Norbert Hofer tritt als FPÖ-Parteichef zurück

01. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

FPÖ-Bundesparteibmann Norbert Hofer tritt zurück. Das verkündete er in einem kurz darauf wieder gelöschten Tweet. Später bestätigte er seinen Rücktritt in einer Presseaussendung. Kickl äußerte sich: "Ich bin bereit".

"Heute ist mein erster Tag nach der Reha – und mein erster Tag nach der Tagespolitik – ich lege meine Funktion als Bundesobmann zurück und wünsche meinem Nachfolger alles Gute" war am Dienstnachmittag nur für wenige Minuten am Twitter-Account von FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer zu Lesen. Kurz darauf wurde der Tweet allerdings wieder gelöscht.

Die FPÖ-Bundesparteileitung bestätigte seinen Rücktritt kurz darauf aber in einer Presseaussendung: "In den letzten drei Wochen hat er auch über seine persönliche Zukunft in der Politik nachgedacht und ist zur Überzeugung gekommen, dass er das Amt des Bundesparteiobmannes der FPÖ nicht weiter ausüben wird", heißt es da.

PULS 24 Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner der Rücktritt von Norbert Hofer.

"In den letzten Monaten ist es gelungen, die Partei wieder zu stabilisieren und in Umfragen an die 20-Prozent-Marke heranzuführen", wird Hofer dort zitiert. Seine eigene Reise an der Spitze der FPÖ sei "aber mit dem heutigen Tag zu Ende".

Weite Teile der Partei traf der Rücktritt sichtlich unvorbereitet. Informell war zu hören, dass der Abgang auch für die Parteigranden überraschend kam. Eine Bergwanderung der niederösterreichischen FPÖ mit Klubchef Kickl endete inmitten zahlreicher Funklöcher mit pausenlos klingelnden Handys und sprachlosen Funktionären.

Kickl und die anderen Funktionäre saßen gerade in der Waxriegelhütte auf 1.361 Meter Höhe als sie die Nachricht erreichte. Kickl und FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz sind daraufhin zusammen nach Wien gefahren, um die Lage zu sondieren und Gespräche mit den Landesparteien zu führen, berichtete Helmut Fiedler, Vize-Stadtparteichef der FPÖ-Neukirchen und Organisator der Bergwanderung.

Mehrere Landesparteien hatten sich nach dem Rücktritt rasch für einen - zumindest informellen - Parteichef Herbert Kickl ausgesprochen. Kickl will mit den übrigen Mitgliedern des FPÖ-Präsidiums über die nächsten Schritte beraten. "Ziel muss es sein, umgehend die volle Handlungsfähigkeit der FPÖ wiederherzustellen und die vorhandene Geschlossenheit nach außen klar zu dokumentieren", sagte Kickl in einer Aussendung am Dienstagabend: "Ich selbst bin bereit, meinen Beitrag dazu zu leisten."

Machtkampf zwischen Hofer und Kickl

Hofer hatte sich in den vergangenen drei Wochen auf Reha befunden und sich währenddessen eine Auseinandersetzung mit Klubchef Herbert Kickl über die Frage, wer der nächste Spitzenkandidat der FPÖ sein sollte, geliefert. Einen Zusammenhang zwischen diesem Konflikt und seinem Rücktritt bestätigte er.

Seit Monaten tobt in der FPÖ ein Machtkampf zwischen Bundesobmann Hofer und Klubchef Kickl. Letzterer widersprach seinem Parteichef wiederholt und fährt einen scharfen Kurs gegen Corona-Maßnahmen. Im Parlament probte er den Aufstand als er sich entgegen der Weisung Norbert Hofers der Maskenpflicht im Parlament widersetzte.

Walter Hämmerle, Chefredakteur der "Wiener Zeitung", über den Hofer-Rücktritt und den Machtkampf in der FPÖ.

Zuletzt bot Kickl den anderen Oppositionsparteien SPÖ und NEOS sowie der Regierungspartei Grünen eine Koaliton gegen die ÖVP an. Sowohl SPÖ als auch NEOS lehnten das Angebot ab. Während Hofer seinen Rücktritt bekannt gab, befand sich Kickl am Dienstgnachmittag auf einer Wanderung mit Parteikollegen und Sympathisanten. Dort hatte es zum Streit zwischen Hofer und Kickl geheißen, dieser sei beigelegt.

Wer außer Kickl noch als FPÖ-Parteichef in Frage kommt

Ein FPÖ-Parteitag wird laut Hofer in den nächsten Wochen nötig sein. Er habe die Partei nach Ibiza wieder stabilisiert und "soweit aufgestellt, damit sie auch in den nächsten Jahren Erfolg haben kann", meinte Hofer. Er wünsche seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin viel Erfolg. Ob er bei der nächsten Bundespräsidentenwahl wieder antreten möchte, lässt der scheidende FPÖ-Obmann offen.

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Stephan HoferQuelle: Agenturen / Redaktion / hos/APA