Klenk zu Kurz-Schmid-Telefonat: "Wissen, dass sie überwacht werden"

19. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Falter-Chefredakteur Florian Klenk widerspricht Sebastian Kurz, der sich durch die Aufnahme eines Telefonats mit Thomas Schmid entlastet sieht. Er habe das Gefühl, die beiden wussten, dass sie überwacht werden. Ex-Staatsanwalt Gerhard Jarosch bezeichnet Schmids WKStA-Aussage als "Flucht nach vorn".

Thomas Schmid belastet Ex-Kanzler Sebastian Kurz in seiner Aussage gegenüber der WKStA schwer. Der ehemalige ÖVP-Chef holte am Mittwoch zur Verteidigung aus und ließ über seinen Anwalt Werner Suppan die Nachricht von einer "Bombe" verbreiten, einem Telefonat zwischen Kurz und Schmid, das die Aussagen Schmids massiv widerlegen sollte. 

Falter-Chefredakteur Florian Klenk "wäre vorsichtig", das Telefon als entlastend zu bezeichnen, sagt er auf PULS 24 bei "Politik Insider". "Es ist nicht so, dass der Herr Schmid dort sitzt und Dinge erfindet", viele Aussagen, die er gegenüber der WKStA getätigt habe, belege er mit Dokumenten. Außerdem würde er nicht nur andere, sondern auch sich selbst belasten. "Ich hatte das Gefühl, da sprechen zwei Personen, die wissen, dass sie überwacht werden", sagt Klenk zum Telefonat zwischen Kurz und Schmid. 

Klenk: Kurz soll klagen

Klenk gibt auch zu bedenken, dass, wenn Sebastian Kurz sich sicher wäre, dass Schmid lügt, er sofort eine Unterlassungsklage anstrengen könne. Dann müssten Schmid und Kurz vor Gericht als Zeugen aussagen und Schmid hätte die Beweislast. "Wenn ich so sicher bin wie Sebastian Kurz – ab aufs Zivilgericht", sagt der Falter-Journalist und erinnert auch daran, dass der Ex-Kanzler sich vor dem U-Ausschuss einer Aussage entschlug. Das sei nicht nötig, wenn er meine, unschuldig zu sein. Ex-Staatsanwalt Gerald Jarosch, der inzwischen die PR für Unternehmer Sigi Wolf macht, wandte ein, dass er, würde er Kurz vertreten, ihm davon abraten würde. 

Jarosch sieht mehrere mögliche Gründe, warum Kurz das Telefonat mit Schmid aufgezeichnet haben könnte. "Das macht man, um sich abzusichern", sagte er. Es könne sich jedoch auch um eine Absprache gehandelt  haben. Das werde man aber nicht herausfinden. 

"Flucht nach vorn"

Wenn alles wahr sei, was Schmid sage, so der Ex-Staatsanwalt, sei "die Flucht nach vorn" und zur WKStA zu gehen "der einzig richtige Weg". "Erstmals gibt's einen Menschen aus der Regierung, der sagt, was Sache war", unterstrich Klenk die Besonderheit der umfassenden Aussage.

Wesentlich wichtiger als die Aussage Schmids ist für Jarosch nun die Überprüfung durch die Staatsanwaltschaft. Auch Klenk stimmt dem zu. Es gebe keinen Briefwechsel in dem stehe "heute sind wir korrupt und beklauen den Staat", aber Schmids Aussagen würden Puzzleteile für die Staatanwaltschaft liefern, um das Bild zu komplettieren. 

Jarosch: Neuwahlen unwahrscheinlich

"Die Gerichte, wenn sei einmal auf einem draufsitzen, sind sehr streng, vor allem bei Korruption", meinte Klenk. Aber bis es so weit sei, werde es noch lang dauern. Jarosch geht von 1,5 bis zwei Jahren aus, bis es zu einer Anklage kommen werde. Auch die Chance auf baldige Neuwahlen hält Jarosch jedenfalls für gering.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam