APA - Austria Presse Agentur

Hofer-Rücktritt: Erste FPÖ-Stimmen aus Ländern für Kickl

01. Juni 2021 · Lesedauer 5 min

Überrascht von Norbert Hofers Rücktritt als FPÖ-Chef zeigen sich die Länder-Chefs und sprechen sich für Herbert Kickl als interimistischen Bundesparteichef aus.

Die blauen Landesparteien wurden vom Rücktritt von FPÖ-Obmann Norbert Hofer offenbar überrascht. Das bestätigten sowohl der FP-Chef Markus Abwerzger als auch der neue Kärntner Obmann Erwin Angerer. Beide können sich Hofers Stellvertreter, Klubobmann Herbert Kickl als - zumindest interimistischen - Nachfolger vorstellen.

Orchestriert wird die Suche nach dem Nachfolger nun jedenfalls vom Abgeordneten Harald Stefan. Der an Jahren ältester Hofer-Stellvertreter, Justizsprecher Harald Stefan, kündigte an, er werde umgehend Kontakt mit den weiteren Mitgliedern des Bundesparteipräsidiums der FPÖ aufnehmen, damit die zuständigen Gremien unverzüglich zusammentreten, um über die Nachfolge zu beraten. Der Rücktritt Hofers sei für die gesamte Partei überraschend gekommen, sagte Stefan in einer Aussendung. 

Auch Kickl will mit Stefan und den übrigen Mitgliedern des FPÖ-Präsidiums über die nächsten Schritte beraten. "Ziel muss es sein, umgehend die volle Handlungsfähigkeit der FPÖ wiederherzustellen und die vorhandene Geschlossenheit nach außen klar zu dokumentieren", sagte Kickl in einer Aussendung am Dienstagabend: "Ich selbst bin bereit, meinen Beitrag dazu zu leisten."

Angerer: Abgang "sehr, sehr überraschend"

Für Angerer ist Hofers Abgang "sehr, sehr überraschend" gekommen, wie der neue Kärntner FPÖ-Chef zur APA sagte. "Gestern Abend habe ich nach der Sitzung noch mit ihm telefoniert und einen Termin für nächste Woche ausgemacht. Verstehe ich nicht." Er habe von Hofers Rücktritt aus den Medien erfahren. Zur Nachfolge sagte Angerer, man müsse die Situation bewerten und dann eine Entscheidung treffen: "Aber wenn Kickl die Partei übernehmen will, halte ich ihn für einen möglichen Obmann."

Derzeit sieht Angerer zwar keinen anderen Bewerber, "aber es ist eine neue Situation". Man werde das im Bundesparteivorstand besprechen: "Jetzt wird einmal der Stellvertreter übernehmen, das ist meines Wissens eh der Herbert Kickl, dann wird es einen Parteitag brauchen und Neuwahlen."

Abwerzger: Kickl soll Partei interimistisch übernehmen

Ähnlich Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger, der sich ebenfalls überrascht vom Rücktritt zeigte. "Sein heute verkündeter Rücktritt als Parteiobmann kommt sehr unerwartet, aber seine persönliche Entscheidung ist zur Kenntnis zu nehmen", meinte Abwerzger. Für ihn stehe fest, dass nun sein erster Stellvertreter, Klubobmann Herbert Kickl, die Agenden interimistisch übernehmen soll, bis der Parteitag einen neuen Obmann oder eine neue Obfrau wähle.

Der Tiroler Landesparteiobmann bedankte sich indes in einer Aussendung bei Hofer für seine Arbeit und seinen Einsatz. "Hofer hat die Partei in einer sehr schwierigen Situation übernommen, dafür gebührt ihm großer Dank", so Abwerzger. Hofer habe die Partei "aus einem Tal der Tränen wieder nach oben geführt". "Wir liegen derzeit wieder bei zwanzig Prozent in den Umfragen, was der Verdienst von ihm und seinen Stellvertretern ist", sagte der Tiroler FPÖ-Chef.

Haimbuchner legt sich nicht auf Nachfolger fest

Der oö. FPÖ-Chef LHStv. Manfred Haimbuchner, der sich zuletzt hinter Hofer gestellt hatte, zeigte sich in einer schriftlichen Stellungnahme "überrascht". Er nehme aber "mit großem Verständnis" zur Kenntnis, dass Hofer seine Funktion zurücklege. Hofer habe die Partei "in den schweren Stunden nach der Ibiza-Krise" übernommen und sie "wieder in ruhigere Gewässer und zurück auf die Erfolgsspur" geführt. "Norbert Hofer hat die Partei strategisch dorthin gestellt, wo sie meinem Selbstverständnis nach hingehört: rechts der Mitte, mit einer bürgerlichen Ausrichtung und sowohl regierungs- als auch koalitionsfähig", so Haimbuchner. Hofer gebühre "der Dank des gesamten Dritten Lagers".

Kunasek dankt Hofer

Steiermarks FPÖ-Chef Mario Kunasek dankt Hofer für sein Engagement als Bundesparteiobmann. "Norbert Hofer hat die Partei in einer äußerst schwierigen Lage übernommen und nun liegen wir in Umfragen tatsächlich wieder bei 20 Prozent. Er hat großartige Arbeit geleistet und die freiheitliche Bewegung mit sicherer Hand wieder konsolidiert. Seine heutige Entscheidung ist zu respektieren. Die Freiheitlichen werden in den kommenden Bundesparteigremien alle notwendigen, aus diesem Entschluss entstehenden personellen Weichenstellungen treffen", so Kunasek in einer ersten Reaktion.

Petschnig auch für Kickl

Der burgenländische Landesparteiobmann Alexander Petschnig betonte gegenüber der APA, dass sich die FPÖ bei Hofer dafür bedanken müsse, dass er "in einer schwierigen Zeit Verantwortung übernommen hat". Petschnig sprach sich für Kickl als neuen Parteichef aus. Die FPÖ habe sich nach zwei schwierigen Jahren in den Umfragen wieder verbessert. Grund dafür sei die "kantige Oppositionspolitik, die mit dem Namen Kickl in Verbindung steht".

Nepp legt sich in der Nachfolgefrage nicht fest

Auch der Wiener FPÖ-Obmann Dominik Nepp legte sich in der Nachfolgefrage nicht fest. Er dankte Hofer für seinen "großartigen Einsatz" und verwies ebenfalls auf Umfragewerte um von bis zu 20 Prozent: "Die weiteren personellen Entscheidungen werden in den folgenden Bundesgremien der Freiheitlichen Partei getroffen", so Nepp.

Bitschi: "Bundespartei soll Wichen für erfolgreiche Zukunft stellen"

Ebenso der Chef der Vorarlberger Freiheitlichen, Christof Bitschi. Norbert Hofer habe die FPÖ in einer sehr schwierigen Phase übernommen und die Partei wieder in geordnete Bahnen gelenkt. "Dafür sind wir ihm alle zu großem Dank verpflichtet", stellte Bitschi fest. Wer Hofer an der Parteispitze nachfolgen soll, ließ auch er offen: "Jetzt gilt es, vonseiten der Bundespartei die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen und in Ruhe und wohlüberlegt eine geeignete Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu wählen."

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe