FPÖ wittert Verschwörung: Sobotka soll erklären, ob Eliten die Pandemie vorbereiteten

07. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Die FPÖ sorgt aktuell mit einer skurrilen parlamentarischen Anfrage für Aufregung. Der Abgeordnete Gerald Hauser beruft sich auf einen Kreml-nahen Verschwörungsideologen und will von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka unter anderem wissen, ob Eliten die Pandemie vorbereitet hätten.

Die FPÖ kann es nicht lassen, hinter der Corona-Pandemie eine große Verschwörung zu sehen. Schon seit Längerem tritt die Partei gegen Corona-Maßnahmen wie Masken und Lockdowns und teils gegen die Impfung auf. Die Partei kokettiert mit den Maßnahmen- und Impfkritikern bis -gegnern auf der Straße und organisierte auch selbst Demos. Unter deren Besuchern befanden sich immer wieder Verschwörungsideologen und Rechtsextreme.

Dazu kamen die gefährlichen Medikamenten-Empfehlungen von Parteichef Herbert Kickl (FPÖ), der entgegen der Meinung renommierter Wissenschaftler und der WHO lieber auf Pferdeentwurmungsmittel setzte.

Fragwürdige Anfrage

Nun aber will es der Osttiroler FPÖ-Abgeordnete Gerald Hauser ganz genau wissen: In einer parlamentarischen Anfrage an Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) fragt er unter anderem ab: "Ist Ihnen bekannt, dass Corona-Pandemie [sic!] seitens der Eliten seit Jahren vorbereitet wurde?" Und weiter: "Da mittlerweile offensichtlich ist, dass die Pandemie vorbereitet wurde, wie werden Sie diese Erkenntnisse bei Ihren Entscheidungen zu den Corona Maßnahmen in der Zukunft berücksichtigen?"

Screenshot aus der Anfrage.

Das Erkenntnis, dass die Pandemie vorbereitet wurde, will der Abgeordnete in einem Buch namens "Inside Corona" nachgelesen haben. Der Autor des Buches ist Thomas Röper, der auf Wikipedia als "'Kreml-treuer' Verbreiter von Desinformation wie falscher Behauptungen und Fake News, Verschwörungsideologien sowie russischer Regierungspropaganda", beschrieben wird. 

Fragwürdige Quelle

Röper betreibt den Blog "Anti-Spiegel.ru", der es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit den "Mainstreammedien" und der "Lügenpresse" abzurechnen. Den "Spiegel" bezeichnete er laut Recherchen von "Belltower News", einem Blog der Amadeu Antonio Stiftung, als "Sturmgeschütz der NATO", das Massaker in der ukrainischen Stadt Butscha leugnete er. Auch die Rechercheplattform "Correctiv" zeigte Lügen in der Ukraine-Berichterstattung durch "Anti-Spiegel.ru" auf. So wurde dort etwa fälschlich behauptet, Polen wolle die Westukraine einnehmen.

Für Aufsehen sorgte Röper vor Kurzem als er selbst in der Ukraine auftauchte und sich dort mit dem russischen "Z-Symbol" ablichten ließ. Unterwegs war er dort mit dem russischen Militär. Auch im russischen Fernsehen war Röper immer wieder zu sehen. 

Was seine Ansichten zu Corona angeht, so bedient sich Röper unter anderem der Verschwörungserzählungen vom "Great Reset", wonach Eliten und weltweite Organisationen an einem weltweiten Neustart arbeiten würden. Nicht selten bedienen sich Anhänger der Erzählung antisemitischer Codes. So wird etwa George Soros, der Gründer der Open Society Foundation mit ungarisch-jüdischer Herkunft, als Schuldiger betrachtet. 

Soros wird auch in der Anfrage des FPÖ-Abgeordneten erwähnt. Schon 2009 habe es ein Treffen - unter anderem mit Soros und Microsoft-Gründer Bill Gates - gegeben, zitiert Hauser aus Röpers Buch. Was das mit der Pandemie zu tun haben soll, bleibt dahingestellt. 

Ob die Anfrage der FPÖ-Parteilinie entspricht und wie die FPÖ zu Thomas Röpers Ansichten steht, beantwortete der Parlamentsklub auf PULS 24 Anfrage bis Donnerstagnachmittag nicht. Die gleiche Anfrage richtete der Abgeordnete übrigens schon im Juni auch an sämtliche Ministerien. Sie haben bis 14. August Zeit mit ihren Antworten.

Heftige Kritik

Im Netz sorgte die Anfrage jedenfalls für Kritik: "Eine Frage wurde offenbar vergessen: 'Wie vermeidet man, vom Rand der Erdscheibe zu fallen, wenn das rationale Denken aussetzt?' Unfassbar, die Anfrage. Der glaubt das wirklich!", kommentiert etwa Philipp Hartwig, Mitarbeiter im ÖVP-Parlamentsklub auf Twitter. 

"Trumpismus im österreichischen Parlament. Die Freiheitlichen sind keine Maßnahmen-Kritiker, sondern wissenschaftsfeindliche Verschwörungstheoretiker, die vorsätzlich Falschinformationen verbreiten", kritisiert NEOS-Abgeordneter Yannick Shetty. 

Konstantin AuerQuelle: Redaktion / koa