Karner: "China hat kein Interesse, den Konflikt militärisch zu eskalieren"

05. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Gerald Karner, PULS 24 Militärexperte, meint im Interview, dass China kein Interesse daran hätte, den Konflikt militärisch eskalieren zu lassen. China wolle lediglich Säbel rasseln, um ihre Entschlossenheit gegenüber Taiwan zu demonstrieren.

China führt derzeit militärische Manöver in Gewässern rund um Taiwan durch. Dabei kam es auch zu Schüssen in japanischen Gewässern, was die Frage aufwirft, ob es nun zu einer Konflikt-Eskalation kommt. PULS 24 Militärexperte Gerald Karner meint, dass China keinen Krieg mit anderen asiatischen Ländern beginnen werde. Das könnte sich das Land nicht leisten und es würde auch keinen Erfolg haben. 

Bei den Manövern würde es sich lediglich um "massives Säbelrasseln" handeln,  um die chinesische Entschlossenheit gegenüber Taiwan zu demonstrieren. China wolle keine militärische Eskalation und sollte es zu keinem Zwischenfall kommen, werden die Manöver, wie geplant, am Sonntag enden. Der Militärexperte glaubt, dass sich die Lage nach den Manövern wieder stabilisieren werde.

Wahrscheinlichkeit eines Zwischenfalls "hoch"

Die Wahrscheinlich eines unbeabsichtigten Zwischenfalls sei allerdings hoch, meint Karner. Derzeit befinden sich viele militärische Kräfte auf engem Raum. Neben den chinesischen Streitkräften in internationalen Gewässern und am Rande von taiwanesischen Seeräumen sind auch Seefloten aus Taiwan, Japan und den USA dort stationiert.

Xi Jinpings Wiederwahl

Japan hat eine sehr moderne Seestärke und die USA haben bereits angekündigt, dass ein Angriff auf Taiwan nicht unbeantwortet bleiben würde. China wolle nicht das Risiko eingehen, eine Instabilität zu verursachen, da ihre Wirtschaft darunter leiden würde, so Karner. 

Staatspräsident Xi Jinping würde mit den derzeitigen Manövern versuchen, Stärke zu zeigen. Mit den Taiwan-Ansprüchen wolle er seine Wiederwahl zum Parteivorsitzenden beim bevorstehenden Volkskongress im September sichern. 

Handel eingeschränkt

Karner spricht zudem davon, wie sehr andere asiatische Länder von dem Konflikt bereits betroffen seien. Auf der "besetzten" Taiwan-Route befinden sich nämlich starke und wichtige Welthandelsrouten.

Keine chinesische Unterstützung für Russland

Auf die Frage, ob sich China militärisch an dem Krieg in der Ukraine beteiligen werde, sagt Karner, dass die Wahrscheinlichkeit gering sei. Auch eine Einmischung Russlands in den Taiwan-Konflikt werde nicht passieren, da Russland aufgrund des Ukraine-Krieges nicht die Kapazitäten hätte. China hätte sich zudem emanzipiert und würde neuere Flugzeuge und Schiffe besitzen.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz