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Geflüchtete Ukrainerinnen wollen arbeiten

24. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Der überwiegende Teil der aus der Ukraine nach Österreich geflüchteten Frauen will arbeiten. Das hat eine Studie des Instituts für Familienforschung im Auftrag des Integrationsfonds ergeben.

87 Prozent wollen demnach einen Job. Dabei gibt es durchaus Bereitschaft, in Branchen zu arbeiten, die händeringend nach Arbeitskräften suchen, etwa der Sozialbereich und die Gastronomie.

Davor wenige in Gastronomie

Befragt wurden für die Studie online 833 Frauen aus dem Pool von Vertriebenen, die mit dem Integrationsfonds (ÖIF) in Kontakt getreten waren. In dieser Gruppe ergab sich ein erstaunlich hohes Bildungsniveau. 72 Prozent haben einen Hochschulabschluss, weitere rund elf Prozent haben ein Studium zumindest begonnen. Dabei geht Wolfgang Mazal, Leiter des Instituts für Familienforschung, von einem hohen Ausbildungsniveau in der Ukraine aus.

Der größte Teil der in Österreich gelandeten Frauen war in der Heimat in den Bereichen Büro sowie Handel und Vertrieb tätig. Ebenfalls stark vertreten ist der Bildungssektor. Gering ist der Anteil an Personen, die in der Gastronomie arbeiteten.

Büro-Job als Wunsch-Tätigkeit

Dennoch ist gerade letzterer Bereich jene Tätigkeit, in der die meisten nach ihrer Ankunft in Österreich bereits aktiv geworden sind. Dahinter folgt der Sektor Reinigung, wiewohl nur ein verschwindend kleiner Teil der ukrainischen Frauen daheim ihr Geld mit Putzen verdient hatte. Dementsprechend meinten 57 Prozent der bereits Tätigen, dass ihre aktuelle Arbeiten ihrer Qualifikation eher nicht bzw. gar nicht entsprechen.

Was die Wunsch-Tätigkeiten betrifft, liegt das Büro gefolgt vom Sozialen an erster Stelle. Dahinter folgen Gastgewerbe, Bildung und Gesundheit.

Rund 21 Prozent fühlen sich ausgegrenzt

Dass die Ukrainerinnen auf der Flucht vor der russischen Aggression gerade in Österreich angelangt sind, ist nur in einem guten Drittel der Fälle ein Zufall. Die anderen Vertriebenen haben entweder schon Zeit in Österreich verbracht, Verbindungen etwa verwandtschaftlicher Natur oder es wurde ihnen Österreich empfohlen.

Immerhin 17 Prozent der Befragten verfügen über Deutsch-Kenntnisse, 58 Prozent über welche in Englisch. Ausgegrenzt fühlen sich nur rund 21 Prozent der Personen.

Viele Frauen mit Kindern geflüchtet

Durchaus ein Thema ist dennoch die Einsamkeit. 45 Prozent berichten von entsprechenden Problemen. In etwa gleich viele fühlen sich antriebslos.

Dabei leben fast 65 Prozent der befragten Frauen mit ihren Kindern zusammen, am zweithäufigsten mit der Mutter (zu 18 Prozent), gefolgt von Partnern (14 Prozent). Letzteres hängt auch damit zusammen, dass wehrfähige Männer nur in Ausnahmefällen (etwa mindestens dreifache Väter) die Ukraine verlassen durften. So gaben auch nur sechs Prozent an, den Partner bzw. Geschwister nachholen zu wollen.

Mazal betont, dass an sich Fernbeziehungen in Osteuropa nicht so selten wie im Westen sind. Das begründet vielleicht auch, warum ein Nicht-Nachkommen des Partners selten als Grund dafür angegeben wird, in die Ukraine zurückzukehren. An der Spitze liegen hier wenig überraschend ein Abzug russischer Truppen bzw. die Wiederherstellung der Sicherheit im Land. Dahinter folgt, wenn Angehörige einen brauchen, sowie, wenn man in Österreich keine Arbeit findet.

Frauen größter Anteil der Geflüchteten

Dass die Umfrage nur unter weiblichen Vertriebenen durchgeführt wurde, hängt auch damit zusammen, dass diese den größten Anteil der Geflüchteten repräsentieren. Rund 70 Prozent sind weiblich und der Anteil der Jungen ist dabei hoch, wie aus einem erneuerten Factsheet des Integrationsfonds hervorgeht. 78.000 Personen wurden in Österreich registriert, 55.000 davon kamen in die Grundversorgung. Dabei sind fast 40 Prozent unter 20 und 30 weitere Prozent unter 40. Auffällig ist, dass von den Jüngeren weit überdurchschnittlich viele in der Ukraine im auch hierzulande gefragten IT-Sektor tätig waren.

Programme des Integrationsfonds gibt es für die Flüchtlinge weiterhin, neben den Sprachkursen etwa ein Buddy-Projekt, für das sich rund 600 Interessierte gemeldet haben. Dabei geht es darum, dass vor allem jüngere Menschen von bereits in Österreich lebenden Personen mit gemeinsamen Aktivitäten ins Leben hierzulande quasi eingeführt werden. Trotz des Rückgangs an Flüchtlingen werden die Angebote des Integrationsfonds weiter praktisch unverändert nachgefragt. Für den Herbst erwartet man sogar wieder einen verstärkten Anstieg des Interesses.

Quelle: Agenturen / pea