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London: Russland hat Großteil von Sewerodonezk eingenommen

02. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Russische Truppen haben nach britischer Einschätzung den Großteil der umkämpften ostukrainischen Großstadt Sewerodonezk eingenommen.

Unterstützt von heftigen Artillerieangriffen machten die Streitkräfte örtliche Geländegewinne, teilte das Verteidigungsministerium in London am Donnerstag mit. Sie erlitten aber auch schwere Verluste. Die Hauptstraße in die Stadt hinein werde vermutlich noch von der Ukraine gehalten, hieß es unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse..

Es gäbe mehrere Stellen, an denen Russland erneut versuchen könnte, den Fluss Siwerski Donez zu überqueren, der eine natürliche Verteidigungslinie der ukrainischen Truppen darstellt. Hätten die russischen Streitkräfte dort Erfolg, könnten sie das Gebiet Luhansk sichern und sich stärker auf das angrenzende Gebiet Donezk konzentrieren, so das britische Verteidigungsministerium. Beide potenziellen Stellen zur Flussüberquerung - zwischen Sewerodonezk und der Nachbarstadt Lyssytschansk sowie nahe der kürzlich eroberten Stadt Lyman - seien aber weiterhin unter ukrainischer Kontrolle. Die Ukrainer hätten mehrere Brücken zerstört, um den Russen ihren Vormarsch zu erschweren.

Massive Angriffe

London geht davon aus, dass die russischen Truppen mindestens eine kurze taktische Pause benötigen, um eine Flussüberquerung und weitere Angriffe im Gebiet Donezk vorzubereiten. Dort hätten die ukrainischen Einheiten Verteidigungspositionen vorbereitet. Damit aber drohe die russische Offensive an Schwung zu verlieren.

Auch dem Lagebericht des ukrainischen Generalstabs von Donnerstag zufolge griffen russische Truppen Sewerodonezk massiv an. Wie viele Bezirke der einstigen Großstadt die Ukrainer noch halten, sei unklar. Schon am Mittwoch hatten die Russen das Stadtzentrum eingenommen. Gefechte in den Vororten Bobrowe und Ustyniwka hätten den russischen Truppen trotz Unterstützung durch Granatwerfer aber keinen Erfolg gebracht, hieß es nun. Dafür räumen die ukrainischen Militärs der russischen Offensive in Komyschuwacha zumindest "teilweise Erfolg" ein. Die städtische Siedlung liegt südlich von Lyssytschansk.

Schwere Schäden

Auch andere Regionen meldeten in der Nacht auf Donnerstag und in der Früh Luft- und Raketenangriffe. "Vier feindliche Marschflugkörper wurden abgefeuert. Sie wurden vom Schwarzen Meer aus abgeschossen", sagte der Chef der Militärverwaltung im westukrainischen Lwiw, Maxym Kosytzkyj, am Donnerstag auf seinem Telegram-Kanal. Demnach richtete sich der nächtliche Raketenangriff gegen Eisenbahnobjekte in den Kreisen Stryj und Sambir. Explosionen waren in der Früh auch in der Hafenstadt Odessa zu hören. Während Kosytzkyj von fünf Verletzten sprach, haben die Behörden zu den Angriffen in Odessa noch keine Angaben gemacht.

Im Norden der Ukraine sind laut Behörden durch Raketenbeschuss im Kreis Krasnopilja (Region Sumy) ein Wohnhaus völlig zerstört und drei Menschen verletzt worden. Im benachbarten Gebiet Charkiw wurde demnach eine Frau getötet und eine weitere Person verletzt. Der nächtliche Beschuss habe auch eine Schule im Charkiwer Stadtteil Saltiwka getroffen. Zuvor war seitens der Ukraine von mindestens vier getöteten Zivilisten und zehn Verletzten im Osten und Nordosten von Sewerodonezk die Rede.

Quelle: Agenturen