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"Bombe": Kurz nimmt Schmid-Telefonat auf - will Aussagen widerlegen

19. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Thomas Schmid packt aus und belastet auch Ex-Kanzler Sebastian Kurz schwer. Der bemüht sich, dem ehemaligen Vertrauten die Glaubwürdigkeit abzusprechen. Sein Anwalt brachte nun eine Tonbandaufzeichnung ins Spiel, die eine "Bombe" darstellen soll.

Ex-Finanz-Generalsekretär Thomas Schmid "versucht den Kronzeugenstatus zu erlangen, indem er Anschuldigungen gegen andere, unter anderem gegen mich, erhebt, um selber straffrei auszugehen", holt Ex-Kanzler Sebastian Kurz auf Facebook zum Gegenschlag aus.

Ton-Aufnahme "eine Bombe"

Und Kurz-Anwalt Werner Suppan legt am Nachmittag nach. Er habe den Behörden eine Tonbandaufzeichnung übermittelt, die Schmids Aussagen "widerlegen" soll. "Diese Tonbandaufzeichnung stellt eine Bombe für den derzeitigen Ermittlungsstand dar und widerlegt massiv die Aussagen, die Thomas Schmid bei den Einvernahmen geäußert hat, um Kronzeuge zu werden", betonte Suppan. Kurz habe zwei Wochen nach der Hausdurchsuchung im Oktober 2021 ein Telefonat mit Schmid mitgeschnitten, in dem dieser etwa das "Beinschab-Tool" erklärt. 

Kurz fragt laut Transkript, das der APA vorliegt mehrmals, wie man darauf komme, dass er in die Umfragen-Affäre involviert sei. Schmid erklärt ihm daraufhin in groben Zügen, wie die Kooperation mit der Meinungsforscherin Sabine Beinschab abgelaufen sei. Kurz fragt, wie man darauf komme, dass er so etwas beauftragt habe. "Die bauen sich ihre eigenen Geschichten zusammen", antwortet Schmid.

Das gesamte Transkript gibt es hier:

"Wir haben doch nie einen Auftrag gegeben"

"Was sie uns da strafrechtlich vorwerfen, kannst du dir das irgendwie erklären", fragt Kurz Schmid laut der Abschrift, denn er könne gar nicht mehr schlafen und zweifle an sich selbst, ob er irgendetwas vergessen habe. "Aber ich hab dir doch nie irgendwie...wir haben doch nie einen Auftrag gegeben, oder wir haben doch nicht einmal über Inserate und sowas geredet...oder ich habe doch nie gesagt, du sollst der Beinschab jetzt irgendwelche Aufträge geben." Schmid widerspricht laut dem Protokoll an dieser Stelle nicht: "Na, aber das is eben das Schlimme, dass man eben...dass die ja ihre eigene Geschichte zusammenbauen, ja."

Beinschab habe einmal in der Woche Erhebungen gemacht, "und dann hat man halt noch 1-2 Fragen angehängt, ja", erklärt Schmid laut dem Protokoll. "Dass diese deppate Kuh dann diese Rechnungen da umeinanderschickt und, aus dem die jetzt machen, das war alles ein Auftrag, das war eine ganz andere Sache." Weder er noch Johannes Frischmann (damals im Finanzministerium und später Sprecher von Kurz als Kanzler) hätten Inserate in Millionenhöhe beauftragt, sondern das seien große Kampagnen gewesen, die das Finanzministerium laufend gemacht habe.

"Finds einfach so eine Frechheit"

"Aber das heißt, du glaubst schon, dass sich das aufklären lässt, diese Dinge auch", wird Kurz zitiert. "Ja...ich...man muss auch alles daran setzen, dass man das aufklären kann", soll Schmid geantwortet haben. "Ich find nur so skurril, wie kann man sagen, ich hätte das beauftragt. Oder ich hätte das angestiftet. Das verstehe ich irgendwie nicht", meint Kurz an späterer Stelle. "Also ich finds einfach so eine Frechheit, dass man mir das unterstellen kann. Ich könnt jeden Tag irgendwie explodieren." "Jaja, und das ist das Schlimme an denen, weil die bauen sich ihre eigenen Geschichten zusammen und dann ziehen sie alle möglichen Leute hinein, ja", antwortete Schmid der Abschrift zufolge. Wie man auf den Vorwurf der Anstiftung komme, "das kann ich dir nicht beantworten", "das behaupten's dann einfach, ja".

Edtstadler zur Schmid-Aussage: "Konsequenzen seiten der Politik sind gezogen worden"

Schmid ist in dem Gespräch auch bemüht, seine eigene Rolle kleinzuhalten: "Ich hab mich um diese Dinge ja nie gekümmert", sagt er, "um Rechnungen oder irgendwas in dem Zusammenhang."

"Verwanzt" doch keine Paranoia? 

Interessant ist die Neuigkeit auch deshalb, weil Thomas Schmid der WKStA gegenüber zu Protokoll gab, dass er vor seinem letzten Treffen mit Kurz Gernot Blümel angerufen habe, um zu fragen, ob Kurzs verwanzt sein könnte. Blümel habe zu ihm daraufhin gemeint, dass Kurz zuvor dasselbe über Schmid gefragt habe. "Blümel hat dann gemeint, wenn wir schon so weit sind, dass es dann ohnehin schwierig wird", so Schmid laut Protokoll.

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In seiner Stellungnahme auf Facebook erklärte Kurz ebenfalls, Schmids Aussagen seien "keine Überraschung", die Aussagen falsch. Er kritisiert auch die Arbeit der Ermittlungsbehörde. "Diese Aussagen sind für die WKStA sehr willkommen, da es nach einem Jahr Ermittlungsverfahren rein gar nichts gab, das die Vorwürfe gegen mich bestätigt hätte."

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Marianne LamplQuelle: Agenturen / Redaktion / lam