Papst-Reise in Kanada: Entschuldigung an Ureinwohner nicht ausreichend

26. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Führende Vertreter der indigenen Völker stellen nach der Entschuldigung von Papst Franziskus weitere Forderungen an die katholische Kirche. Er feiert zudem mit Zehntausenden einen Gottesdienst im Commonwealth Stadion in Edmonton am zweiten Tag seiner Kanadareise. Anschließend pilgert er zum Lac Sainte Anne.

Am zweiten vollen Besuchstag seiner Reise nach Kanada feiert Papst Franziskus am Dienstagvormittag (Ortszeit, 18.15 Uhr MESZ) eine Messe im größten Freiluftstadion des Landes. Das Commonwealth Stadion in Edmonton, Hauptstadt der Provinz Alberta, hat gut 56.000 Sitze. Die kostenlosen Zählkarten für die Messe waren laut den kanadischen Organisatoren des Papstbesuchs innerhalb weniger Minuten vergriffen. Feste Sitzplatz-Kontingente sind für Indigene des Landes vorgesehen.

Entschuldigung bei Ureinwohnern 

Papst Franziskus bat am ersten Tag seiner Reise die Ureinwohner des Landes um Vergebung für das erlittene Unrecht. Er bitte um Vergebung für "das Böse, das so viele Christen indigenen Menschen angetan haben", sagte der Papst bei einem Besuch in dem Ort Maskwacis. Das katholische Kirchenoberhaupt bedauerte die Mitwirkung der Kirche an der "kulturellen Zerstörung" der indigenen Gesellschaften. Er äußerte Bestürzung über die Art und Weise, "in der viele Mitglieder der Kirche und von religiösen Gemeinschaften, nicht zuletzt durch Gleichgültigkeit, an Projekten der kulturellen Zerstörung und erzwungenen Assimilierung mitwirkten". Er empfinde Schmerz und Reue, sagte der 85-Jährige.

Führende Vertreter der indigenen Völker Kanadas stellen laut Kathpress nach der Entschuldigung weitere Forderungen an die katholische Kirche. Stammesälteste und Opfer des kanadischen Internatssystems werteten die Worte des Bedauerns von Franziskus als aufrichtig, berichteten kanadische Medien. Nun stelle sich die Frage, was daraus folge.

Misshandlung von Ureinwohner-Kindern

Die päpstliche Bitte um Vergebung für das Versagen kirchlicher Vertreter im System der kanadischen Internatsschulen ist wichtigstes Anliegen des Kanada-Besuchs des Papstes von 24. bis 30. Juli. In Kanada waren seit 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden dort misshandelt oder sexuell missbraucht, tausende starben an Krankheiten oder Unterernährung.

Großhäuptling: Entschuldigung reicht nicht 

Franziskus habe sich "lautstark und deutlich" entschuldigt, so Großhäuptling George Arcand von den First Nations, aber konkrete Zusagen seien nicht in Sicht. Bisher fehle etwa eine Verpflichtung der Kirche zur Rückgabe von indigenen Artefakten. Auch gebe es nach wie vor keinen Zugang zu den Kirchenarchiven, um Täter und Opfer zu identifizieren. Auf Zustimmung stößt bei den Indigenen das Versprechen des Papstes, eine Untersuchung über die historische Rolle der Kirche bei den sogenannten "Residential Schools" vorzunehmen. Diese sollte allerdings von einer unabhängigen Kommission vorgenommen werden, sagte Häuptling Tony Alexis von der "Nakota Sioux First Nation".

Fahrt mit Papamobil 

Weiter am Programm des Papstes steht unmittelbar vor Beginn des Gottesdienstes am Dienstag eine Fahrt von Franziskus mit dem Papamobil, bei der er auch ins benachbarte Clarke Stadion fahren soll. Von dort verfolgen Menschen die Messe auf Videowänden. Es ist zu erwarten, dass der Papst anlässlich des Festtags der heiligen Anna und Joachim (26. Juli), der Großeltern Jesu, über das Verhältnis der Generationen sprechen wird.

Pilgern nach Lac Sainte Anne

Am Dienstag ist nach der großen Messe in Edmonton für den Nachmittag (ab 0.00 Uhr MESZ) ein Wortgottesdienst am Lac Sainte Anne vorgesehen. Dieser liegt 50 Kilometer westlich der Stadt Edmonton. Seit dem späten 19. Jahrhundert pilgern jährlich Tausende katholischer Kanadier und US-Amerikaner an den See, um in seinem Wasser, das als heilig gilt, zu baden und zu beten.

Die meisten Pilger laufen kilometerweit barfuß, wollen Buße tun, legen Schwüre zu einer besseren Lebensführung ab oder erbitten schlicht Heilung von körperlichen Gebrechen. Jährlicher Höhepunkt der Wallfahrten sind die Tage um das Fest der heiligen Anna, der Mutter Marias und Großmutter Jesus, am 26. Juli.

Gesundheitlicher Zustand Thema 

Die jeweiligen Tagesprogramme beim Kanada-Besuch sind vor dem Hintergrund von Alter und dem derzeitigen Gesundheitszustand von Franziskus deutlich übersichtlicher als bei früheren Papst-Reisen. Wie schon in den vergangenen Wochen, benutzte Franziskus wegen seines Knieleidens bei den bisherigen Terminen in Kanada einen Rollstuhl.

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz