APA/APA (Symbolbild)/Andreas Lander

Hunderte Brexit-Scheinehen - nur vier mussten Land verlassen

10. Aug. 2022 · Lesedauer 2 min

Seit dem Brexit im Jahr 2018 wurden laut Medien mehrere hunderte Scheinehen geschlossen. Strafrechtlich verfolgt und geahndet wurden nur wenige Fälle.

Einer "BBC"-Recherche zufolge, sollen zwischen März 2018 und September 2021 insgesamt 365 Paare versucht haben, das sogenannte "EU Settlement Scheme" auszunutzen. Durch den Brexit haben viele Ausländer:innen ihr Aufenthaltsrecht verloren, doch liegt eine Ehe mit einem EU-Bürger vor, der schon vor dem Brexit in Großbritannien gelebt hat, darf man im Land bleiben. 

Von diesen 365 Paaren wurden laut Bericht lediglich neun strafrechtlich verfolgt. Vier Personen wurde das Bleiberecht entzogen, sie mussten daraufhin das Land verlassen. Laut britischem Innenministerium seien während der Pandemie weniger derartige Fälle verfolgt worden. Insgesamt wurden Bürger aus 60 Ländern zum Schein geheiratet - fast alle EU-Staaten waren darunter. 

Meiste Ehen mit Albaner:innen 

Bei den Betrugsfällen handelt es sich um EU-Bürger:innen, die mit Nicht-EU-Bürger:innen eine Ehe eingegangen sind. In einigen Fällen kam es zu Scheinehen für Geld, in anderen sollen kriminelle Banden involviert gewesen sein. Die meisten Eheschließungen wurden mit Albaner:innen eingegangen - 146 der 365 Fälle. Dr. Ervin Muco sagte der "BBC", dass kriminellen Gruppierungen ein Ticket zu einem neuen Leben gesehen haben: "Diese Netzwerke wissen, wie man das System betrügt, und sie verdienen Geld mit Leuten, die bereit sind zu zahlen".

In den letzten Jahren, seien laut Muco, viele albanische Männer nach Italien oder Griechenland gegangen. Weil sie dort jedoch keine Staatsbürgerschaft erhalten konnten, hat es sie nach Großbritannien gezogen.

"EU Settlement Scheme"

Das in 2018 initiierte System sichert EU-Bürger:innen, die bereits vor dem Brexit in Großbritannien gelebt haben, weitgehend die gleichen Rechte zu, wie vor dem EU-Austritt. Sie dürfen im Vereinigten Königreich arbeiten, wohnen und das Gesundheitssystem in Anspruch nehmen. Ehepartner jeglicher Nationalität – also nicht nur aus der EU – konnten sich in diesem System ebenfalls bewerben und ein solches Bleiberecht gewährt bekommen.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz