APA - Austria Presse Agentur

FPÖ sucht Hofer-Nachfolger

02. Juni 2021 · Lesedauer 5 min

Nach dem überraschenden Rücktritt von FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer suchen die Freiheitlichen nach einem Nachfolger. Während sich mehrere FPÖ-Landeschefs für Herbert Kickl stark machen, hält sich unter anderem Oberösterreich noch bedeckt.

Am Dienstagnachmittag ist Norbert Hofer überraschend als FPÖ-Obmann zurückgetreten. Wohl nicht zuletzt wegen der Auseinandersetzung mit Klubobmann Herbert Kickl. Kickl selbst erklärte bereits, dass er bereit wäre, seinen Beitrag zu leisten. Die FPÖ-Landeschefs von Kärnten, Tirol, und dem Burgenland sprachen sich bereits am Dienstag für Kickl als zumindest interimistischen Nachfolger aus, mehrere große Länder halten sich aber vorerst bedeckt.

Auch Salzburgs FPÖ-Obfrau Marlene Svazek hat sich dann am Mittwoch als weitere Landesparteispitze für Herbert Kickl als neuen FPÖ-Chef ausgesprochen. Da Kickl Klubobmann bleiben solle und auch bleiben werde, sei er logischer Kandidat für die Funktion als Bundesparteiobmann, sagte sie im APA-Gespräch.

Orchestriert wird die Nachfolgersuche von Harald Stefan, der als Dienstältester der Vizeparteichefs formal die Obmann-Agenden weiterführt. Laut APA-Informationen fanden Mittwochfrüh erste interne Gespräche statt. Für den Nachmittag hat Stefan zu einer Pressekonferenz eingeladen, auch Generalsekretär Michael Schnedlitz nimmt teil. Wann die Partei-Gremien tagen, war vorerst aber noch offen. Aus der Wiener Landesgruppe war zu hören, dass Stefan sehr rasch einen geschäftsführenden Obmann ernennen dürfte.

Kickl oder Haimbuchner

Für Politikberater Thomas Hofer entscheidet sich die Nachfolger-Wahl zwischen Kickl und Haimbuchner, wie er Dienstagabend im PULS 24 Newsroom LIVE sagte. Letzterer habe darauf "gespitzt, dass er über die Oberösterreich-Wahl drüber kommt", denn dieser würde nicht nach Wien wollen, sondern möchte in Oberösterreich bleiben. Während Haimbuchner nun auf Zeit spielen würde, drückt Kickl auf das Tempo, so Hofer.

Politikberater Thomas Hofer im Newsroom LIVE über den Rücktritt von FPÖ-Chef Norbert Hofer.

Und: "Kickl hat seine Mannen um sich geschart, der hat seine Regimenter aufgestellt und bei Haimbuchner ist jetzt schlicht und ergreifend das Problem: Er selber will nicht kandidieren – nehme ich mal an." Verwundbar wäre laut Hofer aber auch Kickl. "Die Art, wie er es jetzt gemacht hat, gefällt wohl nicht allen in der Partei."

Deutlicher wird PULS 24 Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner in seiner Analyse am Mittwochvormittag: "Es wird Herbert Kickl werden." Kaltenbrunner führt aus, dass mögliche andere Kandidaten wie der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp und der oberösterreichische Parteivorsitzende Manfred Haimbuchner aus verschiedenen Gründen derzeit nicht infrage kämen. So habe Nepp bei den Wahlen in Wien ein schlechtes Ergebnis eingefahren. Haimbuchner sei ein Anhänger des abgetretenen Parteiobmanns Hofer und stehe in Oberösterreich vor einer Wahl. 

PULS 24 Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner legt sich fest. Kickl wird Hofers Nachfolger als FPÖ-Bundesparteiobmann werden.

Strache geht von Kickl als Nachfolger aus

Der frühere FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sagte bei den PULS 24 Politik-Insidern, dass Kickl als Nachfolger für wahrscheinlich hält. "Kickl war der einzige, der in den letzten Monaten Politik gemacht hat", sagte Strache in der Diskussion mit Meinungsforscher Christoph Haselmayer. Haselmayer sieht es wie Strache: "Alles andere wäre dämlich aus Sicht der Freiheitlichen." Alle anderen in der FPÖ hätten Mikado gespielt: "Wer sich bewegt, verliert."

Haimbuchner und Nepp schweigen

Manfred Haimbuchner selbst äußerte sich bisher noch nicht zu seinen Ambitionen. Haimbuchner gilt als Vertrauter Hofers und als interner Kritiker Kickls. Es war erwartet worden, dass er auf einer Pressekonferenz zu einem anderen Thema am Mittwochvormittag zu der Thematik Stellung nimmt. Die Pressekonferenz war aber kurzfristig abgesagt worden.

Haimbuchner ist ebenso wie Stefan und Kickl ein Stellvertreter Hofers, hat im Herbst allerdings Landtagswahlen zu schlagen und hat immer ausgeschlossen, nach Wien zu gehen, weil er den Oberösterreichern im Wort sei. In einer Aussendung dankte er Hofer und betonte, dieser habe die FPÖ dort positioniert, wo sie auch hingehöre: "Rechts der Mitte, mit einer bürgerlichen Ausrichtung und sowohl regierungs- als auch koalitionsfähig."

Wiens FP-Obmann Nepp, der bereits seine Bereitschaft angedeutet hat, war am Mittwoch vorerst für keine Stellungnahme erreichbar. In der Wiener Partei gibt es jedoch Proponenten, die sich für ein Antreten ihres Obmanns stark machen.

Tirol und Kärnten für Kickl

Sowohl der Tiroler FP-Chef Markus Abwerzger als auch der neue Kärntner Obmann Erwin Angerer sprachen sich noch am Dienstag für Kickl als zumindest interimistischen FPÖ-Chef aus. Angerer reagierte auf den Rücktritt mit Unverständnis, zumal er noch Montagabend mit Hofer telefoniert und einen Termin für kommende Woche vereinbart habe. 

Zur Nachfolge sagte Angerer, man müsse die Situation bewerten und dann eine Entscheidung treffen: "Aber wenn Kickl die Partei übernehmen will, halte ich ihn für einen möglichen Obmann." Auch Alexander Petschnig, Obmann von Hofers burgenländischen Landesgruppe, sprach sich für Kickl aus und lobte dessen "kantige Oppositionspolitik".

Andere Länder halten sich bedeckt

Die anderen Landesparteien legten sich allerdings nicht fest. So lobten der steirische FP-Chef Mario Kunasek und sein Wiener Kollege Dominik Nepp Hofer für dessen Aufbauarbeit nach Ibiza. Beide verwiesen darauf, dass die Partei in Umfragen nun wieder 20 Prozent erreiche. Zur Nachfolgefrage äußerten sie sich nicht. Ebenso der Chef der Vorarlberger Freiheitlichen, Christof Bitschi.

Kein Bekenntnis in Sachen Nachfolgefrage gab es von FPÖ-Niederösterreich-Chef Udo Landbauer. Freilich gilt Kickl in seinem Heimatbundesland als wohlgelitten - der Purkersdorfer trat bei der letzten Nationalratswahl auch als niederösterreichischer Spitzenkandidat an. Salzburgs Landesparteichefin Marlene Svazek, die klar dem Kickl-Lager zugeordnet wird, zeigte sich "überrascht" über Hofers Rücktritt.

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Alexander Plank-BachseltenQuelle: Redaktion / apb