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Kocher: "Weniger arbeiten bei gleichem Lohn" nicht möglich

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Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) lehnt die von SPÖ und Gewerkschaft geforderte gesetzliche Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich ab. Sollte es nach der nächsten Nationalratswahl zu einem Kanzler Herbert Kickl (FPÖ) kommen, würde er als Minister nicht zur Verfügung stehen, betonte Kocher erneut.

"Weniger arbeiten bei gleichem Lohn und gleich hohen sozialen Leistungen wird einfach nicht gehen, weil damit unser Wohlstand und unsere hohen Sozialleistungen nicht aufrechtzuerhalten sind."

"Die meisten Menschen in Österreich spüren sehr gut, dass dieser Wunsch flächendeckend nicht möglich ist", sagte Kocher dem "Kurier" (Freitag). Die 32-Stunden-Woche ist eine Kernforderung des neuen SPÖ-Vorsitzenden Andreas Babler.

Kein Amt unter einem Kanzler Kickl

Wenn sich einzelne Branchen für weniger Stunden und oder alternativ für starke Lohnsteigerungen entscheiden, so sei dies das Recht der KV-Verhandler, so der Arbeitsminister. "Die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür existieren."

In einer künftigen Regierung würde Kocher nicht unter einem Kanzler Herbert Kickl arbeiten wollen. "Ich glaube nicht, dass Kickl Kanzler wird, weil die FPÖ nicht die stimmenstärkste Partei werden wird. Sollte es doch so kommen, stehe ich nicht zur Verfügung." In einem ATV Aktuell-Interview sagte Kocher bereits, dass er sich "keinesfalls vorstellen" könne, "unter einem Kanzler Kickl Minister zu sein".

Im Fokus: Martin Kocher im Interview

PRO-GE-Chef drängt auf Arbeitszeitverkürzung

Der neue Chef der Produktionsgewerkschaft PRO-GE, Reinhold Binder, drängt auch auf eine Arbeitszeitverkürzung. "Wir als PRO-GE vertreten Arbeiter und Arbeiterinnen, die schwere körperliche Arbeit verrichten, die mit Kälte und Schmutz verbunden ist." Unter solchen Bedingungen sei "eine Arbeitszeitverkürzung nötig, um gesund alt werden zu können", sagte Binder den "Salzburger Nachrichten" (Freitag).

Der Spitzengewerkschafter will sich aber nicht auf eine konkrete Stundenreduktion festlegen. "Ganz bewusst nicht. Es wäre am Gesetzgeber, nach 47 Jahren den ersten Schritt zu setzen und beispielsweise auf 38,5 Stunden Normalarbeitszeit zu gehen", so Binder. Man müsse sich das Thema auf Branchenebene ansehen, mit Arbeitszeitmodellen, die größere Freizeitblöcke ermöglichen, auch die sechste Urlaubswoche. "Das wäre gesundheitspolitisch wichtig. Und das Ziel ist eine Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich", sagte der PRO-GE-Chef.

ÖGB und AK Wien reagieren auf Kochers Haltung

Wenig Verständnis für Kochers ablehnende Haltung zu einer gesetzlichen Verkürzung der Arbeitszeit hat Willi Mernyi, leitender Sekretär beim ÖGB. "Die Produktivität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist auf einem All-Time-High", sagte er am Freitag am Rande einer Pressekonferenz. Kocher habe recht, wenn er sage, dass eine Umsetzung in einigen Branchen möglich sei. Es gehe um den Innovationswillen und den Mut der Unternehmer, so Mernyi.

Silvia Hruška-Frank, Direktorin der AK Wien, hob am Rande des Pressegesprächs die Kluft zwischen Männern und Frauen bei der Arbeitszeit hervor. Eine Senkung der Normalarbeitszeit bei einer Angleichung der Arbeitszeiten würde positive Verteilungseffekte sowie eine Verbesserung des Geschlechterverhältnisses bringen, glaubt Hruška-Frank. "Wir sehen enorme stille Reserven, gerade auch bei den Frauen, die wir heben können."

ribbon Zusammenfassung
  • Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) lehnt die von SPÖ und Gewerkschaft geforderte gesetzliche Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich ab.
  • Sollte es nach der nächsten Nationalratswahl zu einem Kanzler Herbert Kickl (FPÖ) kommen, würde er als Minister nicht zur Verfügung stehen, betonte Kocher erneut.