APA/APA/AFP/FABRICE COFFRINI

Italien: Marineoffizier unter Spionageverdacht

30. März 2022 · Lesedauer 2 min

Die italienische Regierung und das Verteidigungsministerium sind als Kläger in einem am Mittwoch begonnenen Prozess in Rom gegen einen Marineoffizier zugelassen worden, der einem russischen Botschaftsangehörigen geheime Informationen verkauft haben soll.

Die Richter ließen auch den Verband der Militärangehörigen als Geschädigten zu. Das Schwurgericht ordnete an, dass die Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.

Verteidigungsminister als Zeuge

Die Richter vertagten das Verfahren auf den 15. Juni, bis das Oberste Gericht über den vom Anwalt des Angeklagten vorgebrachten Kompetenzkonflikt mit dem Militärgericht entschieden hat. Auf der Liste der von der Verteidigung vorgeladenen Zeugen stehen auch Verteidigungsminister Lorenzo Guerini, Geheimdienstchefin Elisabetta Belloni und Generalstabschef Giuseppe Cavo Dragone, wie italienische Medien berichteten.

Fotografien von geheimen Dokumenten

Der 55-jährige Fregattenkapitän war im April 2021 wegen internationaler Spionage festgenommen worden. Videos zeigen ihn beim Fotografieren geheimer Dokumente in seinem Büro, wie aus der Untersuchung der Carabinieri und des römischen Staatsanwalts Michele Prestipino hervorgeht. Der Verteidigungsstab hatte Video-Überwachungsanlagen im Büro des Kapitäns platziert, nachdem sein Verhalten als suspekt aufgefallen war.

Geldnot

Der Kapitän soll aus Geldnot einem russischen Diplomaten vertrauliche NATO-Dokumente für 5.000 Euro überreicht haben. Der Vater von vier Kindern hatte finanzielle Probleme, weil er Wohnungskredite zurückzahlen musste und seine Frau damals arbeitslos war. Wegen der Spionageaffäre wies Italien zwei Mitarbeiter der russischen Botschaft aus.

Der Kapitän arbeitet im Büro des Stabschefs für die Verteidigung. Er hatte Zugang zu zahlreichen vertraulichen Dokumenten zur italienischen Verteidigungspolitik und Aktivitäten der NATO, wie die Ermittler feststellten. Die Dokumente, die er dem russischen Diplomaten auf einem Parkplatz in Rom übergeben haben soll, enthielten Informationen in Sachen Telekommunikationssysteme.

Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj