende Papst Franziskus auf dem Petersplatz die Totenmesse für seinen Vorgänger. Mehr als 50.000 Menschen sind laut der vatikanischen Gendarmerie zur Totenmesse gekommen.

Schon seit dem frühen Donnerstagmorgen versammelten sich tausende Pilger auf den Straßen vor dem Petersplatz, um Zugang zu bekommen. Offizielle Delegationen aus Italien und Deutschland, der Heimat des emeritierten Papstes, sowie Könige, Adelige und Geistliche aus verschiedenen Ländern strömten vor Beginn der Trauerfeier zum Petersplatz.

"Möge deine Freude vollkommen sein"

Papst Franziskus nahm in seiner Predigt nur wenig direkten Bezug auf seinen deutschen Vorgänger. Der Pontifex sprach vor allem über die Hingabe an Gott und das Vertrauen auf den Herrn. Erst am Schluss sagte der Argentinier vor dem Holzsarg des emeritierten Papstes: "Benedikt, du treuer Freund des Bräutigams, möge deine Freude vollkommen sein, wenn du seine Stimme endgültig und für immer hörst!" Jesus wird in der katholischen Kirche oft als Bräutigam bezeichnet.

Zuvor hatte Franziskus vor den Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom gesagt: "Auch wir, die wir fest mit den letzten Worten des Herrn und dem Zeugnis, das sein Leben geprägt hat, verbunden sind, möchten als kirchliche Gemeinschaft in seine Fußstapfen treten und unseren Bruder den Händen des Vaters anvertrauen: Mögen diese Hände der Barmherzigkeit seine mit dem Öl des Evangeliums brennende Lampe vorfinden, das er während seines Lebens verbreitet und bezeugt hat."

Dass ein Papst dem Requiem seines Vorgängers vorsteht, ist historisch. Benedikt war 2013 vom Amt des Papstes zurückgetreten.

Rogitum

Im Petersdom hatte davor am Mittwochabend im kleinen Kreis das Ritual der Sargschließung stattgefunden. Daran nahmen unter anderem der Zeremoniär, der Erzpriester von Sankt Peter, sowie mehrere Kardinäle und der Privatsekretär des verstorbenen emeritierten Papstes, Erzbischof Georg Gänswein, teil. An dem aufgebahrten Leichnam wurde in lateinischer Sprache eine Urkunde ("Rogitum") verlesen, die wichtige Stationen aus dem Leben und Wirken des Verstorbenen enthält.

Danach folgte die Verhüllung des Gesichts des Verstorbenen mit einem Tuch, dies übernahmen der Privatsekretär und der Zeremonienmeister. Anschließend wurden Münzen und Medaillen aus den Pontifikatsjahren sowie das "Rogitum" zu dem Verstorbenen in den Sarg aus Zypressenholz gelegt.

Am Donnerstag nahm Gänswein noch einmal mit einem Kuss des Sarges des Verstorbenen Abschied.

Georg Gänswein (rechts)APA/AFP/Tiziana FABI

Kurienerzbischof Georg Gänswein verabschiedet sich von seinem väterlichen Vertrauten Benedikt XVI.

Kirchliches Neuland

Am Donnerstagmorgen wurde der Sarg von Trägern auf den Petersplatz gebracht. Um 9.30 Uhr begann mit dem feierlichen Gesang "Requiem aeternam dona ei, Domine" (Die ewige Ruhe gib ihm, Herr) die Messfeier für den Toten, das Requiem.

Das Ereignis war für die katholische Kirche zeremonielles Neuland, weil erstmals seit Jahrhunderten ein emeritierter Papst beigesetzt wurde und deshalb kein Nachfolger gewählt werden musste.

Schönborn und Fischer in Rom

Österreich war durch Altbundespräsident Heinz Fischer bei der Beerdigung vertreten. Fischer war während der Amtszeit von Papst Benedikt XVI. Bundespräsident und war auch bei dessen Amtseinführung und zu einem offiziellen Besuch im Vatikan. Auch der offizielle Papstbesuch Benedikts im Jahr 2007 fiel in die Amtszeit Fischers.

Als Vertreter der Kirche in Österreich waren Kardinal Christoph Schönborn, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner als Vorsitzender der Bischofskonferenz sowie der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl und der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics bei der Trauerfeier anwesend.

Sicherheitsvorkehrungen

Schärfste Sicherheitsvorkehrungen wurden in Rom für das Begräbnis ergriffen. Wie schon in der Vergangenheit bei der Beerdigung von Johannes Paul II. und bei Heiligsprechungen waren mehr als 1.000 Polizisten im Einsatz, wie aus der römischen Präfektur verlautete. Die Zahl der Metalldetektoren zur Kontrolle der Gläubigen beim Zugang zum Petersplatz wurde erhöht. Neben dem Personal der vatikanischen Gendarmerie waren auch Polizisten in Zivil eingesetzt. 500 Freiwillige des Katastrophenschutzes hatten die Aufgabe, Informationen über Warteschlangen und Wartezeiten zu liefern.

Außerdem galt am Donnerstag in der Umgebung des Vatikan ein Verbot, Glasflaschen zu verkaufen. Die öffentlichen Verkehrsmittel wurden aufgestockt, um die Massen von Pilgern zum Petersplatz zu transportieren.

Quelle: Agenturen / Redaktion / kap