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Ex-Außenministerin Karin Kneissl schreibt für Russia Today

Mai 09, 2020 · Lesedauer 2 min

Bei ihrer Hochzeit machte sie einen Knicks vor Russlands Präsident Wladimir Putin – nun schreibt Karin Kneissl für dessen Propagandamedium Russia Today.

Es war ein Bild, das weltweit für Kritik sorgte. Karin Kneissl, damals Außenministerin auf einem FPÖ-Ticket, knickst vor ihrem wohl prominentesten Hochzeitsgast: Russlands Präsident Wladimir Putin. Zu sehen bekam die Welt das Video dank Russia Today (RT). Gegründet und finanziert vom russischen Staat, sendet RT in mehreren Sprachen. Kritiker sehen in RT einen Auslands-Propagandasender des Präsidenten.

"Genau jene österreichische Ex-Außenministerin Karin Kneissl, auf deren Hochzeit Putin tanzte, wird jetzt für uns Kolumnen schreiben", kommentierte RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan am Freitag auf Twitter.

Die Ex-Politikerin selbst sieht keine permanente Zusammenarbeit mit dem russischen Medium: "Ich gehöre nicht zu denen, die sich regelmäßig äußern wollen. Ich mache das nur, wenn es sich thematisch ergibt, und zu Themen, wo ich sattelfest bin und eine Analyse anzubieten habe", erklärte sie gegenüber der APA.

Sattelfest scheint Kneissl, die von RT als "Energieanalytikerin und Buchautorin, ehemalige österreichische Außenministerin" beschrieben wird, im Thema Automobilindustrie zu sein – nicht unbedingt über das Aushängeschild der russischen Industrie.

Kneissl glaubt, dass die Regierung bald wieder die Rolle als einflussreicher Aktionär in der Automobilindustrie zurückgewinnen wird. Das sehe man bereits im Luftfahrtsektor, bei dem ein Eingreifen der Regierung wahrscheinlich erforderlich sein werde. Dabei spielt sie darauf an, dass viele Unternehmen darüber nachdenken, die Produktion wieder nach Europa zurückzuholen.

Vertrauter Verbrenner

Kneissl habe auf dem Wirtschaftsforum 2019 mit vielen Vertretern der Automobilindustrie über den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor geredet. Ihr wurde für 2020 ein Jahr der schwierigen Entscheidungen vorausgesagt. Während einige in Wissenschaft und Politik argumentieren, es sei nun der richtige Zeitpunkt für eine radikale Änderung zu einer grünen Gesellschaft, seien andere skeptisch.

Die ehemalige Außenministerin glaubt, angesichts des Anstiegs der Arbeitslosigkeit werden viele weiterhin alte Dieselautos fahren. Um realistische Entscheidungen über die Zukunft zu treffen, müssen man die menschliche Natur verstehen und sich nicht in Statistiken verlieren. Die Menschen werden weiterhin fahren, so Kneissl. Hauptsächlich in einem Auto mit vertrauten Verbrennungsmotor.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe