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Griechenland wirft Türkei Schlepperaktivitäten vor

08. Dez 2020 · Lesedauer 2 min

Griechenland beschuldigt die Türkei, Migranten gezielt auf griechische Inseln zu schicken. "Wir haben zuverlässige Informationen darüber, dass Schlepper in der Türkei bewusst Migranten aus Somalia sammeln und über Griechenland in die EU schicken", sagte Migrationsminister Notis Mitarakis am Dienstag vor Journalisten in Athen. Man sei misstrauisch geworden, weil seit dem 1. November insgesamt 214 Migranten illegal zur Insel Lesbos übergesetzt hätten, 142 davon aus Somalia.

Es lägen Beweise dafür vor, dass somalische Bürger von der Türkei Visa erhielten, die auch beworben würden, etwa mit dem Slogan "Geh in die Türkei und studiere", sagte Mitarakis. Es gebe in Mogadischu eigens einen türkischen Ansprechpartner, der die Menschen bei der Einreiseprozedur unterstütze; die Kosten dafür beliefen sich auf 1.300 bis 1.500 Euro. In anderen Fällen seien Flüchtlingshelfer von Nicht-Regierungsorganisationen daran beteiligt, die Menschen bei Flügen in die Türkei zu unterstützen - auch dafür lägen entsprechende Aussagen Beteiligter vor.

Man verlange von der Türkei, sich an den 2016 geschlossenen Flüchtlingspakt mit der EU zu halten, sagte Mitarakis und forderte in dieser Hinsicht auch Unterstützung seitens der EU. Bereits vergangene Woche hatte sich das griechische Migrationsministerium mit einem entsprechenden Schreiben an EU-Innenkommissarin Ylva Johansson gewandt. Der Vorwurf darin: Die türkische Küstenwache habe ein Boot mit 34 Flüchtlingen in Richtung griechischer Gewässer gezwungen. Im Anschluss war das Boot gekentert, zwei Frauen kamen ums Leben.

In Griechenland sind heuer laut Angaben des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) rund 15.000 Migranten angekommen, knapp 9.500 von ihnen auf griechischen Inseln wie Lesbos, Chios und Samos. Die Situation auf diesen Inseln bleibt angespannt, die Lager sind vor allem auf Chios und Samos doppelt und dreifach überbelegt.

Quelle: Agenturen