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Lula und Bolsonaro: Hartes TV-Duell vor Brasilien-Stichwahl

17. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Zwei Wochen vor der Präsidenten-Stichwahl in Brasilien haben der rechtsextreme Amtsinhaber Jair Bolsonaro und sein linksgerichteter Herausforderer Luiz Inácio Lula da Silva am Sonntagabend ein hartes TV-Duell abgeliefert. Durch Bolsonaros "Versäumnisse" seien 680.000 Brasilianer dem Corona-Virus zum Opfer gefallen, warf Lula dem Präsidenten vor. Mehr als die Hälfte hätte gerettet werden können. Bolsonaro warf Lula Korruption vor.

Diese haben in seine zwei Amtszeiten als Staatschef zwischen 2003 und 2010 im Land grassiert, so der Amtsinhaber in Richtung Lula. "Deine Vergangenheit ist bedauerlich", sagte Bolsonaro, und die Bilanz als Präsident sei "schmachvoll" gewesen. Lula habe "nichts für Brasilien getan, außer öffentliche Gelder in Ihre und die Taschen Ihrer Freunde zu stecken."Lula sei eine "nationale Schande"., sagte er und forderte den 76-Jährigen auf, mit dem Lügen aufzuhören. Beide Kandidaten bezichtigten sich zudem gegenseitig der Falschinformationen.

Lula fügte beim Thema "Corona" hinzu: "Keine Regierung auf der Welt hat mit der Pandemie und dem Tod so gespielt wie Sie. Tragen Sie nicht etwas vom Leid der Brasilianer auf den Schultern?"

Bolsonaro hatte das Coronavirus verharmlost und auch den Nutzen der Impfung in Zweifel gezogen. Ihm wird vorgeworfen, den Erwerb von Corona-Impfstoffen ausgeschlagen und verschleppt zu haben. Zudem ließ Bolsonaro immer wieder Mitgefühl für die Angehörigen der Opfer vermissen. Die Zustimmung für Bolsonaro sank im Laufe der Pandemie immer weiter. Lula bezeichnete den 67-jährigen Bolsonaro auch als den "König der Fake News".

Der ohnehin schon zuvor von Schmutzkampagnen und aggressiven verbalen Auseinandersetzungen geprägte Wahlkampf in Brasilien gleicht seit der ersten Wahlrunde zunehmend einer Schlammschlacht. Vor allem Lulas Lager griff in jüngster Zeit auf Strategien zurück, die bisher vor allem die extreme Rechte verfolgt hatte: Das linke Lager grub alte Videos von Bolsonaro-Auftritten aus und zog daraus einzelne Zitate heraus, die Bolsonaro beispielsweise in Verbindung zu Freimaurertum und Kannibalismus bringen sollen.

In einem jüngsten Angriff wurde Bolsonaro in Zusammenhang mit Pädophilie gebracht. Lulas Wahlkampflager bezeichnete den Präsidenten am Samstag als "verkommenen Kriminellen" und zeigte sich "angewidert" über Äußerungen, die der Staatschefs vor einem Jahr bei einem Besuch in einem Haus gemacht hatte, wo offenbar minderjährige Mädchen aus Venezuela als Prostituierte arbeiteten.

Bei seiner Ankunft zur Fernsehdebatte in São Paulo sagte Bolsonaro, die vergangenen 24 Stunden seien wegen dieser Angriffe "die schlimmsten meines Lebens" gewesen. Lula erwähnte das Thema in der Debatte nicht, trug aber den Anstecker einer Kampagne gegen Kindesmissbrauch am Revers.

In der ersten Wahlrunde am 2. Oktober hatte Bolsonaro besser als in Umfragen prognostiziert abgeschnitten. Diese hatten einen deutlich größeren Vorsprung Lulas vorausgesagt und einen Sieg im ersten Wahlgang möglich erscheinen lassen. Vor der Stichwahl gegen Lula am 30. Oktober ist das Rennen nun wieder völlig offen. Beide Kandidaten kämpfen derzeit in einem von Anschuldigungen geprägten Wahlkampf um jede Wählerstimme und versuchen, einzelne soziale, gesellschaftliche und religiöse Gruppen auf ihre Seite zu ziehen.

Jüngste Erhebungen sehen Bolsonaro zwei Wochen vor der Stichwahl rund sechs Prozentpunkte hinter Lula. Im ersten Wahlgang am 2. Oktober hatte Lula 48 Prozent der Stimmen erzielt, Bolsonaro kam auf 43 Prozent.

Quelle: Agenturen