EMA lässt Biontech für Jugendliche zu

28. Mai 2021 · Lesedauer 4 min

Die europäische Zulassungsbehörde (EMA) lässt den Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zu. In Österreich startet daher nun eine Überprüfung des Ergebnis durch das Nationalen Impfgremium (NIG). 

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat sich entschieden: Der Impfstoff von Biontech wird für Jugendliche zugelassen. Die finale Entscheidung muss nun noch von der Europäischen Kommission gefällt werden. Dies gilt aber als Formsache.

Nun startet eine Überprüfung des Nationalen Impfgremiums (NIG) in Österreich. Bei einer Freigabe für die Zwölf- bis 16-Jährigen würden in den nächsten Wochen Informationskampagnen für die Eltern anlaufen, versprach Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein schon vorab.

Der Infektiologe Herwig Kollaritsch, der Mitglied des nationalen Impfgremiums ist, will die Entscheidung der EMA zur Zulassung des Corona-Impfstoffs für Über-12-Jährige abwarten bevor das nationale Impfgremium eine Empfehlung ausgibt.

Bis zum Ende des Sommers sollen Minderjährige in Österreich gegen Corona geimpft werden - vorbehaltlich einer Zulassung durch das NIG. "Wir haben das Ziel, dass bis Ende August eine möglichst große Anzahl Kinder und Jugendlicher zwischen zwölf und 16 geimpft sein soll", sagte der Minister. Allerdings würden die Priorisierungen weiterhin von den Ländern entschieden. Es sei aber genügend Impfstoff vorhanden, sagte Mückstein.

Rendi-Wagner: Zulassung ist "richtige Entscheidung"

Die Entscheidung der EMA, den Impfstoff von Biontech für Jugendliche zuzulassen, haltet SPÖ-Klubchefin Pamela Rendi-Wagner für "die richtige Entscheidung", wie sie im PULS 24 Interview sagt. Die bisherige Datenlage würde zeigen, dass der Impfstoff für Kinder ab 12 Jahren "sicher ist". Eine Impfung für Kinder stellt laut Rendi-Wagner nicht nur einen Schutz für das Kind selber dar, sondern auch für die Umgebung. Dadurch könne man die Schulen "endlich zu sicheren Orten" machen und müsse sie nicht mehr schließen, sagt die SPÖ-Klubchefin.

Auf die Skepsis manche Eltern angesprochen, sagt Rendi-Wagner: "Die EMA ist fast die strengste Zulassungsbehörde weltweit". Demnach sehe sie bei der Verimpfung des Impfstoffs an Über-12-Jährige kein Problem. Mehr Sicherheit würden auch die Daten der amerikanischen Studien zu der Wirksamkeit des Impfstoffes bei Kindern bieten. Diese werden laut Rendi-Wagner in den nächsten Wochen folgen.

Studie erforschte Wirksamkeit für Kinder

In den USA und in Kanada werden Kinder und Jugendliche bereits gegen das Coronavirus geimpft. Jüngste Studienergebnisse, die bereits Grundlage für die Notfall-Zulassung des Impfstoffs in den USA in dieser Altersgruppe waren, deuten darauf hin, dass der Impfstoff für Zwölf- bis 15-Jährige eine Sicherheit und Wirksamkeit bietet. Bei einer größeren, repräsentativen Gruppe von geimpften Kindern und Jugendlichen trat demnach kein Covid-19-Fall auf. 

Weseslindtner: "Datenlage bei Kindern ist noch nicht immens groß"

Auch für Lukas Weseslindtner, Virologe bei der MedUni Wien, spricht "grundsätzlich nichts" gegen eine Corona-Impfung für Über-12-Jährige, wie er im PULS 24 Interview sagt. "Die Datenlage bei Kindern ist noch nicht immens groß", erklärt er weiter. Demnach müsse man sich die Risikoanalyse "noch anschauen". Die EMA-Zulassung sei aber eine "Baisis", um die Impfung auch bei Jugendlichen planen zu können. Um eine Herdenimmunität zu erzeugen sei die Durchimpfung der Kinder allerdings keine "zwingende Notwendigkeit", so der Virologe. Wichtiger sei es zuvor die Durchimpfungsrate bei Erwachsenen zu steigern.

Generell sei es laut Weseslindtner wichtig die Durchimpfungsrate voran zu treiben und mehr Personen voll zu immunisieren. Je mehr geimpft würde, desto "höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der letzte Herbst nicht wiederholt."

Lukas Weseslindtner, Virologe bei der MedUni Wien, spricht mit PULS 24 über die EMA-Zulassung für den Impfstoff von Biontech für Jugendliche.

Montgomery: "Nutzen muss größer sein als der Schaden"

Für Frank-Ulrich Montgomery, Weltärztepräsident, steht in diesem Fall fest: "Der Nutzen muss größer sein als der Schaden", sagt er gegenüber PULS 24. Es müsse stets das Risiko abgewogen werden, auch bei einer möglichen Zulassung für Jüngere. Sollten die Nebenwirkungen für diese Altersgruppe schlimmer sein, als eine Erkrankung, "dann wird man diese Kinder nicht impfen dürfen", erklärt der Weltärztepräsident. 

Im Newsroom LIVE am Donnerstag ist Frank-Ulrich Montgomery, Weltärztepräsident, zu Gast und spricht über die Zulassung des Corona-Impfstoffs für Kinder.

Quelle: Agenturen / Redaktion / pea