APA - Austria Presse Agentur

EU und Großbritannien streiten über Fischfang-Rechte

17. Dez 2020 · Lesedauer 2 min

Nach einem Telefonat mit dem britischen Premierminister Boris Johnson hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen von großen Fortschritten bei den Brexit-Verhandlungen berichtet.

 Jedoch müssten bei dem Thema der Fischerei noch "große Differenzen" überbrückt werden, erklärte sie am Donnerstag. Von britischer Seite hieß es, Johnson habe die Haltung der EU bei der Fischerei als "schlicht unvernünftig" bezeichnet. Die Verhandlungen sollten Freitag fortgesetzt werden. Zuvor hatten EU-Vertreter und Diplomaten der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, eine Einigung bis Freitag sei unwahrscheinlich. Auch sie nannten den Streit über den Fischfang als wichtigen Knackpunkt

Dem britischen Staatsminister Michael Gove zufolge werden EU-Fischerboote im Fall eines No-Deal-Brexits zunächst keinen Zugang mehr zu britischen Gewässern haben. "Wir würden selbst unter diesen Umständen versuchen, ein pragmatisches Abkommen zu schließen", sagte Gove in einem Parlamentsausschuss am Donnerstag. "Aber wenn es zum 31. Dezember keinen Deal gibt, würden europäische Schiffe den Zugang zu unseren Gewässern am 1. Jänner verlieren", so der Minister.

Die Frage nach dem Zugang für europäische Fischer zu den reichen Gewässern, die in der 200-Meilen-Zone um die britische Küste liegen, ist einer der kniffligsten Streitpunkte bei den laufenden Verhandlungen über einen Brexit-Handelspakt. Sollten die Gespräche nicht bis zum Ablauf der Übergangsphase bis Jahresende zum Erfolg führen, drohen Zölle und andere Handelshemmnisse.

Großbritannien will künftig selbst darüber entscheiden, wer wie viel Fisch aus seinen Gewässern entnehmen kann und den Anteil der heimischen Industrie erheblich erhöhen. Das solle idealerweise in einem stufenweisen Prozess erfolgen, betonte Gove. Über den Zugang nicht-britischer Fischer solle dann auf jährlicher Basis entschieden werden.

Schwierig für die britische Seite ist, dass ein Großteil des eigenen Fangs für den europäischen Markt bestimmt ist. Sollten Zölle eingeführt werden, könnte es sein, dass die britischen Fischer auf ihrem Fang sitzen bleiben. "In einer idealen Welt würden wir uns zollfreien Zugang für unsere Fisch- und Schalentier-Produkte zum europäischen Markt wünschen", so Gove.

Der Chef des irischen Fischerverbands (Killybegs Fishermen's Organisation), Seán O 'Donoghue, warnte unterdessen davor, die Frage nach den Fischereirechten von den Verhandlungen auszuklammern. Das sei "gleichbedeutend mit einem No Deal" für die irische Fischereibranche, der dadurch 5.000 Arbeitsplätze verloren gehen würden.

Quelle: Agenturen