Mangott: Müssen Putins Nuklearwaffen-Drohung ernst nehmen

21. Sept. 2022 · Lesedauer 2 min

Nach der Rede des russischen Machthabers Wladimir Putin zur Teilmobilisierung von Reservisten, wächst auch die Angst eines nuklearen Angriffs. Politikwissenschaftler Gerhard Mangott sagt im PULS 24 Interview, dass man die Drohung ernst nehmen und nicht über einen Bluff spekulieren sollte.

Die russische Angriffskrieg läuft nicht so, wie es sich der russische Präsident Wladimir Putin vorgestellt hat. Nachdem die Ukraine Teile von besetzten Gebieten zurückerobert hat, hat Putin in einer Rede eine Teilmobilisierung von 300.000 Reservisten angekündigt. Auch der Einsatz von Nuklearwaffen schwang in der Rede mit. 

Politikwissenschaftler Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck sagt im PULS 24 Interview, dass die Aussage Putins durchaus ernst zu nehmen ist. Spekulationen, ob es sich um einen Bluff handle, hält er in dieser "schwierigen und dramatischen Situation für völlig unangebracht".

Interpretation von Putins Aussage ein "schwieriges Spiel"

Mangott hält die Interpretation von Putins Drohung für ein schwieriges Spiel. Trotzdem ist er der Meinung, dass man es beim Einsatz von Nuklearwaffe nicht darauf ankommen lassen sollte. Man müsse sich jetzt mit der Frage auseinandersetzen, wie man auf eine mögliche Detonation einer Nuklearwaffe reagieren sollte. 

Der Westen wird "gegenschrecken", so Mangott. Er wird die Ukraine weiterhin unterstützen und sich "nicht beirren" lassen. Hinter der Kulisse würde allerdings bereits besprochen werden, wie man militärisch reagieren könnte.

Die USA könnten laut dem Politikwissenschaftler nach einer russischen Detonation eine eigenen Nuklearwaffe abwerfen. Auch ob Indien und China den Einsatz verurteilt und Russland damit international ausgrenzt, muss als mögliche Konsequenz betrachtet werden. 

Nukleardoktrin rechtfertig Einsatz von Atomwaffen

Jetzt kommt viel darauf an, wie Putin mit der Drohung weitermachen wird. Laut Mangott könnte ein nächster Schritt Putins sein "explizit mit dem Einsatz" zu drohen. Sollte dies nicht ausreichen, wäre auch eine demonstrative Detonation über ein unbewohntes Gebiet die Folge. Schlimmstenfalls könnte es tatsächlich zum Einsatz von Atomwaffen kommen. Allerdings nicht in eroberten Gebieten oder an der Fronlinie, aber vielleicht in der Westukraine oder über Kiew. 

In der russischen Nukleardoktrin wird der Gebrauch von Atomwaffen damit gerechtfertigt, wenn die Existenz des russischen Staates auf dem Spiel steht.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz