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Fremden- und Frauenfeindlichkeit im Netz weiter im Vormarsch

Heute, 12:40 · Lesedauer 4 min

Die Antidiskriminierungsstelle Steiermark hat am Montag Entwicklungen und Trends bei Online-Hass der vergangenen knapp zehn Jahre präsentiert: "Der Hass beschleunigt sich immer mehr und wird strategisch geplant", lautete das Fazit von Leiterin Daniela Grabovac. Es sind nicht mehr nur Einzelpersonen, die ihren Frust im Netz ablassen, sondern ganze Kampagnen - oftmals unterstützt durch Künstliche Intelligenz (KI) - würden gezielt Hass im Netz schüren und Fake News verbreiten.

Die Entwicklungen haben Grabovac und ihr Team anhand der Auswertungen aus der Ban-Hate-App aus den Jahren 2017 bis 2025 herausgelesen. Beim Start der App im Frühjahr 2017 ging man von etwa 1.000 Meldungen pro Jahr aus, doch die Anzahl der gemeldeten Fälle war deutlich höher. Insgesamt wurden über die App bisher 23.343 Hasspostings gemeldet, von denen 11.263 an die zuständigen Stellen und Behörden in Österreich, Deutschland und der Schweiz weitergeleitet und zur Anzeige gebracht wurden. In den anderen Fällen war die Sachlage verjährt oder zu "schwach" für eine Anzeige.

Es zeigte sich, dass klar auf Platz eins verhetzende Inhalte (3.433) stehen, gefolgt von nationalsozialistischer Wiederbetätigung (2.668) und Beleidigungen oder übler Nachrede (1.734). Besonders NS-Parolen hätten durch die Corona-Pandemie einen "Turbo" erfahren, so Grabovac. Neu während der Pandemie waren auch Aufrufe zu Gewalt an Politikerinnen und Politikern, Polizistinnen und Polizisten, Journalistinnen und Journalisten sowie ärztlichem Personal. Über den gesamten Zeitraum hinweg sei der häufigste Beweggrund Fremdenfeindlichkeit gewesen. Nur während der Corona-Pandemie 2020 und 2021 überwogen andere Themen.

Generell wurde festgestellt, dass digitale Gewalt häufig in Zusammenhang mit öffentlichen Ereignissen, Krisen und Kriegen steht. So waren viele der Hass-Postings zu Beginn der App noch im Zusammenhang mit den Fluchtbewegungen aus Syrien und Afghanistan zu sehen, dann folgten Corona, der russische Angriffskrieg und der Terrorangriff der Hamas auf Israel. Das löste viele antisemitische und antimuslimische Postings aus, ebenso wie Desinformation, Propaganda und Verschwörungserzählungen. "Man sagt ja, die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst", unterstrich Grabovac.

Trend zu mehr Frauenfeindlichkeit im Netz

Ein Trend zu mehr Frauenfeindlichkeit im Netz sei laut den Expertinnen und Experten ebenfalls wieder zu erkennen. Nach der #MeToo-Bewegung 2018 greife diese durch frauenverachtende Influencer vorwiegend aus dem englischsprachigen Raum immer mehr auf den deutschsprachigen Raum über. Auffallend sei, dass sowohl Hasspostings gegen Frauen als auch muslimischer Extremismus ein ähnliches Rollenbild der Frau propagieren und Überschneidungen zu erkennen seien.

Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) bekräftigte: "Der gewaltbereite Frauenhass nimmt weltweit zu. Frauen im öffentlichen Raum, Politikerinnen oder Frauen aus der Unterhaltungsbranche werden angegriffen. Das ist demokratiefeindlich. Der Rechtsstaat wird darauf antworten und das nicht dulden." Es brauche Berichte wie durch die Ban-Hate-App, um solche Tendenzen und Strömungen zu erkennen und Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Leichtfried erkennt in der Arbeit der Stelle ein "Lagebild, wie sich Hass und Hetze im Internet verbreiten".

KI im Vormarsch

Ein weiteres Problem sei, dass die Betroffenen und auch die Tatverdächtigen immer jünger werden. Die Radikalisierung im digitalen Raum sei eine der größten Sicherheitsherausforderungen, so der Staatssekretär, der von ausländischen Gruppierungen sprach, die bewusst in Europa radikalisieren und destabilisieren wollen. Deshalb sei ein Mindestalter für Social-Media-Nutzung unbedingt nötig. Er appellierte an FPÖ-Chef Herbert Kickl, die diesbezüglichen Pläne der Bundesregierung mitzutragen.

Zusätzliches Problem ist die Nutzung von KI für Memes und Postings - sei es einfach für Übersetzungen in viele Sprachen oder auch für die Generierung von Deep-Fake-Bildern, wie etwa im Fall der deutschen Schauspielerin Collien Fernandes. Besonders seit 2025 habe die Nutzung von KI in diesen Bereichen extrem zugenommen, sagte Grabovac.

Die Antidiskriminierungsstelle Steiermark samt der Ban-Hate-App stand im Vorjahr schon vor dem Aus, da die steirische FPÖ-ÖVP-Landesregierung Förderungen eingestellt hatte. Nachdem zuerst die Stadt Graz auf Bestreben von SPÖ-Chefin Doris Kampus mit Geld einsprang, war es im Jänner dann das Sozialministerium, das mit einer Projektförderung in der Höhe von 490.000 Euro bis Ende Oktober 2027 den Fortbestand sicherte. Die Ban-Hate-App wird im gesamten deutschen Sprachraum zur Meldung von Hasspostings verwendet. Es wird mit den Expertinnen und Experten der Extremismuspräventionsstelle Steiermark "next: no to extremism" - darunter Soziologieprofessorin Katharina Scherke, den Historikern Helmut Konrad und Dieter Binder - wie auch mit den RosaLila PantherInnen zusammengearbeitet.

Zusammenfassung
  • Seit 2017 wurden über die Ban-Hate-App 23.343 Hasspostings aus dem gesamten deutschen Sprachraum gemeldet, von denen 11.263 an Behörden weitergeleitet wurden.
  • Fremdenfeindlichkeit ist laut Antidiskriminierungsstelle Steiermark der häufigste Beweggrund für Hass im Netz, wobei verhetzende Inhalte (3.433 Fälle) und nationalsozialistische Wiederbetätigung (2.668 Fälle) dominieren.
  • Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz zur Verbreitung von Hass und Deep-Fake-Bildern hat seit 2025 stark zugenommen, und der Fortbestand der Ban-Hate-App ist durch eine Förderung des Sozialministeriums in Höhe von 490.000 Euro bis 2027 gesichert.