APA - Austria Presse Agentur

Fall Leonie: Verdächtiger gesteht unterlassene Hilfeleistung

07. Juli 2021 · Lesedauer 4 min

Einer der Verdächtigen bekannte sich nun der unterlassenen Hilfeleistung schuldig. Das soll der 18-Jährige gegenüber seinem Anwalt zugegeben haben.

Nach dem gewaltsamen Tod eines 13 Jahre alten Mädchens in Wien-Donaustadt hat einer der Beschuldigten laut seinem Anwalt Thomas Nirk unterlassene Hilfeleistung zugegeben. Weiter nicht geständig ist der 18-Jährige, was den sexuellen Missbrauch oder die Tötung des Mädchens betrifft, bestätigte der Jurist am Donnerstag auf Anfrage einen Online-Bericht von "Heute".

"Mein Mandant hat das so gesagt", so Nirk. Er habe das Gefühl, der Afghane habe auch verstanden, dass er aktiv hätte eingreifen müssen. Nun hat der Anwalt Sorge, dass nach dem Teilgeständnis in der Haft Druck auf den 18-Jährigen ausgeübt werden könnte. Deshalb werde er Freitagfrüh neuerlich das Gespräch mit ihm suchen.

Elf Ecstasy-Tabletten im Körper

Die genaue Klärung der Umstände, die Ende Juni zum gewaltsamen Tod eines 13 Jahre alten Mädchens in Wien-Donaustadt geführt haben, wird einige Zeit auf sich warten lassen. Das detaillierte schriftliche Obduktionsgutachten wird in acht bis zwölf Wochen vorliegen, sagte Thomas Vecsey von der Staatsanwaltschaft Wien am Mittwoch auf APA-Anfrage.

Dann sollte auch feststehen, welche Mengen an Drogen die 13-Jährige konsumiert hatte bzw. wie viel ihr verabreicht wurde und ob bzw. inwieweit die Substanzen mitkausal für ihr Ableben waren. Das Mädchen soll eine massive Dosis an Ecstasy-Tabletten im Körper gehabt haben, in einer Aussage ist von elf Tabletten die Rede. Auch Heroin soll eine Rolle gespielt haben. Ein toxikologisches Gutachten wird Aufschluss darüber geben.

Das Mädchen soll eine massive Dosis an Ecstasy-Tabletten im Körper gehabt haben, in einer Aussage ist von elf Tabletten die Rede. 

Ein an den Tatort - ein Grünstreifen vor einer Wohnhausanlage in der Erzherzog-Karl-Straße - gerufener Gerichtsmediziner war an Ort und Stelle bei einer Erstbeschau der Leiche von Ersticken durch Fremdverschulden ausgegangen. Diesen Eindruck gewann der erfahrene Gerichtsmediziner, weil ihm Fingerabdrücke an den Innenseiten der Oberarme und am Hals des Mädchens auffielen. Er bemerkte überdies Kompressionsspuren am Brustkorb der Leiche, die darauf hindeuteten, dass jemand seine Knie gegen den Körper des Mädchens gedrückt haben könnte. Diese Indizien legten den Schluss nahe, dass gegen den Teenager Gewalt ausgeübt wurde.

Nach ersten Ermittlungen traf die 13-Jährige am 25. Juni den 16- und den 22-Jährigen am Donaukanal, wo ihr die beiden bereits Ecstasy verabreicht haben sollen. Dann seien die beiden afghanischen Staatsbürger gemeinsam mit dem Mädchen und einem weiteren Landsmann (18) in dessen Wohnung in die Donaustadt gefahren, wohin auch der vierte Verdächtige - ein 23-Jähriger - gekommen sein soll. Dort wurden dem Mädchen weitere Drogen verabreicht. Mindestens zwei der drei Männer haben sie dem Ermittlungsstand zufolge vergewaltigt.

Barbara Gass, Sprecherin der Wiener Polizei, sagt gegenüber PULS 24: "Das Mädchen ist freiwillig in die Wohnung gekommen".

Herz hörte auf zu schlagen

Als die 13-Jährige das Bewusstsein verlor, wurden die Männer nervös. Den Berichten zufolge soll das Herz des Mädchens zu schlagen aufgehört haben. Die Verdächtigen hätten ihr daraufhin Milch und Joghurt eingeflößt und sie unter eine Dusche gehalten. Doch die Unmündige zeigte keine Lebenszeichen mehr. Sie hätten sie daraufhin in einen Teppich gewickelt und das Mädchen auf dem Grünstreifen an einen Baum gelehnt.

In Newsroom LIVE sprichen Birgit Entner-Gerhold, Journalistin bei den "Vorarlberger Nachrichten" und Clemens Neuhold vom "Profil" über den Fall-Leonie.

Um 6.59 Uhr war bei der Rettung ein Notruf eingegangen. Zeugen hatten die 13-Jährige an dem Baum entdeckt und mit der Reanimation begonnen. Einsatzkräfte übernahmen, die Versuche, die Jugendliche wiederzubeleben, blieben aber erfolglos. Dabei gab sich der 16-Jährige, der nun als Verdächtiger in U-Haft sitzt, als Zeuge aus, der den Notruf gewählt haben will. Ein Polizeispürhund konnte dann später mit Hilfe eines Schuhs des Mädchens die mutmaßliche Tatwohnung ausfindig machen. Unterdessen ging auch ein Bekannter der Afghanen zur Polizei und berichtete, dass ihm der Freund die Geschehnisse in der Wohnung geschildert habe. Danach wurden die drei Männer nach und nach festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Zusammenhang derzeit wegen Vergewaltigung mit Todesfolge und Missbrauchs einer wehrlosen Person (§ 205 StGB). Die aus Afghanistan stammenden Tatverdächtigen im Alter von 16, 18 und 23 Jahren befinden sich in U-Haft, nach dem 22 Jahre alten Landsmann und möglichen Mittäter des Trios wird Länder übergreifend gefahndet. Er wird laut einem Zeugen in Italien vermutet.

Quelle: Agenturen