Tausende Venezolaner demonstrieren für Freilassung Maduros
Maduros Sohn, der Abgeordnete Nicolás Maduro Guerra, hielt eine Rede vor den Demonstranten. Er stehe mit seinem in New York inhaftierten Vater über einen "indirekten" Kommunikationskanal in Kontakt, sagte er. Mehr könne er nicht dazu sagen. Nach Angaben von Augenzeugen waren indes in der Nähe des Präsidentenpalastes in Caracas Schüsse zu hören. Die Lage sei aber unter Kontrolle, hieß es am Montagabend aus der Regierung nahestehenden Kreisen: Unbekannte Drohnen seien in der Nähe des Präsidentenpalastes geflogen, daher hätten Sicherheitskräfte das Feuer eröffnet.
Ansonsten kehrte teilweise wieder Normalität ein, die Lage blieb zugleich jedoch angespannt. Viele Geschäfte öffnen wieder, auch wenn die Straßen und sie leerer sind als üblich. "Wir haben Angst, aber wir können uns nicht lähmen lassen", sagt die 52-jährige Unternehmerin Mariela Gonzalez. Viele Menschen seien aus finanzieller Not zur Arbeit zurückgekehrt. "Ob mit Angst oder ohne, man muss essen", sagte eine 41-jährige Fahrerin.
Die USA hatten in der Nacht auf Samstag mit Elitetruppen einen groß angelegten Militärangriff gegen Venezuela ausgeführt und Maduro und dessen Frau Cilia Flores gefangen genommen. Dem langjährigen Staatschef ist in den USA unter anderem wegen "Drogenterrorismus" angeklagt. Bei einem ersten Gerichtstermin am Montag in New York plädierten Maduro und Flores auf nicht schuldig. US-Präsident Donald Trump hat erklärt, die USA würden Venezuela bis zu einem politischen Übergang führen.
Die US-Regierung erklärte sich grundsätzlich zur Zusammenarbeit mit der langjährigen Maduro-Vertrauten Rodríguez bereit. Trump drohte ihr aber zugleich massiv für den Fall, dass sie "nicht das Richtige tut". Er verlangte von Rodríguez "totalen Zugang", unter anderem zum Erdöl des Landes.
Am späten Sonntagabend zeigte Rodríguez erstmals die Bereitschaft zur Kooperation mit Washington. Nach ihrer ersten Kabinettssitzung rief sie die USA auf, "gemeinsam an einem Programm für die Zusammenarbeit zu arbeiten".
Regime fahndet nach USA-Kollaborateuren
Die venezolanische Polizei fahndet unterdessen nach Personen, die bei dem US-Angriff mit den ausländischen Kräften kollaboriert haben. Alle Polizeidienststellen auf Bundes-, Staats- und Gemeindeebene sollten nach Personen suchen, die den Angriff der Vereinigten Staaten unterstützten, hieß es in dem am Montag (Ortszeit) veröffentlichten Dekret zur Verkündung des Ausnahmezustands. In verschiedenen US-Medien hieß es zuvor, dass das US-Militär bei der Kommandoaktion am Wochenende offenbar Unterstützung vor Ort hatte. Unter anderem soll eine Person im direkten Umfeld von Machthaber Maduro ständig Informationen über seinen gegenwärtigen Aufenthaltsort übermittelt haben.
Nach Angaben des venezolanischen Journalistenverbands SNRP wurden zwischenzeitlich 14 Reporter rund um die Ereignisse der letzte Tage festgenommen. Später wurden nach Angaben der Organisation alle Journalisten wieder freigelassen.
Zusammenfassung
- Tausende Anhänger des festgenommenen Präsidenten Nicolás Maduro demonstrierten am Montag in Caracas für dessen Freilassung, während Interimspräsidentin Delcy Rodríguez vereidigt wurde.
- Die USA hatten in der Nacht auf Samstag mit Elitetruppen einen Militärangriff gegen Venezuela ausgeführt und Maduro sowie seine Frau Cilia Flores festgenommen, wobei beide bei einem ersten Gerichtstermin in New York auf nicht schuldig plädierten.
- Die venezolanische Polizei fahndet nach Kollaborateuren des US-Angriffs, und zwischenzeitlich wurden 14 Journalisten rund um die Ereignisse festgenommen, aber später wieder freigelassen.
