Khorsand: "Frauen wissen, wenn sie auf die Straße gehen, riskieren sie ihr Leben"

06. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Die Journalistin und Autorin Solmaz Khorsand erklärt, warum die Proteste im Iran dieses Mal anders sind als oft zuvor. "Es geht darum, dass das totalitäre System gestürzt wird", betont sie.

Der Iran kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Tod der 22-jährigen Kurdin Jina Mahsa Amini entsteht eine Protestbewegung im ganzen Land, die insbesondere von Frauen getragen wird. Das iranische Regime reagiert darauf mit größter Härte. "Frauen kennen die islamische Republik. Sie wissen, wenn sie auf die Straße gehen, riskieren sie ihr Leben. Sie wissen vor allem, was passiert, wenn sie festgenommen werden", erklärt die Journalistin und Autorin Solmaz Khorsand.

 

Trotzdem schrecken sie nicht davor zurück zu demonstrieren. "Insbesondere die Generation Z geht mit einer unglaublichen Furchtlosigkeit an die Sache heran", so Khorsand. Im Iran sei es schon immer die junge Bevölkerung gewesen, die gegen das Regime protestiert hätte, erklärt sie. Dieses Mal würden jedoch Frauenrechte explizit an die Forderung nach Freiheit gekoppelt.  "Es geht nicht um das Kopftuch, sondern darum, dass das totalitäre System gestürzt wird", betont Khorsand. Auch den Ausgang der Proteste in den kurdischen Gebieten des Irans hebt sie hervor.

Wohin diese Proteste führen werden, ist derzeit noch unklar. "Man sollte Proteste nicht danach bewerten, ob sie unmittelbar zu einem Regime-Umsturz führen, sondern man muss sie in ihrer Kontinuität sehen", erklärt sie. Auch die islamische Revolution habe ein Jahr gebraucht, um den Schah abzusetzen. Die islamische Republik werde "vielleicht nicht heute oder morgen" fallen, aber es sei "nicht ausgeschlossen", dass die Proteste langfristig dazu führen würden.

Quelle: Redaktion / mbe