Strache trifft Gudenus: Geeint in der Opferrolle

17. Mai 2022 · Lesedauer 4 min

Drei Jahre nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos trafen der ehemalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus bei PULS 24 Infochefin Corinna Milborn wieder öffentlich aufeinander. Sie sind sich vor allem darin einig, unfair behandelt zu werden.

Erst nach seinem Rücktritt habe Heinz-Christian Strache davon erfahren, dass sich sein jahrelanger Weggefährte Johann Gudenus schon vor dem besagten Abend auf Ibiza mehrmals mit "Ibiza-Detektiv" Julian Hessenthaler getroffen hatte, sagt er. Vor allem das Mittagessen von Gudenus und Hessenthaler am Tag vor dem Abend in der Finca habe er "besonders absurd" gefunden.

Freunde seit 32 Jahren

Auch dass das Treffen um einen Tag verlegt worden sei, nur damit Strache dabei sein könne, habe Misstrauen in ihm ausgelöst. Er habe drei Jahre Distanz zu Gudenus gebraucht. Bei einer Geburtstagsfeier von Karl Baron, FPÖ- und später "Team HC"-Politiker, habe man sich aber drei Stunden lang "unter vier Augen" ausgesprochen. "Ja, wir treffen einander. Ja, wir reden miteinander", sagt Strache heute. Schließlich sei man "seit 32 Jahren" befreundet.

Nun habe man "in einigen Gesprächen einiges aufklären können", versichert auch Johann Gudenus. Laut ihm sei "das Ganze relativ einfach zu erklären". Das Video sei lange "vorgeplant" gewesen. Gudenus sei nach eigener Darstellung "als Vehikel" benutzt worden, um Strache "aufs Glatteis zu führen, ihm Fallen zu stellen, ihn zu Fall zu bringen", wie er sagt. 

Zurück zum Ende: HC Strache kehrt nach Ibiza zurück

Und da sind sich die beiden einiger als je zuvor, wie sie mehrmals ausführen: Das Video sei "über viele Jahre hinweg" geplant gewesen - und zwar sei es "von keinem Heiligen" geplant worden - es habe "einen klaren Auftrag gegeben". Dass Strache und Gudenus sieben Stunden dort gesessen sind, wie "Profil"-Journalistin Eva Linsinger ausführt, und sie niemand gezwungen hat, "in dem Video aufzutreten", stört die beiden ehemaligen FPÖ-Politiker in ihrer Erzählung nicht. 

"Wenn jemand wirklich nicht korrupt ist, dann steht er auf und geht"

Denn die Passagen aus dem Ibiza-Video, die in den Medien veröffentlicht worden seien, seien "manipulativ" und "Gesinnungsjournalismus", sagen Strache und Gudenus mehrmals unisono. Linsinger klärt auf: "Die Langfassung des Videos ergibt keinen neuen Eindruck". Das Gerede über die Aufträge der Strabag oder den Kauf der "Kronen Zeitung" etwa müsse nicht straffrechtlich relevant sein, "um schon moralisch relevant zu sein". Die Journalistin vermisst bei den Ex-FPÖ-Politikern die Selbstreflektion. "Wenn jemand wirklich nicht korrupt ist, dann steht er auf und geht". 

Selbstreflektion habe sehr wohl stattgefunden, betont Strache: Er sei zurückgetreten und habe sich für die Peinlichkeit, die Übertreibung, das Wichtigtun, "das alkoholgeschwängerte Verhalten, das kettenrauchende Verhalten, das peinliche Leiberl" entschuldigt. Aber: Gerüchte über andere Parteien hätte er so "letztlich aufgedeckt".

Dass er sich beim Thema "Kronen Zeitung" eine andere Berichterstattung und FPÖ-freundlichere Journalist:innen gewünscht hätte, gibt Strache zu: "Die 'Kronen Zeitung' konnte ich gar nicht verkaufen. Das war mir völlig Blunzen. (...) Journalisten, die nicht nur negativ berichten, wäre ein Wunsch gewesen."

"Ablenkungsmanöver von den wahren Skandalen"

Auch Gudenus kritisiert die Medien und sieht gar ein "Ablenkungsmanöver von den wahren Skandalen". Die FPÖ sei anders behandelt worden als andere Parteien. Bundespräsident Alexander Van der Bellen habe etwa nach der Veröffentlichung des Videos gesagt: "So sind wir nicht." Bei der ÖVP und den Grünen habe er das nie gesagt, kritisiert Gudenus. 

Linsinger erinnert: Die Bundesregierung habe nicht Van der Bellen aufgelöst. Die FPÖ-Minister seien zurückgetreten, dann habe es einen Misstrauensantrag gegeben. Und die Pläne über den Verkauf der "Kronen Zeitung" hätten das medienpolitische Verständnis der Politiker offenbart. 

Die Folgen des Ibiza-Videos

Für die Journalistin hat das Ibiza-Video nach drei Jahren "eine ganze Kette" ausgelöst. Ohne das Video hätte Österreich keine Expertenregierung gehabt, die der Justiz die Hausdurchsuchungen ermöglicht habe, die zu den Chats und Korruptionsermittlungen auch gegen ÖVP-Politiker geführt haben. Somit habe man zumindest "Einblicke, wie es in den Parteien zugeht", es gab Rücktritte und es gibt Ermittlungen. Außerdem habe die Causa gezeigt, dass man einen Bundespräsidenten brauche. 

Gudenus sieht die Folgen des Videos etwas anders: Er glaubt, dass Sebastian Kurz die Regierung auch ohne Ibiza-Video aufgelöst hätte, "weil er nicht mit ansehen wollte, dass es der FPÖ so gut geht". Außerdem gebe es nun den "Ansatz des Gedankens", dass im Journalismus "einiges schiefläuft". Strache pflichtet Gudenus bei: Die Auflösung der Regierung sei "längst geplant gewesen". In Bezug auf die Russlandpolitik hätte Strache heute "die Neutralität" gelebt, wie er sagt - auch dahingehend könnte Österreichs Politik ohne das Video völlig anders aussehen.

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Quelle: Redaktion / koa