APA - Austria Presse Agentur

Israel: Gut versorgt mit Impfstoff aus Europa

23. Jan 2021 · Lesedauer 3 min

Während in der EU die Impf-Pläne stocken, hat Israel keine Probleme – obwohl der Impfstoff aus der EU geliefert wird. Unter anderem, da es Gesundheitsdaten an Pfizer liefert.

Fast kein Tag verging in Österreich in der letzten Woche, ohne das von einem Impfstoff-Hersteller Lieferverzögerungen gemeldet wurden. Zuerst Biontech/Pfizer und am Freitag auch AstraZeneca. Das wirft die Impfpläne – nicht nur in Österreich – über den Haufen. Anders ist die Situation in Israel – obwohl das Land aus Europa beliefert wird. Die Impfquote liegt mittlerweile bei 40 Prozent, täglich kommen mindestens 2,5 Prozent dazu. Bereits nächste Woche soll die 50-Prozent-Marke überschritten werden. In Österreich wurden laut Impf-Dashboard bisher 166.956 Menschen geimpft (Stand: 22.01.2020, 18 Uhr) – bei knapp 9 Millionen Einwohnern. Und auch das ist nur ein Näherungswert.  

Lager voll

Während es in Europa Versorgungsschwierigkeiten gibt, sind die Lager in Israel voll, schreibt die "Tagesschau". Voll mit Biontech/Pfizer-Ampullen. So voll, dass der Impfstoff von Moderna, obwohl zugelassen, noch nicht verimpft wird. Auch deshalb schlägt SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner wohl auch vor, dass die Regierung versuchen sollte, von anderen Ländern – eben auch Israel – Impfstoffe für Österreich zu besorgen.

Impfdaten & Produkthaftung

Warum Israel so gut mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff versorgt ist, hat mehrere Gründe.

  • Zum einen sicherte sich Israel frühzeitig eine große Menge und zum anderen zahlt Israel einfach mehr. Kolportiert sind rund 23 Euro pro Dosis, Europa soll 12 Euro zahlen.
  • Zusätzlich legt Israel keinen Wert auf Produkthaftung von Seitens Pfizers – Europa hingegen schon.
  • Ebenfalls garantiert das Land vertraglich die Übermittlung von Impfdaten an Biontech/Pfizer.

In der Vereinbarung, die öffentlich einsehbar ist, wird die Zusammenarbeit als gemeinsames Bemühen dargestellt, "epidemiologische Daten zu messen und zu analysieren, die sich aus der Einführung des Produkts ergeben" - gemeint sind damit die Impfungen der Bevölkerung.

Screenshot

In dem Dokument heißt es weiter, das israelische Gesundheitsministerium sei von einer bestimmten "Lieferrate" des Impfstoffs von Pfizer und Biontech abhängig, "um eine Herdenimmunität zu erreichen und so schnell wie möglich ausreichende Daten zu erhalten". Beide Parteien erkennen demnach an, "dass der Erfolg des Projekts von der Rate und dem Umfang der Impfungen in Israel abhängt". Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte bereits Anfang Jänner mitgeteilt, dass Israel die Daten zur Wirksamkeit des Impfstoffs mit "Pfizer und der ganzen Welt teilen" werde.

Kritik an der Vereinbarung

Die Übermittlung der Daten stößt in Israel aber auf Kritik. Laut dem Demokratie-Institut (IDI) enthält das Abkommen "eine der umfangreichsten Studien am Menschen im 21. Jahrhundert, und Israels Datenschatz wird dem Rest der Welt für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung stehen".

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe