Gründerin der "Mütter der Plaza de Mayo" gestorben

20. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Die Mitgründerin und Präsidentin der argentinischen Menschenrechtsorganisation Madres de Plaza de Mayo (Mütter des Platzes der Mairevolution), Hebe de Bonafini, ist tot. Sie starb im Alter von 93 Jahren, wie die staatliche Nachrichtenagentur Télam am Sonntag unter Berufung auf ihr nahestehende Personen berichtete. Zuvor war sie mehrere Tage für Untersuchungen in einem Krankenhaus in La Plata in der Provinz Buenos Aires.

"Liebste Hebe, Mutter der Plaza de Mayo, weltweites Symbol für den Kampf um die Menschenrechte, Stolz Argentiniens. Gott hat dich am Tag der Nationalen Souveränität zu sich gerufen - das kann kein Zufall sein", schrieb die argentinische Vizepräsidentin Cristina Kirchner auf Twitter.

Hebe de Bonafini wollte eigentlich immer nur Hausfrau und Mutter sein, doch die Verbrechen der argentinischen Militärdiktatur machten sie zu einer der bekanntesten Menschenrechtsaktivistinnen der Welt. Nachdem ihre beiden Söhne und ihre Schwiegertochter von den Militärs verschleppt worden waren, gründete sie 1977 mit anderen Frauen die Organisation Madres de Plaza de Mayo (Mütter des Platzes der Mairevolution). Jeden Donnerstag demonstrierten sie mit weißen Kopftüchern auf dem Platz vor dem Regierungspalast im Zentrum von Buenos Aires und forderten Aufklärung über das Schicksal ihrer Kinder.

Bonafini stammte aus einfachen Verhältnissen und interessierte sich eigenen Angaben nach nie für Politik. Ihre Söhne hingegen schlossen sich in den 1970er Jahren der Studentenbewegung an und gerieten nach dem Putsch ins Visier der neuen Machthaber. Bonafinis ältester Sohn wurde auf einer Polizeiwache gefoltert und ermordet. Ihr jüngerer Sohn verhungerte und verdurstete im Geheimgefängnis "La Cacha". Ihre Schwiegertochter wurde erschossen. Bonafini sagte mehrfach, dass sie den Tätern niemals verzeihen werde.

Nach dem Ende der Militärdiktatur (1976-1983) setzten sich die Madres de Plaza de Mayo zunächst vor allem für die strafrechtliche Aufarbeitung der verübten Verbrechen und das Gedenken an die Opfer ein. Später bezogen sie auch zu anderen gesellschaftspolitischen Themen Stellung. Das führte zur Abspaltung der Línea Fundadora (Gründerinnen-Linie), die diese politische Positionierung ablehnt und sich als reine Menschenrechtsgruppe versteht.

Wegen ihres autoritären Führungsstils und umstrittener Aussagen geriet Bonafini auch immer wieder in Kritik. So rechtfertigte sie die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001, unterstützte die Diktatur auf Kuba und galt als Sympathisantin der linken kolumbianischen Guerillaorganisation FARC.

Während der Amtszeit von Néstor Kirchner (2003-2007) und Cristina Fernández de Kirchner (2007-2015) unterhielt Bonafini enge Beziehungen zur Regierung. Später wurde gegen sie wegen mutmaßlicher Veruntreuung von Millionen-Beträgen beim Bau von Sozialwohnungen ermittelt.

Quelle: Agenturen