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Landesweite Proteste im Iran halten an

25. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Trotz des gewaltsamen Vorgehens der iranischen Sicherheitskräfte haben Studierende im Iran am Dienstag landesweit ihre Proteste fortgesetzt.

"Ein Student mag sterben, aber er akzeptiert keine Demütigung", skandierten Studenten der Shahid Chamran Universität in Ahvaz im Südwesten des Landes am Dienstag in einem Online-Video. Weitere Online-Videos zeigten Protestierende an der Beheshti Universität und der Khaje Nasir Toosi Universität in Teheran.

40 Tage Trauerzeit

Die Proteste erfolgten einen Tag vor Ablauf der 40-tägigen Trauerzeit für Jina Mahsa Amini. Die 22-jährige Kurdin war am 16. September in Teheran gestorben, nachdem sie dort zuvor von der sogenannten Sittenpolizei wegen des Vorwurfs festgenommen worden war, ihr islamisches Kopftuch nicht den Vorschriften entsprechend getragen zu haben. Aktivisten werfen den Sicherheitskräften vor, die junge Frau misshandelt zu haben.

Der Tod Aminis war der Auslöser für die seither im Iran andauernde massive Protestbewegung, die sich gegen die Regierung in Teheran richtet. Am Mittwoch sind 40 Tage seit Aminis Tod und dem Ende der traditionellen Trauerzeit vergangen.

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Aktivisten zufolge warnten Sicherheitsdienste Aminis Familie davor, an diesem Tag in der Provinz Kurdistan eine Zeremonie abzuhalten und die Menschen zu bitten, das Grab ihrer Tochter zu besuchen. Der Familie sei gedroht worden, dass sie sich andernfalls "um das Leben ihres Sohnes sorgen" müsse, hieß es.

"Tod dem Diktator"

Auf weiteren Videos, die im Onlinedienst Twitter geteilt wurden, skandierten Frauen auf Rolltreppen in Teheraner U-Bahn-Stationen Parolen wie "Tod dem Diktator" und "Tod den Revolutionsgarden".

Bei einem Vortrag in der religiösen Hochburg Ghom ist ein Regierungssprecher unterdessen erneut ausgebuht worden. Studierende riefen Sprechchöre bei dem Besuch des Regierungssprechers Ali Bahadori Jahromi an einer Universität, wie die iranische Zeitung "Hammihan" am Dienstag berichtete. Auch der Protestslogan "Frau, Leben, Freiheit" sei gerufen worden. Die Stadt Ghom südlich der Hauptstadt Teheran gilt als schiitisches Zentrum der religiösen Elite im Iran. Bereits am Montag war Jahromi von Studierenden ausgebuht worden.

Am Montag waren Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Schülerinnen in Teheran vorgegangen. "Schülerinnen des Sadr-Gymnasiums in Teheran wurden angegriffen, einer Leibesvisitation unterzogen und verprügelt", meldete der Online-Kanal 1500tasvir, der regelmäßig über die Proteste und die Polizeigewalt im Iran berichtet. Mindestens eine Schülerin wurde laut 1500tasvir ins Krankenhaus eingeliefert. Später hätten die Eltern vor der Schule protestiert.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden bei den Versuchen der iranischen Sicherheitskräfte, die landesweite Protestwelle niederzuschlagen, bisher mehr als 120 Demonstranten getötet, darunter mindestens 23 Kinder. Tausende Protestierende wurden demnach festgenommen.

Quelle: Agenturen / Redaktion