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Kirche arbeitet laut Medien an Erklärung zu Kolonialgeschichte

28. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Laut Medienbericht arbeiten Kanadas Bischöfe und der Vatikan an einer Erklärung zur sogenannten "Doktrin der Entdeckung" ("Doctrine of Discovery"). Gemeint ist die frühere päpstliche Legitimation europäischer Eroberungen ab dem Ende des 15. Jahrhundert.

Die Information kanadischer Medien stamme laut Kathpress von einer Sprecherin der Papstreise-Organisatoren.

Konzepte widerrufen

Demnach arbeiten Kanadas Bischöfe, der Vatikan und Experten, "die sich mit diesem Thema befasst haben", um "eine neue Erklärung der Kirche herauszugeben". Zwar hätten die kritisierten päpstlichen Dokumente der Geschichte "keine rechtliche und moralische Autorität" mehr. Gleichwohl verstehe man "den Wunsch, diese Texte zu benennen, ihre Wirkung einzugestehen und die damit verbundenen Konzepte zu widerrufen", so die Sprecherin Laryssa Waler.

Mit "Doktrin der Entdeckung" ist ein religiös inspiriertes Kolonisierungsbewusstsein sowie eine daraus entstandene Rechtsauffassung gemeint, mit der europäische Eroberer und spätere Kolonialregierungen sich anmaßten, indigene Bewohner zu verdrängen, zu entrechten und sich ihr Land anzueignen.

Papst entschuldigte sich bei Ureinwohner 

In seinen Reden in Kanada hat Papst Franziskus bisher nicht von der kritisierten Doktrin gesprochen. Er verurteilte aber Kolonialisierung sowie Gewalt und Zwang in der Mission. Man könne das Evangelium nicht auf eine Weise verkünden, die der Lehre Jesu entgegenstehe. Dies dürfe nie wieder geschehen.

Päpstliche Urkunden bemächtigten Missionierung 

Ausgangspunkt für die Entwicklung der "Doktrin der Entdeckung" sind vor allem Urkunden ("Bullen") Papst Alexanders VI. (1492-1503). Nach der Rückkehr von Christoph Kolumbus aus Amerika ermächtige der Papst mit Bullen wie Inter caetera (1493) katholische Herrscher dazu, von ihnen entdeckte, nicht-christliche Länder zu erobern, zu missionieren sowie ihre Bewohner zu enteignen.

Indigene rechtlich weiter benachteiligt 

In der weiteren Kolonialgeschichte floss dieses Denken in Politik und Gesetzgebung auch nicht-katholischer Kolonialmächte ein. Es fand Einzug in Entscheidungen oberster Gerichte in USA und Kanada. Bis heute, so sagen Fachleute, liege es kanadischen Gesetzen zugrunde und verhindere, dass indigene Menschen ihr Recht erhielten. Daher müsse der Papst die Bullen Alexanders VI. und ähnliche Schriften explizit widerrufen.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz